Mammapalpation
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LoslegenSynonyme: Brustabtastung, Tastuntersuchung der Brust
Definition
Die Mammapalpation ist die klinische Untersuchung der Brustdrüse (Mamma) durch Abtasten der Brust mit den Händen. Sie kann durch einen Arzt oder die Patientin selbst (Selbstabtastung der Brust) durchgeführt werden.
Technik
Die Mammapalpation erfolgt im Sitzen und/oder in Rückenlage. Beide Brüste werden im Seitenvergleich untersucht. Die Untersuchung soll möglichst das gesamte Brustdrüsengewebe einschließlich der Axillarausläufer sowie die regionalen Lymphknotenstationen umfassen.
Inspektion
Vor der Palpation erfolgt die Inspektion der Brüste im Sitzen, zunächst bei locker herabhängenden, anschließend bei angehobenen Armen. Dabei achtet man auf Asymmetrien, Hautveränderungen, Einziehungen, Schwellungen und Veränderungen der Mamille.
Palpation
Die Palpation erfolgt mit den Fingerkuppen bzw. den Fingerbeeren der mittleren drei Finger. Es wird leichter, mittlerer und stärkerer Druck angewendet, um oberflächliche und tiefer gelegene Gewebeschichten zu erfassen.
Die Untersuchung läuft schematisch ab, um eine vollständige Abtastung zu gewährleisten. Die Finger werden in parallelen, vertikalen Bahnen oder spiralförmig von der Peripherie zur Mamille geführt. Dabei führen die Finger kleine, überlappende kreisförmige Bewegungen aus.
Ergänzend werden die axillären sowie die supra- und infraklavikulären Lymphknotenstationen untersucht. Die axilläre Palpation erfolgt bei möglichst entspannter Armmuskulatur und leicht unterstütztem Arm der Patientin.
Zur Untersuchung in Rückenlage wird der Oberkörper mit einem Kissen unter der Schulter der untersuchten Seite gestützt. Den ipsilateralen Arm legt die Patientin hinter den Kopf. Dadurch verteilt sich das Brustdrüsengewebe gleichmäßiger über der Thoraxwand.
HowTo-Video
Befundung
Bei der Palpation wird auf folgende Befunde geachtet:
- Knoten bzw. umschriebene Indurationen
- Größe, Form und Begrenzung tastbarer Veränderungen
- Konsistenz und Verschieblichkeit gegenüber Haut und Unterlage
- Druckdolenz
- Haut- oder Mamillenretraktionen
Pathologische Tastbefunde werden dokumentiert. Ihre Lokalisation wird anhand des Uhrzeigerschemas unter Angabe des Abstands zur Mamille beschrieben.
Aussagekraft
Die Mammapalpation lässt sich schnell, kostengünstig und ohne Hilfsmittel durchführen. Die diagnostische Aussagekraft der Untersuchung ist allerdings begrenzt. Sie hängt unter anderem von der Größe und Lokalisation einer Läsion, der Brustdichte sowie der Erfahrung des Untersuchers ab. Eine sichere Differenzierung zwischen benignen und malignen Veränderungen ist nicht möglich.
Die Angaben zur Sensitivität für die Erkennung eines Mammakarzinoms variieren erheblich. In Studien werden Werte zwischen etwa 40 und 70 % angegeben. Diese Zahlen sind jedoch stark vom untersuchten Kollektiv und der Untersuchungsmethodik abhängig. Vor allem kleine, tief gelegene Tumoren können der Tastuntersuchung entgehen.
Ein unauffälliger Palpationsbefund schließt ein Mammakarzinom daher nicht aus. Bei suspekten Tastbefunden ist eine weiterführende Diagnostik mittels Mammasonographie und/oder Mammographie sowie ggf. eine histologische Abklärung durch Biopsie erforderlich.
Literatur
- Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Version 5.0, Dezember 2025, AWMF-Registernummer 032-045OL.
- Barton MB, Harris R, Fletcher SW: The rational clinical examination. Does this patient have breast cancer? The screening clinical breast examination: should it be done? How? JAMA. 1999;282(13):1270–1280. doi:10.1001/jama.282.13.1270. PubMed]
- National Cancer Institute: Breast Cancer Screening (PDQ®) – Health Professional Version.
- Kösters JP, Gøtzsche PC: Regular self-examination or clinical examination for early detection of breast cancer. Cochrane Database Syst Rev. 2003