MR-Zisternographie
Synonyme: Magnetresonanz-Zisternographie, MRT-Zisternographie
Englisch: MR cisternography
Definition
Die MR-Zisternographie, kurz MRZ, ist ein nicht-invasives bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Liquorräume des zentralen Nervensystems mittels Magnetresonanztomographie (MRT).
Hintergrund
Die MRZ wird insbesondere zur Beurteilung der subarachnoidalen Zisternen, basalen Liquorräume sowie möglicher Liquorleckagen eingesetzt und dient der hochauflösenden morphologischen Darstellung der liquorführenden Räume sowie der Detektion und Lokalisation von Liquorfisteln. Im Gegensatz zur klassischen kraniellen MRT steht dabei nicht die Beurteilung des Hirnparenchyms im Vordergrund.
Indikationen
- Rhinoliquorrhoe
- Otoliquorrhoe
- Beurteilung des Zustandes nach Schädel-Hirn-Trauma bei Verdacht auf Liquorfistel
- postoperative Zustände nach Eingriffen im Bereich der Schädelbasis
- Liquorzirkulationsstörungen, z.B. Hydrozephalus (meist als Ergänzung zur kraniellen MRT)
- arachnoidale Zysten
- unklare strukturelle Veränderungen mit spezifischer Fragestellung hinsichtlich Liquorräumen oder Liquorflussbeziehungen
Kontraindikationen
- allgemeine MRT-Kontraindikationen (z.B. nicht-MRT-kompatible Implantate)
- ausgeprägte Klaustrophobie und fehlende Möglichkeit zur Sedierung
- bei intrathekaler Kontrastmittelgabe (selten): zusätzliche Risiken wie Infektion oder Arachnoiditis
Methodik
Man unterscheidet eine native MR-Zisternographie ohne Kontrastmittelgabe von selten eingesetzten intrathekal kontrastmittelverstärkten Verfahren in speziellen Fragestellungen.
Die Untersuchung basiert auf stark T2-gewichteten Sequenzen. Der Liquor stellt sich dabei aufgrund seiner hohen Signalintensität hyperintens dar, während angrenzende Weichteil- und knöcherne Strukturen hypointens erscheinen. Hierdurch ergibt sich ein ausgeprägter intrinscher Kontrast, der eine präzise Abgrenzung der Liquorräume ermöglicht. Die Datensätze können multiplanar rekonstruiert werden, was eine exakte anatomische Zuordnung ermöglicht. Bei Verdacht auf Liquorfisteln können zusätzliche Sequenzen oder Lagerungsmanöver zur Provokation eines Liquoraustritts eingesetzt werden.
Interpretation
Im Normalbefund zeigt sich eine kontinuierliche Darstellung der Liquorräume ohne Hinweise auf Signalunterbrechungen, Liquorausbuchtungen oder extrakranielle Ausdehnung. Bei Verdacht auf ein Liquorleck können hingegen direkte oder indirekte Zeichen einer gestörten Liquorzirkulation bzw. -abgrenzung vorliegen, insbesondere:
- extrakranielle Liquoransammlungen in angrenzenden Weichteilen oder Sinusstrukturen (z.B. im Sinne einer Rhinoliquorrhoe oder Otoliquorrhoe)
- Nachweis einer abnormen Verbindung zwischen Subarachnoidalraum und extrakraniellen Kompartimenten bzw. Nachweis von Meningozelen oder Meningoenzephalozelen
- Diskontinuitäten der Dura mater als Hinweis auf eine mögliche Liquorfistel
Vorteile
- keine ionisierende Strahlung
- nicht-invasiv bei nativer MRZ
Nachteile
- Bewegungsartefakte
- kleine Liquorleckagen sind ggf. nicht sicher nachweisbar
- eingeschränkte Darstellung knöcherner Strukturen im Vergleich zur hochauflösenden CT
- mögliche Beeinträchtigung der Beurteilbarkeit durch Sekret, Blut oder entzündliche Veränderungen