Lebervenendeprivation
Englisch: liver venous deprivation
Definition
Die Lebervenendeprivation, kurz LVD, ist ein interventionelles radiologisches Verfahren, das zur präoperativen Induktion einer Hypertrophie des zukünftigen Leberrestvolumens (future liver remnant, FLR) vor Leberteilresektionen durchgeführt wird. Sie kombiniert die Embolisation der portalvenösen Zuflüsse mit einer Okklusion der ipsilateralen Lebervenen und ist eine Weiterentwicklung der isolierten Portalvenenembolisation.
Verfahren
Die LVD wird vor großen Leberresektionen eingesetzt, wenn das zukünftige Leberrestvolumen initial zu klein ist. Das Verfahren zielt darauf ab, durch simultane Blockade von portalem Zufluss und venösem Abfluss eine verstärkte regenerative Antwort des kontralateralen Parenchyms zu induzieren.
Bei der LVD werden zunächst die portalvenösen Äste des zu resezierenden Leberanteils embolisiert. Zusätzlich erfolgt die Okklusion der korrespondierenden Lebervenen, meist mittels Coils oder vaskulären Plug-Systemen. Durch die kombinierte Unterbrechung von Zu- und Abstrom kommt es zu einer verstärkten Atrophie des betroffenen Lebersegments und gleichzeitig zu einer beschleunigten Hypertrophie des verbleibenden Lebergewebes. Die resultierende Zunahme ist allerdings primär volumetrisch und führt nicht zwingend zu einer proportionalen funktionellen Verbesserung.
Die erforderliche Mindestgröße des FLR hängt von der Leberfunktion ab (ca. ≥ 25 % bei gesundem Parenchym, ≥ 30 % bei vorgeschädigter Leber und bis ≥ 40 % bei Zirrhose oder Cholestase). Die präoperative Konditionierung des FLR ist essenziell, da das Posthepatektomie-Leberversagen die führende Ursache für Morbidität und Mortalität nach Major-Leberresektionen darstellt.
Outcome
Im Vergleich zur alleinigen Portalvenenembolisation konnte in Studien eine schnellere und ausgeprägtere Hypertrophie erreicht werden. Im Vergleich zu chirurgischen Verfahren wie ALPPS (In-Situ-Splitting) ist sie weniger invasiv. Allerdings konnte bisher (2026) kein konsistenter Vorteil hinsichtlich perioperativer Morbidität, Mortalität oder Langzeitoutcome gezeigt werden.
Literatur
- El-Ahmar et al.: Konditionierung und Systemtherapievor ausgedehnter Leberresektion. Die Chirurgie, 2025