Lagerungsprüfung nach Hallpike
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LoslegenSynonyme: Dix-Hallpike-Manöver, Dix-Hallpike-Test
Definition
Die Lagerungsprüfung nach Hallpike dient dem Nachweis eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels (BPLS), der vom hinteren Bogengang ausgeht.
Hintergrund
Pathogenetisch liegt dem BPLS höchstwahrscheinlich eine Ablösung der Otolithen von der Macula utriculi des Innenohrs zugrunde. Diese Otolithen werden anschließend in die Bogengänge verschleppt, wo sie sich zu Konglomeraten zusammenlagern. Dabei wird die Canalolithiasis, bei der die Otolithen in das Lumen eines Bogenganges gelangen, von der Cupulolithiasis unterschieden. Hier haften die Otolithen der Cupula direkt an.
Vorgehen
Vor Beginn des Manövers wird der Patient über den Ablauf der Untersuchung und die zu erwartenden Symptome (Schwindel, Übelkeit und weitere Beschwerden) aufgeklärt. Erkrankungen der Halswirbelsäule müssen abgefragt werden, da sie ggf. eine Kontraindikation darstellen. Der Untersucher führt den Kopf des Patienten mit beiden Händen, um Verletzungen der Wirbelsäule zu verhindern.
Der Patient sitzt auf der Liege. Für die Untersuchung des rechten hinteren Bogengangs wird der Kopf um 45° nach rechts gedreht.[1] Dann wird der Patient in dieser Kopfhaltung mit dem gesamten Oberkörper um 90° zügig nach hinten in Kopfhängelage gebracht. Am Ende sollte der Kopf um etwa 20° unter die Horizontale rekliniert sein.[2] Das zu untersuchende Ohr weist dabei nach unten.
Das Manöver wird für beide Seiten durchgeführt. Bei eingeschränkter Beweglichkeit der Halswirbelsäule sind modifizierte Lagerungsproben, etwa mit seitlichem Lagerungsmanöver oder unter Verwendung einer geeigneten Untersuchungsliege, eine Alternative.[3]
Pathophysiologie
Während der Lagerung verändert sich die Position der Otolithen, wodurch verschiedene Reaktionen ausgelöst werden, die hier am Beispiel der ampullennahen Canalolithiasis erklärt werden.
Bei der ampullennahen Canalolithiasis sinken die Otolithen in der Kopfhängelage nach unten in Richtung Boden, weg von der Ampulle. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der zu einer ampullofugalen (von der Ampulle weg) Auslenkung der Cupula führt. Dies führt zu einer Erregung des ipsilateralen hinteren Bogengangs. Diese Erregung löst eine langsame Augenbewegung nach unten mit Verrollung zum oben liegenden Ohr aus. Die Folge sind wiederholte, schnelle Korrektursakkaden in die Gegenrichtung. Sie sind als Nystagmus sichtbar.
Auch das Wiederaufrichten löst eine spezifische Reaktion aus: Dabei sinkt das Otolithen-Konglomerat wieder in Richtung der Ampulle. Die Cupula wird ampullopetal (zur Ampulle hin) ausgelenkt. Dies entspricht einer Hemmung des betroffenen Bogengangs und als Reaktion werden die antagonistischen Augenmuskeln aktiviert (bzw. disinhibiert). Daraus resultiert eine langsame Augenbewegung nach oben mit Verrollung zum zuvor unten liegenden Ohr. Entsprechend entstehen erneut Korrektursakkaden in die Gegenrichtung.
Befund
Nach einer kurzen Latenz von wenigen Sekunden tritt beim typischen BPLS des hinteren Bogengangs ein nach oben schlagender Nystagmus mit torsioneller Komponente zum betroffenen Ohr auf. Er zeigt bei einer Canalolithiasis typischerweise ein Crescendo-Decrescendo-Muster über 10 bis 40 Sekunden, selten länger als eine Minute. Sobald die Otolithen und die Endolymphe zum Stillstand kommen, hört die Erregung auf und der Nystagmus sistiert.
Bei der seltenen Cupulolithiasis kann der Nystagmus bei beibehaltener Lagerungsposition länger als eine Minute anhalten, da an der Cupula haftende Otolithen eine anhaltende schwerkraftabhängige Auslenkung auslösen.
In der Regel wird der Nystagmus von Schwindel und Übelkeit begleitet. Er kann durch Fixation supprimiert werden, weshalb die Untersuchung mithilfe einer Frenzel-Brille erfolgen sollte.[3]
Beim typischen einseitigen BPLS des hinteren Bogengangs wird der charakteristische Nystagmus bei Lagerung auf die betroffene Seite ausgelöst. Bei beidseitigem Befall oder atypischen Varianten kann die Lagerungsprüfung auf beiden Seiten positiv ausfallen.
| Vertikale Komponente | Torsionelle Komponente | Otolithenposition |
|---|---|---|
| nach oben | zum betroffenen, untenliegenden Ohr | Canalolithiasis, ampullennah (am häufigsten) oder Cupulolithiasis (selten) |
| nach unten | zum nicht betroffenen, oben liegenden Ohr | Canalolithiasis, ampullenfern (selten) |
Hinweis: Ein nach unten schlagender Lagerungsnystagmus kann auch bei einem BPLS des vorderen Bogengangs oder bei zentralen vestibulären Erkrankungen auftreten.
Nachdem der Patient in die Ausgangsposition zurückgekehrt ist, kann unter Umständen ein rotatorischer Nystagmus zum gegenüberliegenden Ohr beobachtet werden (siehe oben, Nystagmusumkehr). Bei wiederholtem Durchführen der Lagerungsprobe nimmt die Intensität des Nystagmus ab (Adaptation).
Findet sich beim Hallpike-Manöver ein horizontaler Nystagmus oder bleibt ein Nystagmus trotz einer für BPLS typischen Anamnese aus, soll im Anschluss ein Supine-Head-Roll-Manöver zur Prüfung des horizontalen Bogengangs erfolgen.[1][2][3]
Aussagekraft
Die Lagerungsprüfung nach Hallpike gilt als Goldstandard zum Nachweis eines BPLS, der vom hinteren Bogengang ausgeht. Sie ist jedoch nicht in jedem Fall positiv. Falsch-negative Befunde kommen vor, insbesondere bei intermittierender Symptomatik und abhängig von Technik sowie Erfahrung des Untersuchers.[2][4] Die Sensitivität wird in Übersichtsarbeiten im Bereich von etwa 48 bis 88 % angegeben, während belastbare Angaben zur Spezifität nur eingeschränkt vorliegen.[4] Ein negativer Befund schließt einen BPLS daher nicht sicher aus.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 DEGAM: S2k-Leitlinie Schwindel in der Hausarztpraxis, AWMF-Registernummer 053-018, Version 2.5, Stand 28.02.2025, abgerufen am 30.09.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Bhattacharyya et al., Clinical Practice Guideline: Benign Paroxysmal Positional Vertigo (Update), Otolaryngology–Head and Neck Surgery, 2017
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V., S2-Leitlinie Vestibuläre Funktionsstörungen, Stand 2021
- ↑ 4,0 4,1 Talmud JD, Coffey R, Hsu NM, et al. Dix-Hallpike Maneuver. [Updated 2023 Jul 19]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2023 Jan