Supine-Head-Roll-Test
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: Head-Roll-Test, Supine-Roll-Test, Pagnini-McClure-Manöver
Definition
Der Supine-Head-Roll-Test ist eine klinische Untersuchungsmethode zur Diagnostik eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels (BPLS), der vom horizontalen Bogengang ausgeht.
Indikationen
Bei einer für BPLS typischen Anamnese soll der Supine-Head-Roll-Test durchgeführt werden, wenn das diagnostische Semont-Manöver oder der Dix-Hallpike-Test keinen oder einen horizontalen Nystagmus auslösen.[1]
Durchführung
Der Patient liegt auf dem Rücken, der Kopf ist um 30° inkliniert.[2] Dadurch stehen die vorne leicht aufwärts geneigten horizontalen Bogengänge annähernd senkrecht, das heißt in der Ebene der Gravitationsvektoren. Der Patient trägt eine Frenzelbrille, um eine visuelle Fixation zu unterdrücken.
Der Untersucher hält den Kopf mit beiden Händen und dreht ihn zügig und kontrolliert um etwa 90° zu einer Seite. Dabei werden die Augen beobachtet. Richtung, Intensität, Latenz und Dauer eines auftretenden Nystagmus sowie begleitender Schwindel werden erfasst. Nach Abklingen des Nystagmus wird der Kopf in die Mittelstellung zurückgeführt. Sobald ein ggf. erneut auftretender Nystagmus abgeklungen ist, erfolgt eine entsprechende Drehung zur Gegenseite. Bei anhaltendem Nystagmus wird dessen Persistenz dokumentiert. Die Reaktionen beider Seiten werden miteinander verglichen.[3]
Die Untersuchung kann Schwindel, Übelkeit und Erbrechen auslösen. Der Patient sollte darüber vorab informiert und während der Lagerung sicher unterstützt werden. Die Kopfbewegungen müssen an die Beweglichkeit der Halswirbelsäule angepasst werden; forcierte Bewegungen sind zu vermeiden.
Befunde
Generell gilt der Supine-Head-Roll-Test als positiv, wenn beidseits ein horizontaler Nystagmus in die jeweils entgegengesetzte Richtung auftritt. Hierbei sind folgende Konstellationen möglich:[4][5]
| Nystagmus | Bedeutung | Otolithenposition | Betroffene Seite |
|---|---|---|---|
| beidseits geotrop | schnelle Komponente zum Boden hin | ampullenfern | diejenige mit dem stärkeren Nystagmus |
| beidseits apogeotrop | schnelle Komponente vom Boden weg | ampullennah oder Cupulolithiasis | diejenige mit dem schwächeren Nystagmus |
Die geotrope Form kommt deutlich häufiger vor.
Limitationen
Ein negativer Befund schließt einen horizontalen BPLS nicht sicher aus. Bei fortbestehendem klinischem Verdacht kann eine erneute Untersuchung erforderlich sein. Atypische Nystagmusmuster, zusätzliche neurologische oder okulomotorische Auffälligkeiten sowie ein fehlendes Ansprechen auf geeignete Repositionsmanöver sollten Anlass zur Abklärung einer zentralen Ursache geben. Ein zentraler Lagerungsnystagmus zeigt sich häufiger ohne Latenz, kann länger anhalten und lässt sich durch Fixation oft nicht unterdrücken.[6][7]
Kontraindikationen
Einschränkungen bestehen insbesondere bei relevanten Erkrankungen der Halswirbelsäule, etwa bei zervikaler Instabilität, frischer oder instabiler HWS-Fraktur, starker zervikaler Bewegungseinschränkung oder radikulären Beschwerden. In solchen Fällen kann eine alternative Lagerungstestung erforderlich sein.[8][9]
Literatur
- Thömke, F.: "Benigner peripherer paroxysmaler Lagerungsschwindel" HNO 69, 843–860 (2021). Für das Verständnis der Genese von geo- und apogeotropen Nystagmen ist hierfür Abb. 3 hilfreich.
Quellen
- ↑ DEGAM: S2k-Leitlinie Schwindel in der Hausarztpraxis, AWMF-Registernummer 053-018, Version 2.5, Stand 28.02.2025, abgerufen am 30.09.2026
- ↑ von Brevern et al., Benign paroxysmal positional vertigo: Diagnostic criteria: Consensus document of the Committee for the Classification of Vestibular Disorders of the Bárány Society, Journal of Vestibular Research, 2015
- ↑ Benign Paroxysmal Positional Vertigo - StatPearls, abgerufen am 30.09.2026
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.: "S2-Leitlinie Vestibuläre Funktionsstörungen ", Stand 2021
- ↑ Thömke, F.: "Benigner peripherer paroxysmaler Lagerungsschwindel" HNO 69, 843–860 (2021)
- ↑ Macdonald NK, Kaski D, Saman Y, Al-Shaikh Sulaiman A, Anwer A, Bamiou DE. Central Positional Nystagmus: A Systematic Literature Review. Front Neurol. 2017 Apr 20;8:141. doi: 10.3389/fneur.2017.00141. PMID: 28473800; PMCID: PMC5397512.
- ↑ Trastornos oculomotores centrales y nistagmo, 2011, abgerufen am 30.09.2026
- ↑ Positioning Tests, abgerufen am 30.09.2026
- ↑ Marques et al., Evidence-Based Practice: Management of Vertigo, 2012, abgerufen am 30.09.2026