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Lactatio sine graviditate (Pferd)

Synonyme: Pseudogravidität, Lactatio falsa
Englisch: inappropriate lactation

1 Definition

Als Lactatio sine graviditate bezeichnet man eine pathologische Anbildung des Gesäuges bei der Stute, ohne dass eine Trächtigkeit besteht.

2 Vorkommen

Eine Lacatio sine graviditate kann bei Stuten aller Altersklassen auftreten.

3 Ätiologie

Eine Gesäugeanbildung ohne vorhergehende Trächtigkeit wird vereinzelt bei Stuten beobachtet, die an Ovarialtumoren leiden (z.B. Theka- oder Granulosazelltumor). Manchmal kommt es aber auch zur Anbildung des Euters von Stuten, die engen Kontakt mit Fohlen anderer Stuten haben (z.B. durch Gruppenhaltung oder benachbarte Boxen).

4 Pathogenese

Die genauen Pathomechanismen sowie neuroendokrinen Zusammenhänge bei der Entstehung einer Lactatio sine graviditate sind derzeit (2021) noch unbekannt.

Tritt die Lactatio sine graviditate im Zusammenhang mit Ovarialtumoren auf, sind vermutlich die von den Tumorzellen gebildeten Steroidhormone ursächlich für die Euteranbildung. Da die große Mehrzahl der Ovarialtumoren jedoch ohne Veränderungen der Milchdrüse einhergehen, sind die Pathomechanismen noch weitgehend unbekannt. Zur Gesäugeanbildung kommt es jedoch immer wieder bei Stuten, die engen Kontakt zu Fohlen haben. Welche neuroendokrinen Mechanismen hierfür verantwortlich sind, ist ebenfalls noch Gegenstand von Untersuchungen. Die bislang postulierte Hyperprolaktinämie konnte in Einzeltieruntersuchungen nicht bestätigt werden. Da jedoch keine genauen Daten zur Sekretionsdynamik von Prolaktin bei Stuten mit pathologischer Gesäugeanbildung vorliegen, kann eine pathologische Prolaktinsekretion als Ursache einer Lactatio sine graviditate noch nicht ausgeschlossen werden.

5 Klinik

Betroffene Stuten zeigen ein deutlich angebildetes Gesäuge, ohne dass eine Trächtigkeit besteht. Die Vergrößerung des Euters kann dabei ohne Milchbildung, mit Bildung eines wässrigen Sekrets oder gar mit der Bildung von adspektorisch normaler Milch einhergehen.

Bei einer unkomplizierten Lactation sine graviditate sind keine weiteren Symptome vorhanden.

6 Diagnose

Neben der Untersuchung des Gesäuges ist auch immer eine gründliche gynäkologische Untersuchung durchzuführen. Hierbei legt man das Augenmerk auf die Ovarien sowie mögliche Trächtigkeiten.

Da bei der pathologischen Gesäugeanbildung auch immer das Risiko einer Keimbesiedlung des Euters besteht, ist eine sekundäre Mastitis auszuschließen. Zeigt das Euter keine lokalen Entzündungszeichen (Rötung, Schmerz, pathologische Schwellung u.ä.) und ist das Allgemeinbefinden der Stute unverändert, ist eine Mastitis unwahrscheinlich.

7 Therapie

Leidet die Stute nicht gleichzeitig auch an einer Mastitis, sollte das Euter in Ruhe gelassen werden. Ausmelken sowie andere manipulative Behandlungen (z.B. Auftragen kühlender Gels u.ä.) stellen einen mechanischen Reiz dar, der die Milchbildung weiter stimuliert.

Da noch ungeklärt ist, ob eine vermehrte Prolaktinsekretion ursächlich für die Gesäugeanbildung ist, stehen noch keine gezielten Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Versuchsweise kann man den beim Hund eingesetzten Dopaminagonisten Cabergolin anwenden. Diese Therapie ist jedoch beim Pferd nicht evidenzbasiert. Alternativ zeigte auch Bromocriptin (0,04 mg/kgKG BID p.o.) in einem Fallbericht eine prolaktinhemmende Wirkung.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

Bei pathologisch veränderten Ovarien ist eine einseitige Ovariektomie indiziert. Führt die Nähe eines fremden Fohlens zur Lactatio sine graviditate, ist die Haltung anzupassen und die Stute räumlich vom Fohlen zu trennen.

8 Quellen

  • Aurich C (Hrsg.). 2009. Reproduktionsmedizin beim Pferd. Gynäkologie - Andrologie - Geburtshilfe. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Parey-Verlag. ISBN: 978-3-8304-4179-3
  • Meirelles MG, Guimarães CF, Selim MB, Rennó FP, Belli CB, Fernandes CB. 2012. Bromocriptine Treatment for Inappropriate Lactation in Mares: A Case Report. J Equine Vet Sci 32:840-843. doi:10.1016/j.jevs.2012.03.012

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Juni 2021 um 18:54 Uhr bearbeitet.

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