Kriegstrauma
Englisch: war trauma, combat stress reaction
Definition
Als Kriegstrauma bezeichnet man die psychischen und körperlich-seelischen Folgen von Gewalt, Flucht und ständiger Bedrohung im Krieg – oft in Form von Depression, Angst, chronischer Stress und Verhaltensauffälligkeiten. Betroffene von Kriegstraumata sind neben Soldaten auch Kriegsgefangene, Zivilisten, Journalisten und unbeteiligte Dritte (indirekte Traumatisierung). Das Erleben von Kriegstraumata kann zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) führen.
Ursachen
Über die allgemeine Kennzeichen einer Traumatisierung hinaus sind für ein Kriegstrauma Besonderheiten kennzeichnend:
- Konfrontation mit Tod und Leid
- Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld ("Survivor's Guilt", "Perpetrator trauma")
- Erleben eines Ohnmachtsgefühls und Hilflosigkeit
- Neurologische Schädigung durch biologische oder chemische Kampfstoffe bzw. Gefahrenstoffe oder Explosionstraumata
- Verstümmelungen (Kriegsversehrtheit)
- Drogenkonsum unter Soldaten[1]
- Sexuelle Misshandlungen
Teilweise sind Ursachen für neurologisch-psychiatrische Symptomcluster nach Kriegseinsätzen nicht rekonstruierbar und die Symptomatik nur symptomatisch behandelbar (z.B. Kriegszitterer, Golfkriegssyndrom).
Prävalenz
Gesellschaftliche Bedeutung
Kriegstraumata sind schwerwiegende Traumatisierungen und erfordern häufig eine komplexe multimodale Behandlung. Bleibt die notwendige Unterstützung aus, sind teilweise gravierende gesellschaftliche Folgen beschrieben. Beispiele sind etwa Kriminalität oder Drogenabusus oder Verhaltenssüchte unter Kriegsflüchtlingen oder Soldaten nach Kampfeinsätzen.
Kinder gelten als besonders gefährdet, durch Kriege traumatisiert zu werden und leiden häufig unter lebenslangen Beeinträchtigungen. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass Traumata transgenerational wirken (transgenerationale Traumatisierung).[4]
Behandlung
Die Behandlung kriegstraumabezogener psychischer Belastungen erfolgt primär durch traumafokussierte Psychotherapien, insbesondere Verfahren mit Exposition und kognitiver Umstrukturierung, die PTSD, Depressions- und Angstsymptome signifikant reduzieren und auch bei komplexen Traumafolgestörungen wirksam sind.[5]
Präventiv und versorgungsstrategisch werden für Kinder und Geflüchtete mehrstufige, bedarfsorientierte, trauma-informierte Versorgungssysteme empfohlen, die eine initiale Basisversorgung (Sicherheit, Stabilisierung) mit niedrigschwelligen Gruppenangeboten kombinieren und bei persistierender Symptomatik in eine spezialisierte Therapie überleiten.[6]
Als protektive Faktoren gelten u.a. familiäre Unterstützung, Religiosität sowie gemeinschaftliche Resilienz, die mit einer geringeren Symptomschwere assoziiert sind.[6] Ergänzend kann eine multidisziplinäre Rehabilitation, die medizinische, psychologische, soziale und berufliche Unterstützung integriert, die funktionelle Erholung und Reintegration von Kriegsverletzten verbessern.[7]
Weblinks
- Kriegskinder: Erst im Alter wird oft das Ausmaß der Traumatisierungen sichtbar (Deutsches Ärzteblatt)
- A narrative review of mental health and psychosocial impact of the war in Gaza (WHO)
- Zwischen Resilienz und Trauma: Mentale Gesundheit (Bundeszentrale für politische Bildung)
Literatur
- ↑ Weigelt J: Wer schläft, stirbt. loyal (Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V.), 01.10.2025. (Zugriff am 07.01.2026).
- ↑ Kather T: „Sehr viele Menschen werden psychotherapeutische Hilfe brauchen“. Interview mit Oberstarzt Prof. Dr. Peter Zimmermann zum Thema Kriegstraumata und PTBS, Rubrik „Nachgefragt“, Bundeswehr, Berlin, (03.02.2023)
- ↑ Buchcik J et al.: Prävalenz psychischer Belastungen bei ukrainischen Flüchtlingen in Deutschland – Betrachtung von Geschlechterunterschieden. Prävention und Gesundheitsförderung 19(3) (2024). DOI: 10.1007/s11553-023-01066-z
- ↑ Dunkel F: Zur transgenerationalen Traumatisierung. Ätiologie und Ansätze für die Therapie. Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie 20, 215–227 (2021). DOI: 10.1007/s11620-021-00619-8
- ↑ Coventry PA et al.: Psychological and pharmacological interventions for posttraumatic stress disorder and comorbid mental health problems following complex traumatic events: Systematic review and component network meta-analysis. PLoS Med 17(8):e1003262 (2020). DOI: 10.1371/journal.pmed.1003262
- ↑ 6,0 6,1 Bürgin, D. et al.: Impact of war and forced displacement on children’s mental health—multilevel, needs-oriented, and trauma-informed approaches. Europea Child & Adolescent Psychiatry, 31(6), 845-853, (2022). https://link.springer.com/article/10.1007/s00787-022-01974-z
- ↑ Jain N et al.: War Psychiatry: Identifying and Managing the Neuropsychiatric Consequences of Armed Conflicts. Journal of Primary Case & Community Health, 13, 21501319221106625 (2022). https://doi.org/10.1177/21501319221106625