Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Kollagene Kolitis

Synonyme: kollagene Colitis, Kollagenkolitis
Englisch: collagenous colitis

1 Definition

Die kollagene Kolitis ist eine seltene Form der chronisch-entzündlichen Erkrankung des Gastrointestinaltraktes, die alle Abschnitte des Colons und vereinzelt auch Magen oder terminales Ileum befallen kann. Charakterisierend für die kollagene Kolitis sind die wässrigen Durchfälle bei gleichzeitig unauffälligem endoskopisch-makroskopischem Befund und deutlichen histomorphologischen Veränderungen.
Die kollagene und die lymphozytäre Kolitis werden unter dem Begriff der mikroskopischen Kolitis zusammengefasst.

2 Epidemiologie

Die Inzidenz der mikroskopischen Kolitis ist mit der Inzidenz des Morbus Crohns vergleichbar. Typischerweise erkranken vor allem Frauen im mittleren Lebensalter von durchschnittlich 53 Jahren an der kollagenen Unterform, daraus ergibt sich eine geschlechterspezifische Verteilung (M : F = 1 : 9).

3 Ätiologie

Die Entstehung der kollagenen Kolitis ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Diverse Entstehungsmechanismen werden in der Fachliteratur erörtert und zur Zeit noch untersucht.
Eine These ist die Autoimmunität bzw. das autoimmunologische Geschehen. Das gute Ansprechen auf eine [Steroid]therapie untermauert diese Vermutung.
Eine weitere kaum noch diskutierte These geht von einer bakteriellen oder viralen Ursache aus. Auch wenn diese infektiöse Genese nicht sicher ausgeschlossen werden kann, tritt sie doch immer mehr in den Hintergrund.
Die Einnahme von NSAID und Serotonin-Reuptake-Inhibitoren scheint das Erkrankungsrisiko zu erhöhen.

4 Pathologie

Aus der histopathologischen Untersuchung der Biopsien ergibt sich in der Regel die endgültige Diagnose. Folgende histologische Merkmale sind auffällig:

  • Oft sind diskontinuierliche, diffuse Verdickung auf mehr als 10µm der extrazellulären Matrix (subepithelial) zu finden.
  • In der Lamina propria ist ein entzündliches Infiltrat vorhanden, das vor allem aus Plasmazellen und Lymphozyten besteht.
  • Epitheliale Läsionen, wie das Ablösen der Endothelzellen, können beobachtet werden.

5 Symptomatik

Wässriger Durchfälle ist das Leitsymptom der kollagenen Kolitis. Durchschnittlich treten 5-10 (meist unblutige) Stühle pro Tag auf, welche von Meteorismus und abdominellen Krämpfen begleitet sind. Nur sehr selten sind schwere Dehydratationen zu beobachten. 5-10% der Patienten weisen extraintestinale Manifestationen auf, wie die seronegative, nicht destruierende Arthritis.

6 Diagnostik

  • Blutuntersuchung: Häufig ist eine Erhöhung des BSG (Entzündungsparameter) zu beobachten.
  • Stuhlproben: Bei etwa der Hälfte der Betroffenen ist eine vermehrte Leukozytenausscheidung und eine Steatorrhö nachweisbar.
  • Coloskopie mit Biopsieentnahme: Im makroskopisch-endoskopischen Bild von Colon und Ileum lassen sich nur diskrete Veränderungen wie Schleimhautödeme oder Farbveränderungen (in 30% der Fälle) erkennen. Zur Sicherung der Diagnose sind die entnommene Biopsien bei der Coloskopie unerlässlich.

7 Therapie

Zur Zeit gibt es keine evidenzbasierte Therapieempfehlung für die mikroskopische Kolitis. Ziel ist in erster Linie die Symptomlinderung und eine Verbesserung des Entzündungsprozesses bzw. Reduktion des Kollagenbandes. Auf Grundlage der wenigen kontrollierten Studien, die bisher publiziert wurden, ist ein Behandlungsalgorithmus vorgeschlagen worden:
Zu Beginn sollten potenziell diarrhoeinduzierende Substanzen, wie Alkohol und Koffein gemieden und risikoerhöhende Medikamente, wie NSAID oder Serotonin-Reuptake-Inhibitoren abgesetzt werden. Da bereits ein Drittel aller Patient gut auf eine symptomatische Therapie anspricht, ist die Gabe von Loperamid oder Aktivkohle zum Durchbrechen der Durchfälle sinnvoll. Die Gabe von Bismuthsalizylate, 5-ASA-Präparaten, wie Sulfasalazin oder Mesalazin, Budesonid und Colestyramin scheint bei einigen Patienten ebenfalls zu einer Verbesserung des Krankheitsbildes zu führen. Eine reduzierte Entzündung ist bei 80% der Patienten unter oraler wie auch rektaler Gabe von Steroiden zu beobachten, jedoch kommt es nach Absetzen des Medikamentes fast immer zu einem erneuten Schub. Nur 3 % alle Patienten lassen sich nicht gut mit eben genannten Medikamenten führen. Hier ist eine Therapie mit Azathioprin oder 6-MP angezeigt.
Nur sehr selten ist eine chirurgische Therapie bei schweren therapierefraktären Verläufen indiziert. Auch wenn dieser operativer Eingriff in Form einer Ileostomie sehr effizient zu sein scheint, sollte dies doch das letzte Mittel der Wahl sein.

8 Prognose

Die kollagene Kolitis ist eine chronische Erkrankung mit gutartigem Verlauf. Auch bei chronisch rezidivierenden Verläufen ist bei der Mehrheit der Patienten eine Remission zu beobachten.

9 Weblinks

Deutsche Morbus-Crohn-/Colitis-ulcerosa-Vereinigung (DCCV e.V.)

10 Quellen

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Jörg C. Hoffmann, Anton J. Kroesen, Bodo Klump, Thieme Verlag, ISBN-13: 978-3-13-138112-5

Tags: , ,

Fachgebiete: Gastroenterologie

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

8 Wertungen (2.88 ø)

80.883 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Copyright ©2018 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: