Clinical Decision Support
Synonyme: Klinisches Entscheidungsunterstützungssystem, Clinical Decision Support System, CDSS
Definition
Als Clinical Decision Support, kurz CDS, bezeichnet man die Unterstützung medizinischer Entscheidungsprozesse durch IT-Systeme, die auf der Basis patientenspezifischer Informationen (z.B. Anamnese, Bildgebung, Laborwerte) evidenzbasiertes Wissen und Handlungsempfehlungen zur Verfügung stellen.
Hintergrund
CDS-Systeme entwickelten sich im Rahmen der medizinischen Informatik und der zunehmenden Digitalisierung klinischer Daten. Durch die Verknüpfung patientenspezifischer Informationen mit evidenzbasiertem medizinischem Wissen sollen sie klinische Entscheidungen unterstützen, die Leitlinienadhärenz verbessern und Behandlungsfehler reduzieren. CDS-Anwendungen analysieren klinische Daten und generieren daraus Hinweise, Warnungen oder Handlungsempfehlungen für Diagnostik, Therapie oder Prävention. Sie sind häufig in klinische Informationssysteme oder elektronische Patientenakten integriert.
Beispiele
- Warnsysteme für Arzneimittelinteraktionen, Allergien oder kontraindizierte Dosierungen
- Diagnostische Entscheidungsunterstützungssysteme (z.B. DXplain, Isabel) zur Generierung von Differenzialdiagnosen
- Guidelinebasierte Therapieempfehlungen, etwa zur Antibiotikatherapie
- Automatisierte Screening- oder Präventionshinweise (z.B. Impfstatus, Vorsorgeuntersuchungen)
- Integration klinischer Risikoscores (z.B. CHA₂DS₂-VASc-Score) in elektronische Patientenakten
- KI-gestützte Systeme zur Risikoabschätzung oder Bildanalyse (z.B. in Radiologie oder Intensivmedizin)
Literatur
- Sutton RT et al. An overview of clinical decision support systems: benefits, risks, and strategies for success, NPJ Digit Med., 2020