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Kamptokormie

von griechisch: kampto - beugen, gebeugt und kormos - Rumpf
Synonyme: Camptocormia, bent spine syndrome, cyphose hystérique
Englisch: camptocormia

1 Definition

Als Kamptokormie wird eine unwillkürliche vorwärtsgerichtete Beugung des Rumpfes bis zu 45° (und mehr) bezeichnet. Auslöser solcher dystonen Anspannungen der Rumpfmuskulatur sind verschiedene Erkrankungen, wie z.B. Morbus Parkinson.

2 Hintergrund

Grundsätzlich versteht man unter Kamptokormie eine gebeugte Körperhaltung, die nicht der "Norm" entspricht (Haltungsanomalie). Grundsätzlich liegen meist neurologische oder muskuloskelettale rheumatologische Erkrankungen zugrunde, die als Auslöser einer Kamptokormie gelten. Hinzu kommen die zunehmende Zahlen an Erkankungen paraspinaler Muskulatur, die ebenfalls Ursache einer Vorwärtsbeugung sein können.

Ist nur der Kopf durch ein Herabsinken betroffen, so spricht man hierbei von einem "Dropped-head-Syndrom".

3 Klinisches Bild

Klinisch betrachtet wird der Beginn einer Kamptokormie als rasch progredient (über einige Wochen zunehmend) beschrieben. Die Symptomausprägung ist dabei sehr variabel und kann von einer leichten Vorwärtsbeugung über ein stark ausgeprägtes Absinken des Rumpfes gekennzeichnet sein. Für betroffene Personen ist es in den meisten Fällen unmöglich über einen längeren Zeitraum zu sitzen, zu gehen oder zu stehen.

Kamptokormie-Patienten beschreiben das unwillkürliche Beugen vergleichsweise "wie von einem Gummiband gezogen", da sich der Rumpf wie durch eine unsichtbare Kraft plötzlich nach vorne neigt. Dem Patient ist es auch mit äußerster Willens- und Kraftanstrengung nicht möglich, den Oberkörper längerfristig aufzurichten, weshalb die Lebensqualität durch die Fehlhaltung deutlich vermindert ist.

4 Erkrankungen

Die Ursachen für eine Kamptokormie können vielfältig sein, betreffen in den meisten Fällen jedoch orthopädische, neurologische, rheumatologische und psychiatrische Erkrankungen. Folgende Krankheiten können u.a. Auslöser einer Kamptokormie sein (Auszug):

5 Behandlung

Eine längerfristige Behandlung der Kamptokormie gestaltet sich äußerst schwierig. Nach derzeitigem Wissensstand ist eine Heilung der Symptomatik nicht möglich, jedoch existieren verschiedene Therapieansätze, um der unwillkürlichen Vorwärtsbeugung aktiv entgegen zu wirken.

5.1 Botulinumtoxin

Durch eine gezielte Injektion von Botulinumtoxin in die Psoasmuskulatur (Musculus psoas major et minor) und die längsgerichtete Bauchmuskulatur (Musculus rectus abdominis) soll die nach vorne geneigte Kraft gehemmt werden. Dadurch können Symptomerleichterungen erzielt, jedoch nicht völlig "ausgeschaltet" werden. Es fehlen jedoch aussagekräftige Studien.

5.2 Tiefe Hirnstimulation

Mithilfe der tiefen Hirnstimulation (THS) durch den Einsatz von Elektroden konnten bei axialer Dystonie deutliche Verbesserungen der Symptomatik erzielt werden (Capelle et. al. 2010), hingegen zeigten sich bei Parkinsonpatienten unterschiedlich klare Erleichterungen. Klare Aussagen zur tiefen Hirnstimulation liegen nicht vor, da unterschiedliche Studien auch unterschiedliche Ergebnisse erzielt haben.

5.3 Physiotherapie

Durch eine gezielte Physiotherapie kann der Patient oft als einzige Möglichkeit aktiv gegen die Störung anarbeiten und dadurch die Lebensqualität steigern. Durch die intensiv geführte Therapie kann eine messbare Verbesserung erzielt werden. Schwerpunkt sollte hierbei auf die Kräftigung der Streckmuskulatur von Rücken, Hüfte und Knie gesetzt werden. Die Kombination aus physikalischer Therapie und Hilfsmittel zur Vertikalisierung des Oberkörpers (z.B. hoher Rollator, sog. Arthritisrollator) hat sich als besonders positiv erwiesen. Hierbei ist es besonders wichtig, dass ein strikt eingehaltener Trainingsplan täglich (im Zuge der Therapie und Zuhause) eingehalten wird, da Therapieerfolge nur kurzfristig anhalten und somit kontinuierlich trainiert werden müssen.

Fachgebiete: Neurologie

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