Interstitielles Hirnödem
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Synonyme: transependymales Ödem, hydrozephalisches Ödem
Definition
Das interstitielle Hirnödem ist eine Form des Hirnödems, die infolge eines erhöhten intraventrikulären Drucks entsteht und durch einen transependymalen Übertritt von Liquor cerebrospinalis in den periventrikulären Extrazellulärraum gekennzeichnet ist. Es tritt typischerweise im Rahmen von Störungen der Liquorzirkulation auf, insbesondere bei Hydrozephalus.
Pathophysiologie
Durch den erhöhten Liquordruck kommt es zu einem Übertritt von Liquor durch das Ependym in das angrenzende Hirnparenchym. Die Ödemflüssigkeit ist überwiegend liquorbedingt und damit typischerweise proteinarm.
Im Gegensatz zum vasogenen Hirnödem liegt keine primäre Störung der Blut-Hirn-Schranke vor. Der Prozess ist druckmechanisch bedingt und nicht primär ischämisch oder inflammatorisch vermittelt. Bei anhaltender Druckbelastung kann es sekundär zu einer Beeinträchtigung der zerebralen Mikrozirkulation und strukturellen Parenchymschäden kommen.
Bildgebung
In der Magnetresonanztomographie zeigt sich das interstitielle Ödem als symmetrische, periventrikuläre Hyperintensität in T2- und FLAIR-Sequenzen.
In der diffusionsgewichteten Bildgebung findet sich in der Regel keine Diffusionsrestriktion; der apparente Diffusionskoeffizient (ADC) ist häufig erhöht und reflektiert die vermehrte interstitielle Wasserkomponente. Im CT imponiert das Ödem als periventrikuläre Hypodensität (periventricular lucency), meist in Kombination mit einer Ventrikelerweiterung.
Klinische Bedeutung
Das interstitielle Ödem ist ein bildgebender Marker einer klinisch relevanten intrakraniellen Druckerhöhung. Es korreliert mit Symptomen der intrakraniellen Drucksteigerung wie Kopfschmerzen, Gangstörungen, Vigilanzminderung oder kognitiven Beeinträchtigungen.
Bei rechtzeitiger Druckentlastung ist das interstitielle Ödem in der Regel reversibel. Therapeutisch steht daher die Behandlung der Liquorabflussstörung im Vordergrund, etwa durch externe Ventrikeldrainage, Shuntanlage oder neurochirurgische Dekompression.
Abgrenzung
Das interstitielle Ödem unterscheidet sich grundlegend von den anderen Formen des Hirnödems:
- Beim zytotoxischen Hirnödem kommt es infolge eines Energieversagens zu einer intrazellulären Flüssigkeitsakkumulation.
- Beim vasogenen Hirnödem tritt Flüssigkeit infolge einer gestörten Blut-Hirn-Schranke in den Extrazellulärraum über.
- Das interstitielle Ödem beruht hingegen auf einem transependymalen Liquorübertritt bei erhöhtem Ventrikeldruck und ist primär druckmechanisch bedingt.
In komplexen Krankheitsbildern, etwa bei Hirntumoren oder intrazerebralen Blutungen mit sekundärem Hydrozephalus, können mehrere Ödemformen gleichzeitig auftreten.
Literatur
- Fishman RA. Brain edema. N Engl J Med. 1975;293(14):706-711.
- Nag S, Manias JL, Stewart DJ. Pathology and new players in the pathogenesis of brain edema. Acta Neuropathol. 2009;118(2):197-217.
- Kahle KT, Kulkarni AV, Limbrick DD Jr, Warf BC. Hydrocephalus in children. Lancet. 2016;387(10020):788-799.