Hypertensiver Endorganschaden
Englisch: hypertension-mediated organ damage, HMOD
Definition
Ein hypertensiver Endorganschaden, kurz HMOD, bezeichnet im Kontext der arteriellen Hypertonie strukturelle und funktionelle Veränderungen an Organen, die direkt durch chronisch erhöhten Blutdruck verursacht werden. Die Folgeerscheinungen verlaufen meist lange asymptomatisch. Zu den betroffenen Organen zählen vor allem Herz, Blutgefäße, Nieren, Gehirn und Auge.
Bedeutung
Das Vorliegen von HMOD erhöht das kardiovaskuläre Risiko unabhängig vom Blutdruckniveau und ist ein entscheidender Prädiktor für zukünftige kardiovaskuläre Ereignisse wie Myokardinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Niereninsuffizienz.
Untersuchungen
Leitlinien empfehlen die systematische Suche nach Endorganschäden bereits bei Erstdiagnose der arteriellen Hypertonie, um eine präzisere Risikostratifizierung zu ermöglichen:
- Herz: Elektrokardiogramm (EKG) und Echokardiographie zur Erkennung einer linksventrikulären Hypertrophie
- Niere: Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR) und Bestimmung der eGFR zur Beurteilung der Nierenfunktion
- Auge: Fundoskopie zur Detektion einer hypertensiven Retinopathie
- Gefäße: Messung der Karotis-Femoralis-Pulswellen-Geschwindigkeit und des Knöchel-Arm-Index zur Beurteilung der Gefäßschädigung
- Gehirn: Bildgebung des Gehirns bei neurologischen Symptomen
Literatur
- Brouwers S, Sudano I, Kokubo Y, Sulaica EM. Arterial hypertension Lancet. 2021 Jul 17;398(10296):249-261. doi: 10.1016/S0140-6736(21)00221-X. Epub 2021 May 18. PMID: 34019821.