Albumin-Kreatinin-Quotient
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LoslegenSynonyme: Urin-Albumin-Kreatinin-Quotient, Albumin-Kreatinin-Ratio, UACR
Englisch: albumin-to-creatinine ratio, ACR, urine albumin-to-creatinine ratio, UACR
Definition
Der Albumin-Kreatinin-Quotient, kurz ACR, ist ein Laborparameter zur Quantifizierung einer Albuminurie. Die Albuminkonzentration wird dabei nicht auf das Urinvolumen, sondern auf die Kreatininkonzentration im Urin derselben Probe bezogen. Die Einheit ist mg/g Kreatinin, im SI-System mg/mmol Kreatinin.
Die ACR ist der bevorzugte Test zum Nachweis und zur Verlaufskontrolle einer Albuminurie.[1]
Hintergrund
Konzentrationsangaben im Urin sind wenig aussagekräftig, da die Ergebnisse vom Verdünnungszustand des Urins abhängen. Je nachdem, wie viel der Patient getrunken hat und wie viel Wasser er ausscheidet, kann die Konzentration hoch oder niedrig sein. Klassisch wird diese Fehlerquelle umgangen, indem die Ausscheidung pro Tag ermittelt wird. Hierzu ist aber die Messung aus 24-Stunden-Sammelurin notwendig. Die Urinsammlung ist ihrerseits eine erhebliche Fehlerquelle.
Die Kreatininausscheidung pro Tag ist bei einem Individuum relativ konstant und beträgt ca. 1 g/24 h. Wird die Albuminkonzentration im Verhältnis zur Konzentration des Kreatinins im Urin angegeben, wird der Einfluss der Verdünnung herausgerechnet. Die Bestimmung ist daher aus einer Spontanurinprobe möglich.
Indikation
Die Bestimmung der ACR ist v.a. angezeigt bei Personen mit erhöhtem Risiko für eine chronische Nierenerkrankung (CKD), darunter:[1]
- Diabetes mellitus
- Arterielle Hypertonie
- kardiovaskuläre Erkrankungen
- bekannte oder vermutete CKD
Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt die Bestimmung bei Erstdiagnose einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) < 60 ml/min/1,73 m². Ein Screening der Allgemeinbevölkerung ohne Risikofaktoren wird nicht empfohlen.[2]
Messverfahren
Albumin und Kreatinin werden in derselben Urinprobe bestimmt, vorzugsweise im ersten Morgenurin. Albumin wird immunologisch gemessen, z. B. immunturbidimetrisch, Kreatinin nach der Jaffé-Methode oder enzymatisch. Die ACR wird anschließend berechnet:
Bei einer Kreatininangabe in mg/dl wird die ACR wie folgt berechnet:
Für die Umrechnung in SI-Einheiten gilt: ACR in mg/mmol = ACR in mg/g / 8,84 (1 g Kreatinin ≈ 8,84 mmol).
Semiquantitative Teststreifen eignen sich allenfalls zur Orientierung. Ein positiver Befund sollte durch eine quantitative Labormessung bestätigt werden.[1]
Rechner
Einflussgrößen
Überschlägig kann der Betrag in mg/g Kreatinin als Ausscheidung in mg/d angenommen werden, wenn man für Kreatinin 1 g/d einsetzt. Dies ist allerdings eine starke Vereinfachung. Die Kreatininausscheidung hängt von Muskelmasse, Geschlecht, Alter und Ernährung ab. Sie kann bei einer schlanken Frau nur 0,5 g/d betragen, bei einem muskelkräftigen Mann dagegen über 2 g/d.
Vorübergehende Erhöhungen der ACR sind beispielsweise möglich bei:[1]
- körperlicher Belastung
- Hämaturie und Menstruation
- Harnwegsinfektion
- Fieber
Referenzbereiche
Die Albuminurie wird nach KDIGO in drei Kategorien eingeteilt:[1]
| Kategorie | Albuminurie | ACR (mg/g Kreatinin) | ACR (mg/mmol Kreatinin) |
|---|---|---|---|
| A1 | normal bis leicht erhöht | < 30 | < 3 |
| A2 | moderat erhöht | 30–300 | 3–30 |
| A3 | stark erhöht | > 300 | > 30 |
Hinweis: Referenzwerte sind häufig vom Messverfahren abhängig und können von den o.a. Werten abweichen. Ausschlaggebend sind die Referenzwerte, die vom Labor angegeben werden, das die Untersuchung durchführt.
Die Grenzwerte in mg/mmol sind konventionell gerundet. Die Kategorien A2 und A3 werden in älterer Terminologie auch als Mikroalbuminurie bzw. Makroalbuminurie bezeichnet.
Interpretation
Eine erhöhte ACR sollte durch eine erneute Messung, vorzugsweise im ersten Morgenurin, bestätigt werden. Eine ACR ≥ 30 mg/g, die über mindestens drei Monate besteht, erfüllt bereits allein die Kriterien einer chronischen Nierenerkrankung, auch bei normaler GFR. Die Risikobewertung erfolgt nach der kombinierten Einteilung aus GFR- und Albuminuriekategorie unter Berücksichtigung der zugrunde liegenden Erkrankung.[1]
Cave: Albuminurie und Gesamtproteinurie sind nicht gleichzusetzen. Deshalb wird zusammen mit der Albumin-Creatinin-Ratio häufig auch die Gesamteiweiß-Creatinin-Ratio (ECR) bestimmt.
Limitationen
Bei geringer Muskelmasse, z.B. bei älteren, kachektischen oder amputierten Patienten, ist die Kreatininausscheidung niedrig. Die ACR überschätzt dann die tatsächliche Albuminausscheidung. Bei hoher Muskelmasse wird sie entsprechend unterschätzt. Bei stark verdünntem oder konzentriertem Urin sowie bei akuten Erkrankungen ist die Aussagekraft eingeschränkt. In diesen Fällen kann eine Bestimmung aus dem 24-Stunden-Sammelurin sinnvoll sein.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2024;105(4S):S117–S314.
- ↑ DEGAM, DGfN. S3-Leitlinie Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischer, nicht-nierenersatztherapiepflichtiger Nierenkrankheit in der Hausarztpraxis. AWMF-Registernummer 053-048. 2024