Ovulation
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LoslegenSynonyme: Eisprung, Follikelsprung
Englisch: ovulation
Definition
Unter der Ovulation versteht man die Freisetzung einer Eizelle, präziser einer sekundären Oozyte, aus dem Eierstock (Ovar) und ihre anschließende Aufnahme durch den Eileiter (Tuba uterina).
Zeitpunkt
Die Ovulation findet typischerweise etwa 12–16 Tage vor der nächsten Menstruation statt. Die Länge der vorangehenden Follikelphase des Menstruationszyklus schwankt erheblich. Ihr Mittelwert beträgt 16,9 Tage. Die Dauer der anschließenden Lutealphase ist deutlich konstanter und beträgt durchschnittlich 12,4 Tage.[1] Bei manchen Frauen macht sich der Eisprung als leichter ziehender Schmerz im Unterbauch bemerkbar, der von einer kleinen Ovulationsblutung begleitet sein kann.
Ablauf
Bei der Ovulation rupturiert der Graaf-Follikel, d.h. der größte Tertiärfollikel der heranreifenden Follikelgruppe. Die Follikelruptur ist ein entzündungsähnlicher Prozess: Der LH-Peak aktiviert eine Kaskade aus Prostaglandinen und Matrixmetalloproteinasen (MMPs), die die Follikelwand enzymatisch auflösen. Gleichzeitig kontrahiert die aus Myofibroblasten bestehende Theca externa und treibt die sekundäre Oozyte – noch in der 2. Reifeteilung (Meiose II) arretiert, umgeben von Zona pellucida und Corona radiata – aus dem Follikel aus.[2]
Die Freisetzung der Oozyte erfolgt zunächst in die Peritonealhöhle. Durch die Bewegungen der Fimbrien und den Flüssigkeitsstrom des Eileiters wird sie anschließend in die Tuba uterina aufgenommen. Die Oozyte ist dann für etwa 12–24 Stunden befruchtungsfähig. Da Spermien im weiblichen Genitaltrakt bis zu fünf Tage überleben können, umfasst das fertile Fenster mehrere Tage vor sowie etwa einen Tag nach der Ovulation.
Die zurückbleibenden Follikelschichten (Granulosazellen, Theca interna, Theca externa) bilden unter LH-Stimulation den Gelbkörper (Corpus luteum). Aus den Granulosazellen entstehen die Granulosaluteinzellen; sie produzieren nun vorrangig Progesteron statt Östrogen. Die Zellen der Theca interna wandeln sich zu Thekaluteinzellen um und bilden Progesteron sowie Testosteron, das die Granulosaluteinzellen zu Estradiol aromatisieren.
Bleibt die Befruchtung aus, degeneriert der Gelbkörper in der zweiten Zyklushälfte zum Corpus luteum menstruationis. Bei erfolgreicher Befruchtung wächst er zum Corpus luteum graviditatis und produziert bis zur 10. Schwangerschaftswoche vorwiegend Progesteron, um die Schwangerschaft aufrechtzuerhalten.
Steuerung
Den präovulatorischen LH-Peak löst ein positiver Rückkopplungsmechanismus aus: Steigende Estradiol-Spiegel im späten Follikelstadium stimulieren Kisspeptin-Neurone im Hypothalamus, die daraufhin GnRH in einem Schwall freisetzen.[3] Die Hypophyse antwortet mit einem LH-Surge, der etwa 36 Stunden vor der Ovulation einsetzt; der LH-Peak selbst liegt ca. 10–16 Stunden vor dem Eisprung.[4]
Klinik
Die Bestimmung des Ovulationszeitpunkts spielt eine wichtige Rolle bei der Familienplanung. Darüber hinaus ist sie für die Diagnostik von Zyklusstörungen und in der Reproduktionsmedizin relevant. Gängige Methoden sind Ovulations-Tests (LH-Tests), Basaltemperaturmessungen und sonographische Follikelkontrollen (Follikulometrie).
Quellen
- ↑ Bull JR, Rowland SP, Scherwitzl EB, Scherwitzl R, Danielsson KG, Harper J. Real-world menstrual cycle characteristics of more than 600,000 menstrual cycles. npj Digit Med. 2019;2:83. doi: 10.1038/s41746-019-0152-7
- ↑ Chen YH, Chu TY. Ovulation: A consequence of acute inflammation cultivated by E2-induced reactive oxygen species and triggered by progesterone withdrawal. Tzu Chi Med J. 2025;37(4):351-359. doi: 10.4103/tcmj.tcmj_127_25
- ↑ Evans MC, Anderson GM. Integration of Circadian and Metabolic Control of Reproductive Function. Endocrinology. 2018;159(11):3661-3673. doi: 10.1210/en.2018-00691
- ↑ Mizrachi Y, Weissman A, Rozen G, Rogers PAW, Stern C, Polyakov A. Timing of progesterone luteal support in natural cryopreserved embryo transfer cycles: back to basics. Reprod Biomed Online. 2022;45(1):63-68. doi: 10.1016/j.rbmo.2022.03.021