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Ductus thoracicus (Veterinärmedizin)

Synonyme: Brustlymphgang, Milchbrustgang (veraltet)

1 Definition

Der Ductus thoracicus bzw. Brustlymphgang ist ein großlumiges Lymphgefäß, das die Lymphe aus den umliegenden Lymphzentren sammelt und dem Venenwinkel zuführt. Er ist bei allen Haussäugetieren ausgebildet.

2 Anatomie

Der Ductus thoracicus leitet die angesammelte Lymphe aus der Lendenzisterne (Cisterna chyli) in den linken Venenwinkel. Zusätzlich erhält er Zuflüsse aus benachbarten Lymphzentren.

Als größtes Lymphsammelgefäß des Körpers kann der Ductus thoracicus in fünf Abschnitte untergliedert werden:

2.1 Ursprung

Der Ductus thoracicus nimmt seinen Ursprung an der Lendenzisterne. Beim Wiederkäuer und Schwein geht er aus einem einzelnem Stamm, beim Hund und Pferd aus einem zweigeteilten Stamm hervor. Beim Hund können gelegentlich sogar drei Ursprungsstämme angetroffen werden.

2.2 Zwerchfelldurchtritt

Der Durchtritt des Ductus thoracicus durch das Zwerchfell erfolgt beim Pferd, Fleischfresser und Schwein stets gemeinsam mit der Aorta durch den Hiatus aorticus. Beim Wiederkäuer tritt der Brustlymphgang durch eine in der rechten Lumbalportion (Pars lumbalis) des Zwerchfells gelegene Muskelspalte von der Bauch- in die Brusthöhle.

2.3 Rechter Brusthöhlenabschnitt

Der rechte bzw. postkardiale Brusthöhlenabschnitt befindet sich grundsätzlich rechts und dorsal der Aorta thoracica sowie ventral der Vena azygos dextra. In manchen Fällen teilt sich der Ductus thoracicus in diesem Bereich, sodass neben dem üblicherweise dorsal und rechts der Aorta verlaufenden Stamm ein dorsal und links befindlicher Stamm ausgebildet ist. Aufgrund von zahlreichen querverlaufenden Anastomosen gleicht der Ductus thoracicus in diesem Abschnitt einer Strickleiter. Am häufigsten findet man diese Formation beim Hund.

2.4 Linker Brusthöhlenabschnitt

Nachdem der Ductus thoracicus rechtsseitig in der Brusthöhle nach kranial verlaufen ist, wechselt er auf die Gegenseite. Der Übertritt von rechts nach links in den linken bzw. präkardialen Abschnitt erfolgt beim Pferd meist auf Höhe des 6. Brustwirbels. Bei den übrigen Haussäugetieren erfolgt der Seitenwechsel ein Segment weiter kranial. Im weiteren Verlauf steigt der Ductus thoracicus zuerst leicht und anschließend stark nach ventral ab. Während dessen kreuzt er die großen Blutgefäße des Brusteingangs (beim Rind stets medial). Der linke Brusthöhlenabschnitt des Ductus thoracicus weist ebenfalls Kollateralbildungen auf, die wieder am häufigsten beim Hund ausgebildet sind.

2.5 Mündungsstelle

Die Einmündung des Ductus thoracicus in den Venenwinkel erfolgt mit einer Mündungsstelle in das distale Ende der Vena cava cranialis. Am häufigsten findet dieser Zusammenschluss im Bereich der Abzweigestelle der Vena jugularis communis sinistra (oder Vena jugularis externa bzw. interna), der Vena jugularis sinistra oder unmittelbar kaudal davon statt. In manchen Fällen können zwei, seltener mehrere Mündungsäste ausgebildet sein, die variationsreich Anschluss an das Venensystem finden. Der Ductus thoracicus mündet konstant auf Höhe der 1. Rippe oder unmittelbar kranial davon gelegen ein.

Beim Hund und Pferd ist der Mündungsabschnitt regelmäßig - beim Rind oft - ampullenartig erweitert. Der Verschluss der Mündungsstelle erfolgt entweder durch ein Klappenpaar oder durch eine einzelne Klappe. Gelegentlich erfolgt der Verschluss auch durch eine Einengung des Lumens. Da beim Pferd der Verschluss der Einmündung in das Venensystem trotz Vorhandenseins eines Klappenpaares unvollkommen ist, steigt beim toten Tier regelmäßig venöses Blut retrograd in den präkardialen Abschnitt des Ductus thoracicus.

2.6 Lymphklappen

Der Ductus thoracicus enthält bei allen Haussäugetieren etwa 10 bis 15, beim Schwein im Durchschnitt nur 5 bis 8, Lymphklappen. Der Abstand zwischen den einzelnen Klappen verdichtet sich gegen den Mündungsbereich des Ductus thoracicus hin. Der Ursprung an der Lendenzisterne ist stets klappenlos (mit Ausnahme beim Pferd).

3 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band III: Kreislaufsystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.

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