COACH-Syndrom
Englisch: COACH syndrome
Definition
Das COACH-Syndrom ist ein seltenes, genetisch bedingtes Multisystem-Syndrom aus dem Joubert-Spektrum. Charakteristisch ist die Kombination aus einer Fehlbildung des Kleinhirnwurms mit neurokognitiven Einschränkungen, Ataxie, okulären Kolobomen und kongenitaler hepatischer Fibrose.
Hintergrund
COACH ist ein Akronym und steht für folgende charakteristische Pathologien:
- C – Cerebellar vermis defect (Kleinhirnwurmdefekt)
- O – Oligophrenie
- A – Ataxie
- C – Colobom (Kolobom)
- H – Hepatische Fibrose
Ätiologie
Die Erkrankung wird autosomal-rezessiv vererbt. Als ursächliche Mutationen wurden mehrere Gene beschrieben, u.a. MKS3, CC2D2A und RPGRIP1L.
Klinik
Patienten mit COACH-Syndrom zeigen häufig eine verzögerte psychomotorische Entwicklung mit variabler intellektueller Beeinträchtigung. Aufgrund der Beteiligung des Kleinhirns steht klinisch oft eine zerebelläre Ataxie mit Gang- und Koordinationsstörungen im Vordergrund. Viele Betroffene haben Sehstörungen, die durch okuläre (chorioretinale) Kolobome bedingt sind.
Durch die kongenitale hepatische Fibrose kommt es nicht selten zu Hepatomegalie und erhöhten Leberenzymen. Im Verlauf können Zeichen einer portalen Hypertension hinzukommen. Zusätzlich werden dysmorphe Merkmale wie Hypertelorismus und Ptosis beschrieben. Typisch sind außerdem episodische Hyperpnoe-Phasen, also anfallsartige Perioden beschleunigter und vertiefter Atmung.
Diagnostik
Die Diagnose des COACH-Syndroms wird in der Regel anhand einer typischen Kombination aus klinischen Befunden, Bildgebung und einer molekulargenetischen Bestätigung gestellt. Meist entsteht der Verdacht, wenn bei einem Kind eine Entwicklungsverzögerung und eine zerebelläre Ataxie auffallen und gleichzeitig Hinweise auf eine okuläre Beteiligung vorliegen. Zusätzlich sprechen eine Hepatomegalie, erhöhte Leberwerte oder Zeichen einer portalen Hypertension für eine kongenitale hepatische Fibrose als weiteren Baustein des Syndroms.
- Die kraniale MRT zeigt eine Aplasie oder Hypoplasie des Kleinhirnwurms und typische Joubert-assoziierte Merkmale.
- Parallel dient die Abdomensonographie beziehungsweise abdominelle Schnittbildgebung dazu, das Ausmaß der Leberbeteiligung mit Fibrose und portaler Hypertension zu erfassen und nach einer assoziierten zystischen Nierenerkrankung zu fahnden.
- Die augenärztliche Untersuchung ergänzt die Diagnostik, indem Kolobome und mögliche begleitende Netzhautveränderungen nachgewiesen werden.
Heute (2026) wird die Diagnose idealerweise durch eine Genanalyse abgesichert. Dafür wird meist ein Joubert-/Ciliopathie-Panel oder eine Exomsequenzierung eingesetzt, wobei pathogene Varianten in mehreren Genen beschrieben sind, unter anderem in TMEM67 (MKS3), CC2D2A und RPGRIP1L. Die genetische Bestätigung ist besonders hilfreich, um die Einordnung im Joubert-Spektrum zu sichern, die Prognose besser abzuschätzen und eine genetische Beratung der Familie zu ermöglichen.
Differentialdiagnose
Differenzialdiagnostisch ist vor allem das Joubert-Syndrom abzugrenzen, wobei beim COACH-Syndrom typischerweise keine okulomotorischen Störungen bestehen und episodische Hyperpnoephasen auftreten können.
Therapie
Klinisch im Vordergrund beim COACH-Syndrom steht häufig eine progrediente portale Hypertension mit Risiko für Leberfunktionsverschlechterung bis zum Leberversagen. Die Therapie ist überwiegend symptomorientiert und zielt auf die Reduktion von Beschwerden sowie die Vermeidung von Komplikationen (z.B. im Rahmen der portalen Hypertension). Prognose und Verlauf hängen wesentlich vom hepatischen und renalen Organbefall ab.
Literatur
- Verloes et al., Further delineation of a syndrome of cerebellar vermis hypo/aplasia, oligophrenia, congenital ataxia, coloboma, and hepatic fibrosis., Am. J. Med. Genet., 1989
- Barzilai et al., Imaging findings in COACH syndrome, AJR Am J Roentgenol, 1998
- Finn et al. Mutations in 3 Genes (MKS3, CC2D2A and RPGRIP1L) Cause COACH Syndrome (Joubert Syndrome with Congenital Hepatic Fibrosis)., J Med Genet., 2010