Barotitis media
Synonyme: Aerotitis media (AOM), Aerotitis-Media-Syndrom, Flugzeugohr, Barotrauma des Ohres
Definition
Die Barotitis media ist ein druckbedingtes Trauma des Mittelohres. Es entsteht durch eine unzureichende Belüftung der Paukenhöhle über die Tuba auditiva. Die Erkrankung tritt typischerweise bei raschen Änderungen des Umgebungsdrucks auf und ist die häufigste Form des Barotraumas.
Pathogenese
Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Raum, dessen Druck über die Tuba auditiva kontinuierlich an den Umgebungsdruck angepasst wird. Kommt es zu einer plötzlichen Druckänderung (z. B. Flugreisen, Tauchgänge, Druckkammerexposition) und besteht gleichzeitig eine tubäre Dysfunktion (z. B. bei Infekten, allergischer Rhinitis, anatomischen Varianten) entsteht eine Druckdifferenz zwischen Außenwelt und Mittelohr. Sie macht sich durch Schmerzen bemerkbar und kann zu Schleimhautveränderungen, transsudativer Flüssigkeitsansammlung, Hämatotympanon oder Trommelfellperforation führen.
Ein klassischer Auslöser einer Barotitis media ist das Tauchen mit einem oberem Atemwegsinfekt. Dabei kann auch ein forcierter Druckausgleich während des Abtauchens eine Barotitis auslösen.
Symptome
Typische Symptome sind:
- Ohrdruck
- Ohrenschmerz
- Schallleitungsschwerhörigkeit
- Tinnitus oder Schwindel (je nach Schweregrad)
- Gefühl „verstopfter Ohren“
Warnzeichen und Hinweise auf ein Barotrauma des Innenohrs (IEBT) sind ein vollständiger Hörverlust und das Auftreten von Schwindel.
Diagnostik
Die Diagnose wird meist klinisch gestellt und sollte stets im Seitenvergleich erfolgen. Otoskopisch zeigen sich:
- Eingezogenes oder gerötetes Trommelfell
- Flüssigkeitsspiegel in der Paukenhöhle
- Hämatotympanon
Zusätzlich können durchgeführt werden:
- Tympanometrie (zur Beurteilung des Mittelohrdrucks)
- Audiometrie (Verlaufsaudiogramm zur Bestimmung der Hörminderung)
Eine Bildgebung ist bei komplizierten Verläufen, Hörverlust oder persistierendem Schwindel indiziert.
Therapie
Die Behandlung ist überwiegend konservativ. Ziel ist die Wiederherstellung des Druckausgleichs und die Symptomlinderung. Kurzfristig können abschwellende Nasensprays eingesetzt werden, um die Tubenfunktion zu verbessern. Analgetika dienen der Schmerztherapie. Antibiotika sind initial nicht indiziert. Bei Trommelfellperforation ist meist eine abwartende Strategie ausreichend.
Tauchen und Flugreisen sollten bis zur Beschwerdefreiheit eingestellt werden.
Prävention
Zur Prävention gehören kontrollierte Druckausgleichsmanöver, insbesondere bei Flugreisen und Tauchgängen. Bei akuten Infekten der oberen Atemwege sollte auf Druckexposition verzichtet werden. Abschwellende Nasensprays können präventiv kurzzeitig eingesetzt werden. Bei rezidivierenden Beschwerden ist eine fachärztliche Abklärung sinnvoll.
Literatur
- Taho et. al., Barotrauma der Ohren, MSD Manual, 2024
- Stangerup et. al., Barotitis in children after aviation; prevalence and treatment with Otovent, J Laryngol Otol, 1996
- Landolfi et. al., Acute otitic barotrauma during hypobaric chamber training: prevalence and prevention, Aviat Space Environ Med, 2009