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Articulatio talocruralis

Synonym: Oberes Sprunggelenk, OSG
Englisch: talocrural joint

1 Definition

Die Articulatio talocruralis bzw. das obere Sprunggelenk, kurz OSG, ist das am weitesten proximal gelegene Teilgelenk des Sprunggelenks.

2 Anatomie

In der Articulatio talocruralis artikulieren der Unterschenkel (Crus, bestehend aus Tibia und Fibula) mit dem Talus des Fußes. Es zählt zu den Scharniergelenken und weist eine transversal verlaufenden Gelenkachse auf.

2.1 Proximaler Gelenkkörper

Der proximale Gelenkkörper ist die durch die distalen Epiphysen von Tibia und Fibula gebildete Malleolengabel. Diese umfasst lateral und kranial die Trochlea tali. Aufgrund dessen wird das Körpergewicht ausschließlich vom Rollendach auf die Trochlea übertragen.

Medialseitig endet die Tibia in einem massiven, distal stumpf endenden Knochenzapfen, der als Innenknöchel (Malleolus medialis) bekannt ist. Er liegt seitlich medial mit seiner überknorpelten Innenfläche der Trochlea tali an. Durch die distale Fibulaepiphyse wird der eher spitze Außenknöchel (Malleolus lateralis) gebildet, der innen die laterale Gelenkfläche für die laterale Seite der Trochlea tali trägt.

2.2 Distaler Gelenkkörper

Der distale Gelenkkörper wird von der Trochlea tali (Gelenkrolle) gebildet und ist vorne etwa 4-5 mm breiter als hinten. Die darauf befindliche Facies superior (artikuliert mit dem Rollendach der Tibia) weist annähernd die Form eines Kreisbogens auf und besitzt in der Mitte eine Führungsrinne. Seitlich reicht der Gelenkknorpel der Facies malleolaris lateralis weiter nach kaudal als der der Facies malleolaris medialis.

2.3 Gelenkkapsel

Mit Ausnahme des teilweise intraartikulär liegenden Collum tali ist die Gelenkkapsel des OSG an der Knorpel-Knochen-Grenze angeheftet. Ventralseitig (zwischen den Kollateralbändern) ist sie dünn und schlaff, sodass Gelenkergüsse ventral neben den Extensorensehnen vorwölben. Im Bereich der ventralen Kapsel sind die Sehnenscheiden der Extensoren teilweise verwachsen.

2.4 Bandapparat

Klinisch betrachtet werden die Bänder, welche in der Syndesmosis tibiofibularis die Malleolengabel verklammern, zum Bandapparat des OSG gezählt:

Diese zwei Bänder verbinden das laterale Ende des Rollendachs (der Tibia) mit der Vorder- bzw. Hinterkante des Malleolus lateralis fibulae. Durch ihren Faserverlauf (kranial an der Tibia schräg abwärts zur Fibula) setzen sie die vorzugsweise Richtung der Fasern der Membrana interossea cruris nach kaudal fort.

Da das obere Sprunggelenk ein "typisches" Scharniergelenk ist, verfügt es über ausgeprägte Kollateralbänder. Sie gehen von den Malleolen aus und strahlen in die nächstliegenden Fußwurzelknochen aus.

Jene Bänder, die vom Innenknöchel ausgehen, bilden eine sog. kollagen-faserige Platte. Ihre Form ist namensgebend (Ligamentum deltoideum) und besteht aus vier Anteilen. Ihre Hauptaufgabe ist das Verhindern einer Valgisierung des Fußes und gleichzeitiger Hemmung der Eversion bzw. Pronation. Anteilig ziehen auch Fasern über das untere Sprunggelenk (Articulatio talotarsalis).

3 Biomechanik

Über das Rollendach der Tibia wird das Körpergewicht im oberen Sprunggelenk auf die darunter liegende Trochlea übertragen. Da es sich hierbei um ein typisches Scharniergelenk handelt, liegt die Achse in der Frontalebene und geht durch die beiden Spitzen der Malleolen, sodass sie aus der Horizontalen um ca. 10° nach außen geneigt ist. Da am Talus selbst keine Muskeln ansetzen, wirkt jede Muskelaktion auf beide Sprunggelenke. Das obere und untere Sprunggelenk bilden daher eine funktionelle Einheit.

Die Trochlea tali ist vorne breiter als hinten, weshalb sie bei der Dorsalflexion in der Malleolengabel einkeilt. Die Dorsalflexion (Dorsalextension) wird durch die Anspannung des Ligamentum anterius und posterius begrenzt. Man spricht in diesem Fall auch von einer knöchern-ligamentären Gelenkhemmung. Beim dorsalextendierten Fuß ist deshalb die Stabilität im OSG maximal.

Beim plantarflektierten Fuß ist die Malleolengabel zu weit für den schmalen hinteren Teil der Talusrolle, sodass die Knochenführung ungenügend wird. Dies ist ein Hauptgrund, weshalb beim Bergabgehen Bänderverletzungen durch Umknicken des Fußes entstehen. In der Plantarfexion sichern die Partes tibiotalaris anterius und tibionavicularis des Ligamentum deltoideum sowie das Ligamentum talofibulare anterius das obere Sprunggelenk.

Bewegungsumfang im oberen Sprunggelenk:

4 Klinik

Die häufigste Verletzung des oberen Sprunggelenks ist das sog. Supinations-Inversions-Trauma als Folge eines Umknickens des Fußes nach medial. Hierbei werden hauptsächlich die Außenbänder verletzt. Je nach Ausmaß des Traumas variiert die Ausdehnung der Ruptur des Bandapparats. Werden ein oder zwei Bänder komplett rupturiert, reicht in den meisten Fällen eine mehrwöchige Ruhestellung aus. Oft auch gehen Bänderrisse allerdings mit Frakturen der Malleolen einher, v.a. des Malleolus lateralis. Dann wird eine chirurgische Therapie notwendig.

5 Literatur

  • "Duale Reihe Anatomie" - Gerhard Aumüller et. al., Thieme-Verlag, 2. Auflage

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