Aortomitrale Kontinuität
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LoslegenSynonyme: aortomitraler Übergang, aortomitraler Vorhang
Englisch: aortomitral continuity, aortomitral curtain
Definition
Die aortomitrale Kontinuität, kurz AMK, ist eine Bindegewebszone zwischen der hinteren Wurzel der Aortenklappe und dem vorderen Segel der Mitralklappe. Sie ist für die Klappenfunktion und aus elektrophysiologischer Sicht relevant.
Anatomie
Die aortomitrale Kontinuität liegt im hinteren Bereich der Aortenwurzel und erstreckt sich zwischen der linken und der nichtkoronaren Tasche der Aortenklappe sowie dem anterioren Mitralsegel. Sie besteht aus fibrösem Bindegewebe und ist Teil des Herzskeletts, das die Klappenbasis stabilisiert. Topographisch befindet sie sich in unmittelbarer Nähe des His-Bündels und des AV-Knotens.[1]
Physiologie
Die AMK ist keine passive Verbindung, sondern ein funktionell aktiver Bestandteil des Klappenapparats. Sie gewährleistet eine koordinierte Öffnungs- und Schlussbewegung beider Klappen. Das anteriore Mitralsegel enthält im Bereich der AMK kontraktile Kardiomyozyten sowie glatte Muskelzellen, die zur aktiven Versteifung des Segels während der isovolumetrischen Kontraktion beitragen. In Tierexperimenten ließ sich durch eine Stimulation im Bereich der AMK eine Versteifung des gesamten anterioren Mitralsegelgewebes triggern.[2]
Klinik
Die aortomitrale Kontinuität ist ein möglicher Ursprungsort idiopathischer ventrikulärer Tachykardien sowie akzessorischer Leitungsbahnen (Wolff-Parkinson-White-Syndrom). Stimulation im AMK-Bereich erzeugt im 12-Kanal-EKG ein charakteristisches qR-Muster, das an keiner anderen Stelle im linksventrikulären Ausflusstrakt (LVOT) nachgewiesen werden kann.[3] Akzessorische Bahnen im Bereich der AMK zeichnen sich durch eine vergleichbar frühe retrograde Vorhofaktivierung aus.
Eine Kalzifizierung der AMK (engl. aortomitral continuity calcification, AMCC) tritt häufig im Rahmen degenerativer Herzerkrankungen auf und ist klinisch vor allem im Kontext der Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) relevant. Patienten mit nachgewiesener AMCC haben ein etwa vierfach erhöhtes Risiko für die Notwendigkeit einer permanenten Schrittmacherimplantation (permanent pacemaker implantation, PPMI) nach TAVI. Bei einem Kalzifizierungs-Score über 300 Agatston-Einheiten steigt das Risiko auf das Fünffache an.[4]
Die aortomitrale Kontinuität lässt sich mittels transösophagealer Echokardiographie (TEE), Kardio-CT und Kardio-MRT darstellen. Die CT spielt insbesondere bei der Quantifizierung von Kalzifizierungen vor TAVI eine wichtige Rolle.
Quellen
- ↑ Wolfes J et al. Anatomy of the left ventricle for endocardial ablation. Herzschrittmacherther Elektrophysiol. 2022;33(2):161-174.
- ↑ Swanson JC et al. Multiple mitral leaflet contractile systems in the beating heart. J Biomech. 2011;44(7):1328-33.
- ↑ Lin D et al. Twelve-lead electrocardiographic characteristics of the aortic cusp region guided by intracardiac echocardiography and electroanatomic mapping. Heart Rhythm. 2008;5(5):663-9.
- ↑ Katchi F et al. Impact of Aortomitral Continuity Calcification on Need for Permanent Pacemaker After Transcatheter Aortic Valve Replacement. Circ Cardiovasc Imaging. 2019;12(12):e009570.