Antimyokardiale Antikörper
Synonyme: Myokardiale Autoantikörper, Anti-Myokard-Antikörper, Herzmuskel-Autoantikörper, Herzmuskel-Antikörper
Englisch: antimyocardial antibodies, cardiac autoantibodies
Definition
Antimyokardiale Antikörper sind Autoantikörper gegen Strukturen des Myokards. Die Zielantigene umfassen kontraktile Proteine, membranständige Rezeptoren und mitochondriale Bestandteile.
Hintergrund
Autoantikörper können eine komplementabhängige Zellschädigung vermitteln oder Rezeptorfunktionen modulieren. β1-Adrenozeptor-Antikörper induzieren eine persistierende adrenerge Stimulation mit konsekutiver Funktionsminderung. Chronische Immunprozesse stehen im Zusammenhang mit myokardialem Remodeling und systolischer Dysfunktion.
Material
Untersuchungsmaterial ist Serum oder Plasma. Das erforderliche Volumen ist testabhängig und beträgt in der Regel wenige hundert Mikroliter.
Zielantigene
Nachgewiesene Zielstrukturen umfassen:
- β1-Adrenozeptoren (agonistische Aktivität)
- Myosin-Schwerketten
- Troponin I
- Troponin T
- mitochondriale Proteine
- sarkolemmale Strukturen
- interzelluläre Verbindungsstrukturen
Testverfahren
Der Nachweis erfolgt mittels ELISA, indirekter Immunfluoreszenz oder Immunoblot. Die Testsysteme unterscheiden sich hinsichtlich Antigenspektrum und diagnostischer Performance. Ein standardisiertes Referenzverfahren ist nicht etabliert. Die Bewertung erfolgt unter Einbeziehung klinischer und apparativer Befunde.
Referenzwerte
Allgemeingültige Referenzbereiche bestehen nicht. Die Beurteilung erfolgt anhand test- und herstellerspezifischer Grenzwerte.
Interpretation
Antimyokardiale Antikörper treten im Kontext vieler entzündlicher, autoimmuner oder postinfektiöser Myokarderkrankungen auf. Sie werden bei akuter und chronischer Myokarditis sowie bei dilatativer Kardiomyopathie nachgewiesen, aber auch nach ischämischer Myokardschädigung (Myokardinfarkt). Ihre Sensitivität und Spezifität für bestimmte Erkrankungen ist gering, sodass sie sich weder für das Screening noch als Verlaufsparameter eignen.
Der Nachweis spricht für eine mögliche immunvermittelte Pathogenese. Eine routinemäßige Bestimmung ist nicht Bestandteil aktueller Leitlinienempfehlungen.
Literatur
- Elena Arbelo et al. ESC Scientific Document Group , 2023 ESC Guidelines for the management of cardiomyopathies: Developed by the task force on the management of cardiomyopathies of the European Society of Cardiology (ESC), European Heart Journal, Volume 44, Issue 37, 1 October 2023, Pages 3503–3626, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehad194