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Anilin

Synonyme: Aminobenzol, Aminobenzen, Benzenamin, Benzidam, Phenylamin
Englisch: aniline, aminobenzene, phenylamine

1 Definition

Anilin ist eine aromatische Verbindung mit einem Benzolring und einer Aminogruppe und liegt als farblose, süßlich duftende und ölige Substanz vor. Anilin wird in der Industrie zur Herstellung von Farben, Lacken, Kunstfasern, Kautschuk und Medikamenten verwendet. Es besitzt eine toxikologische Bedeutung als Methämoglobinbilder.

2 Vergiftung

2.1 Wirkung

Anilin kann durch Einatmen, durch die Haut oder durch Verschlucken aufgenommen werden. Es oxidiert nach Aufnahme durch CYP zu Hydroxylaminbenzol. Dieses oxidiert Hämoglobin zu Methämoglobin und unterbindet damit den Sauerstofftransport im Blut. Der Gipfel der Methämoglobinämie wird ungefähr nach 5-6 Stunden erreicht.

2.2 Symptome

Bei Vergiftungen zeigen sich eine Zyanose der Haut und der Fingernägel, anfallsartiger Schwindel und euphorisierende Erregungszustände (Anilin-Pips). Bei höheren Konzentrationen treten zusätzlich Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen und Atemnot auf, die bis zum Tod führen kann. Die letale Dosis von Anilin wird auf 50-500 mg/kgKG geschätzt. Chronische Vergiftungserscheinungen sind Schwächegefühl und Appetitlosigkeit. Weiters ist eine chronische Belastung mit Anilin hoch kanzerogen. So kann sie z.B. zur Entstehung von Harnblasenkarzinomen beitragen.

2.3 Erste Hilfe

Als Erstmaßnahme gilt die Entfernung des Anilins. Der Betroffene sollte an die frische Luft gebracht werden, betroffene Hautpartien sollten sorgfältig abgewaschen werden. Zu beachten ist ein ausreichender Eigenschutz des Ersthelfers! Je nach Vergiftungsgrad sind notfallmedizinische Maßnahmen (Life-Support, Beatmung) anzuwenden.

2.4 Therapie

Alle Patienten, die einer Anilinkonzentrationen von ≥ 30 ppm oder einer signifikanten dermalen Exposition (> 100 cm2 Haut) ausgesetzt waren, müssen stationär therapiert werden.

Die Behandlung einer Anilinvergiftung erfolgt durch intravenöse Gabe von Toluidinblau über 5 bis 10 Minuten in einer Dosierung von 2-4 mg/kgKG. Wenn Toluidinblau nicht zur Verfügung steht, kann stattdessen Methylenblau in einer Dosis von 1-2 mg/kgKG injiziert werden. In Abhängigkeit vom Methämoglobinspiegel und vom klinischen Zustand des Patienten kann Toluidinblau nach 30 Minuten, Methylenblau nach 60 Minuten wiederholt gegeben werden. Bei Patienten mit Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel ist weder Toluidinblau noch Methylenblau ausreichend wirksam.

Fachgebiete: Chemie

Ergänzt. Thx.
#2 am 15.02.2018 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
Antidot wäre Tolouidinblau :)
#1 am 08.02.2018 von Kilian Schaudig (Student der Humanmedizin)

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