Babesia venatorum: Unterschied zwischen den Versionen

(Die Seite wurde neu angelegt: „''Synonym: Babesia EU-1 (veraltet)'' ==Definition== '''Babesia venatorum''' ist ein intrazellulär lebendes Protozoon der Gattung Babes…“)
 
Zeile 2: Zeile 2:


==Definition==
==Definition==
'''Babesia venatorum''' ist ein [[intrazellulär]] lebendes [[Protozoa|Protozoon]] der [[Gattung]] [[Babesia]], das vorwiegend Wildwiederkäuer befällt und [[Vektor|vektorgebunden]] auch [[Mensch]]en infizieren kann.
'''Babesia venatorum''' ist ein [[intrazellulär]] lebendes [[Protozoa|Protozoon]] der [[Gattung]] [[Babesia]], das vorwiegend [[Wildwiederkäuer]] befällt und [[Vektor|vektorgebunden]] auch [[Mensch]]en infizieren kann.


==Taxonomie==
==Taxonomie==

Version vom 22. Juli 2021, 09:25 Uhr

Synonym: Babesia EU-1 (veraltet)

Definition

Babesia venatorum ist ein intrazellulär lebendes Protozoon der Gattung Babesia, das vorwiegend Wildwiederkäuer befällt und vektorgebunden auch Menschen infizieren kann.

Taxonomie

Morphologie

Babesia venatorum ist ein kleiner und in Erythrozyten lebender Parasit. Die charakteristisch tropfenförmigen, einkernigen und 1,5 bis 2,4 µm langen Merozoiten besitzen einen spitzen Teilungswinkel und sind meist marginal im Erythrozyt angeordnet.

Epidemiologie

Der Parasit hält sich vorrangig in Wildwiederkäuern auf und kann in Mitteleuropa nachgewiesen werden. Die Verbreitung erfolgt über blutsaugende Arthropoda (vermutlich Ixodes ricinus), welche die Erreger während ihrer Blutmahlzeit am Wirt aufnehmen.

Entwicklung

Die Entwicklung von Babesia venatorum folgt dem üblichen Schema. Die Zecke inokuliert während des Stichs die Sporozoiten in den Wirtsorganismus. Anschließend kommt es zu einem gezielten Befall der Erythrozyten, in denen sich zunächst ringförmig-amöboide Trophozoiten bilden. Mithilfe einer äußeren Knospung (Exodyogenie) enstehen zwei birnen- bis tropfenförmige Merozoiten, die wiederum neue und noch gesunde Erythrozyten befallen. Auf diese Weise kann die Infektion sich selbst erhalten.

Die Zeckenweibchen nehmen mit dem Blut infizierter Wirte die Babesien wieder auf. Die Parasiten durchlaufen dann innerhalb der Zecke einen komplexen Entwicklungszyklus, um sich letztendlich in den Zellen der Speicheldrüsen anzusammeln. Von dort aus gelangen sie wieder bei der Blutmahlzeit auf einen neuen Wirten.

Klinik

Babesia venatorum verursacht die Babesiose der Wildwiederkäuer. Aufgrund fehlender Untersuchungen sind die Auswirkungen einer Infektion bei Wildwiederkäuern nicht eindeutig geklärt.

Diagnose

Die Diagnose wird mittels PCR aus dem Blut gestellt.

Bedeutung für den Menschen

Babesia venatorum ist grundsätzlich in der Lage, auch beim Menschen eine klinisch manifeste Erkrankung hervorzurufen. Eine Infektion geht jedoch häufig mit milden, Grippe-ähnlichen Symptomen einher, u.a.: Fieber, Kopfschmerzen, Myalgie und/oder Arthralgie, Schüttelfrost, Erschöpfung, nicht-juckendes Erythem, Anämie und Lymphadenopathie.

Bei immunkompetenten Personen verläuft die Infektion in der Regel selbstlimitierend.

Quellen

  • Andersson MO, Bergvall UA, Chirico J, Christensson M, Lindgren PE, Nordström J, Kjellander P. Molecular detection of Babesia capreoli and Babesia venatorum in wild Swedish roe deer, Capreolus capreolus. Parasit Vectors. 2016 Apr 19;9:221. doi: 10.1186/s13071-016-1503-8
  • Gray A, Capewell P, Loney C, Katzer F, Shiels BR, Weir W. Sheep as Host Species for Zoonotic Babesia venatorum, United Kingdom. Emerg Infect Dis. 2019. 25(12):2257-2260. doi: 10.3201/eid2512.190459
  • Jiang JF, Zheng YC, Jiang RR, Li H, Huo QB, Jiang BG, Sun Y, Jia N, Wang YW, Ma L, Liu HB, Chu YL, Ni XB, Liu K, Song YD, Yao NN, Wang H, Sun T, Cao WC. Epidemiological, clinical, and laboratory characteristics of 48 cases of "Babesia venatorum" infection in China: a descriptive study. Lancet Infect Dis. 2015. 15(2):196-203. doi: 10.1016/S1473-3099(14)71046-1
  • Zhao L, Jiang R, Jia N, Ning N, Zheng Y, Huo Q, Sun Y, Yuan T, Jiang B, Li T, Liu H, Liu X, Chu Y, Wei R, Bian C, Wang H, Song J, Wang H, Jiang J, Cao W. Human Case Infected With Babesia venatorum: A 5-Year Follow-Up Study. Open Forum Infect Dis. 2020. 18;7(3):ofaa062. doi: 10.1093/ofid/ofaa062

Literatur

  • Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. 2008. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1072-0