Transforming growth factor β: Unterschied zwischen den Versionen

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Synonym: TGF-ß
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==Definition==
==Definition==
Das [[Zytokin]] '''Transforming growth factor beta''' (TGF-ß) gehört zur Gruppe der [[Transforming growth factor]]s (TGF), die wichtig für die [[Embryogenese]] sind, aber auch im adulten Organismus viele grundlegende Zellfunktionen regulieren.
Der '''Transforming growth factor β''', kurz '''TGF-β''', ist ein [[Zytokin]] und gehört zur [[TGF-β-Superfamilie]]. TGF-β ist wichtig für die [[Embryogenese]], reguliert aber auch im [[adult]]en [[Organismus]] viele grundlegende Zellfunktionen.


Von TGF-ß sind bisher 3 [[Isoform]]en bekannt (TGF-ß 1-3).
Von TGF-β sind 3 [[Isoform]]en bekannt (TGF-β 1-3).


==Funktionen==
==Funktionen==
TGF-ß erfüllt eine Vielzahl an verschiedenen Funktionen im Organismus: Es reguliert die [[Proliferation]], [[Differenzierung]], [[Apoptose]] und Adhäsion von Zellen. Dabei ist der genaue Einfluss von TGF-ß auf diese Abläufe stark kontextabhängig, sie ist insbesondere abhängig von der Art und dem Differenzierungsgrad der Zelle. Überwiegend wirkt TGF-ß aber
TGF-β erfüllt eine Vielzahl an verschiedenen Funktionen im Organismus: Es reguliert die [[Proliferation]], [[Differenzierung (Biologie)|Differenzierung]], [[Apoptose]] und [[Adhäsion]] von Zellen. Dabei ist der Einfluss von TGF-β auf diese Abläufe stark kontextabhängig und wird insbesondere durch die Art und den Differenzierungsgrad der Zelle bestimmt. Überwiegend wirkt TGF-β aber:
*antiproliferativ (Über p15 und p21 werden [[Cyclin]]e blockiert, die sonst das [[Retinoblastoma-Protein]] (Rb) phosphorlieren. Rb bleibt auf diese Weise aktiv und kann einen für die Proliferation notwendigen Transkriptionsfaktor binden und blockieren und somit die Proliferation hemmen.)
*[[antiproliferativ]] (Über [[p15]] und [[p21]] werden [[Cyclin]]e blockiert, die sonst das [[Retinoblastom-Protein]] (Rb) [[phosphorylieren]]. Rb bleibt auf diese Weise aktiv und kann durch die Blockierung von [[Transkriptionsfaktor]]en die Proliferation hemmen.)
*fördernd auf die Differenzierung der Zelle
*fördernd auf die Differenzierung der Zelle
*proapoptotisch
*[[proapoptotisch]]
*adhäsiv (TGF-ß fördert die Synthese von Molekülen der [[Extrazellulärmatrix]], insbesondere von [[Kollagen Typ 1]].)
*[[adhäsiv]] (TGF-β fördert die Synthese von Molekülen der [[Extrazellulärmatrix]], insbesondere von [[Kollagen Typ 1]].)
*immunsuppressiv
*[[immunsuppressiv]]
*antiangionetisch (die Gefäßneubildung hemmend)
*[[antiangiogenetisch]]
*als negativer Regulator der [[Hämatopoese]]
*als negativer Regulator der [[Hämatopoese]]
*wichtiger Faktor der [[Wundheilung]]
*als wichtiger Faktor bei der [[Wundheilung]]


==Signalweg==
==Signalweg==
TGF-ß bindet an [[Serin/ Threonin-Rezeptokinase]]n, die daraufhin die intrazellulären R-[[Smad]]s (Smad 2 und Smad 3) phosphorylieren. Smad 2 und 3 können in phosphorylierter Form einen oligomeren Komplex mit Smad 4 bilden, in den Kern wandern und dort die [[Expression]] bestimmter [[Gen]]e stimulieren oder hemmen – abhängig von weiteren Co-Aktivatoren oder -Repressoren.
TGF-β bindet an [[Rezeptor-Serin/Threoninkinase]]n, die daraufhin [[intrazellulär]]e [[SMAD-Protein]]e ([[SMAD2]] und [[SMAD3]]) phosphorylieren. Diese können in phosphorylierter Form einen [[oligomer]]en Komplex mit [[SMAD4]] bilden, in den Kern wandern und dort die [[Expression]] bestimmter [[Gen]]e stimulieren oder hemmen – abhängig von weiteren Co-Aktivatoren oder -Repressoren.
 
[[SMAD6]] und [[SMAD7]] können die [[Interaktion]] von SMAD2 und 3 mit SMAD4 unterbinden und somit die Signalweiterleitung blockieren. Ihre Expression wird durch die TGF-β-Rezeptoren stimuliert, so dass eine negative Rückkopplung besteht.


Smad 6 und 7 können die Interaktion von Smad 2 und 3 mit Smad 4 unterbinden und somit die Signalweiterleitung blockieren. Ihre Expression wird durch die TGF-ß-Rezeptoren stimuliert, so dass eine negative Rückkopplung besteht.
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==Pathologie==
==Pathologie==
Da TGF-ß im Körper viele Funktionen erfüllt, ist es auch in eine Vielzahl von Pathomechanismen involviert. Wichtig ist hier insbesondere der stimulierende Effekt von TGF-ß auf die [[Kollagen]]synthese. So wird TGF-ß mit dem kardialen Remodeling und Herzversagen nach [[Myokardinfarkt]], aber auch dem Umbau des Lungengewebes bei Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht.
Da TGF-β im Körper viele Funktionen erfüllt, ist es auch in eine Vielzahl von Pathomechanismen involviert. Wichtig ist hier insbesondere der stimulierende Effekt von TGF-β auf die [[Kollagen]]synthese. So wird TGF-β mit dem [[kardial]]en [[Remodeling]] und [[Herzversagen]] nach [[Myokardinfarkt]], aber auch dem Umbau des Lungengewebes bei [[Atemwegserkrankung]]en in Verbindung gebracht.


Auch für die diabetische Nierenschädigung wird TGF-ß mit verantwortlich gemacht: Ein erhöhter Blutzucker stimuliert vermutlich die Sekretion von TGF-ß und somit indirekt die Kollagensynthese.
Auch für die [[Diabetische Nephropathie|diabetische Nierenschädigung]] wird TGF-β mit verantwortlich gemacht: Ein erhöhter [[Blutzucker]] stimuliert vermutlich die Sekretion von TGF-β und somit indirekt die Kollagensynthese.


Aber auch bei [[Krebs]]erkrankungen kann TGF-ß eine wichtige Rolle spielen: Zunächst wirkt TGF-ß auf Grund seiner antiproliferativen, proapoptotischen und antiangionetischen Wirkung als [[Tumorsuppressor]]. Allerdings kann sich die Reaktion der Krebszellen auf TGF-ß im Laufe der Krebserkrankung ändern, sie reagieren dann nicht mehr mit Zellzyklusarrest und Apoptose und TGF-ß fördert nunmehr die Progression der Krebserkrankung, indem es die Krebszellen durch seine immunsuppressive Wirkung vor dem [[Immunsystem]] schützt.
TGF-β spielt ebenfalls bei [[Krebs]]erkrankungen eine wichtige Rolle: Zunächst wirkt TGF-β auf Grund seiner antiproliferativen, proapoptotischen und antiangiongenetischen Wirkung als [[Tumorsuppressor]]. Allerdings kann sich die Reaktion der [[Krebszelle]]n auf TGF-β im Laufe der Krebserkrankung ändern, sie reagieren dann nicht mehr mit [[Zellzyklus]]arrest und Apoptose, sondern TGF-β fördert stattdessen die [[Tumorprogression|Progression]] der Krebserkrankung, indem es die Krebszellen durch seine immunsuppressive Wirkung vor dem [[Immunsystem]] schützt.
[[Fachgebiet:Biochemie]]
[[Fachgebiet:Biologie]]
[[Fachgebiet:Biologie]]
[[Tag:Embryogenese]]
[[Tag:Protein]]
[[Tag:SMAD]]
[[Tag:Transforming growth factor]]
[[Tag:Zytokin]]

Aktuelle Version vom 30. August 2023, 14:12 Uhr

Synonyme: transformierender Wachstumsfaktor beta, TGF-beta

Definition

Der Transforming growth factor β, kurz TGF-β, ist ein Zytokin und gehört zur TGF-β-Superfamilie. TGF-β ist wichtig für die Embryogenese, reguliert aber auch im adulten Organismus viele grundlegende Zellfunktionen.

Von TGF-β sind 3 Isoformen bekannt (TGF-β 1-3).

Funktionen

TGF-β erfüllt eine Vielzahl an verschiedenen Funktionen im Organismus: Es reguliert die Proliferation, Differenzierung, Apoptose und Adhäsion von Zellen. Dabei ist der Einfluss von TGF-β auf diese Abläufe stark kontextabhängig und wird insbesondere durch die Art und den Differenzierungsgrad der Zelle bestimmt. Überwiegend wirkt TGF-β aber:

Signalweg

TGF-β bindet an Rezeptor-Serin/Threoninkinasen, die daraufhin intrazelluläre SMAD-Proteine (SMAD2 und SMAD3) phosphorylieren. Diese können in phosphorylierter Form einen oligomeren Komplex mit SMAD4 bilden, in den Kern wandern und dort die Expression bestimmter Gene stimulieren oder hemmen – abhängig von weiteren Co-Aktivatoren oder -Repressoren.

SMAD6 und SMAD7 können die Interaktion von SMAD2 und 3 mit SMAD4 unterbinden und somit die Signalweiterleitung blockieren. Ihre Expression wird durch die TGF-β-Rezeptoren stimuliert, so dass eine negative Rückkopplung besteht.

Pathologie

Da TGF-β im Körper viele Funktionen erfüllt, ist es auch in eine Vielzahl von Pathomechanismen involviert. Wichtig ist hier insbesondere der stimulierende Effekt von TGF-β auf die Kollagensynthese. So wird TGF-β mit dem kardialen Remodeling und Herzversagen nach Myokardinfarkt, aber auch dem Umbau des Lungengewebes bei Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht.

Auch für die diabetische Nierenschädigung wird TGF-β mit verantwortlich gemacht: Ein erhöhter Blutzucker stimuliert vermutlich die Sekretion von TGF-β und somit indirekt die Kollagensynthese.

TGF-β spielt ebenfalls bei Krebserkrankungen eine wichtige Rolle: Zunächst wirkt TGF-β auf Grund seiner antiproliferativen, proapoptotischen und antiangiongenetischen Wirkung als Tumorsuppressor. Allerdings kann sich die Reaktion der Krebszellen auf TGF-β im Laufe der Krebserkrankung ändern, sie reagieren dann nicht mehr mit Zellzyklusarrest und Apoptose, sondern TGF-β fördert stattdessen die Progression der Krebserkrankung, indem es die Krebszellen durch seine immunsuppressive Wirkung vor dem Immunsystem schützt.