Zystadenom (Ovar)
Synonyme: Kystom, Ovarielles Zystadenom
Englisch: ovarian cystadenoma
Definition
Bei einem Zystadenom des Ovars handelt es sich um einen gutartigen, epithelialen und zystenbildenden Ovarialtumor.[1]
Abgrenzung
Zystadenome unterscheiden sich nicht grundsätzlich von den Adenofibromen des Ovars, sondern nur im Hinblick auf ihren Bindegewebs- bzw. Faseranteil, der bei Zystadenomen nur schwach ausgeprägt ist. Tumoren, die man histologisch nicht klar zuordnen kann, werden auch als Zystadenofibrom bezeichnet.
Einteilung
Man unterscheidet seröse und muzinöse Zystadenome. Zwischen diesen beiden Typen gibt es Mischformen. Weitere, seltene Formen sind das endometrioide und das klarzellige Zystadenom. Der Begriff seromuzinöses Zystadenom wurde in der WHO-Klassifikation der Tumoren des weiblichen Genitaltrakts (5. Auflage, 2020) als eigenständige Kategorie neu bewertet. Bei unklarer Zuordnung empfiehlt sich eine immunhistochemische Zusatzdiagnostik.
Seröses Zystadenom
Seröse Zystadenome gehören zu den häufigsten gutartigen Ovarialtumoren und betreffen in der Regel Frauen in der 4. und 5. Lebensdekade. Sie kommen häufig beidseitig vor und sind mit einem serösen, klaren Sekret gefüllt.
Muzinöses Zystadenom
Muzinöse Zystadenome betreffen in der Regel Frauen zwischen der 3. und 5. Lebensdekade. Sie werden von einem Zylinderepithel ausgekleidet, wobei dieses intestinalen oder zervikalen Ursprungs sein kann. Außerdem sind sie mit einem schleimigen Sekret gefüllt und liegen meistens einseitig vor.
Symptome
Zystadenome können erheblich an Größe zunehmen und dadurch die umliegenden Organe in ihrer Funktion beeinträchtigen. Mögliche Beschwerden bei fortgeschrittenem Wachstum sind:
- Völlegefühl und Appetitlosigkeit
- Obstipation durch Verdrängung des Darms
- Druck- oder Schweregefühl im Unterbauch
- Selten: Aszites durch peritoneale Reizung bei sehr großen Tumoren
Eine akute Stieldrehung mit plötzlichem Unterbauchschmerz ist eine ernstzunehmende Komplikation, insbesondere bei großen Zystadenomen, und erfordert unverzügliches chirurgisches Handeln.
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Größere Zystadenome können bei der gynäkologischen Untersuchung als Adnexbefund tastbar sein.
Bildgebung
Die Sonographie (vaginal und/oder abdominal) ist das primäre Bildgebungsverfahren und ermöglicht in der Regel eine gute Beurteilung von Zystenwand, Binnenstruktur und Vaskularisation. Bei unklaren Befunden kann eine ergänzende Magnetresonanztomographie (MRT) des Beckens zur weiteren Differenzierung herangezogen werden.[2]
Die Laparoskopie bietet zusätzlich die Möglichkeit einer direkten Inspektion und Gewebeentnahme.
Labor
Tumormarker wie CA-125, CEA und CA 19-9 können ergänzend bestimmt werden, um eine maligne Erkrankung differenzialdiagnostisch abzugrenzen. Für ein benignes Zystadenom sind diese Marker in der Regel im Normbereich, jedoch nicht spezifisch genug für eine sichere Diagnosestellung.
Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch sind folgende Erkrankungen abzugrenzen:
- Funktionelle Ovarialzysten (z.B. Follikelzyste, Corpus-luteum-Zyste)
- Endometriom (Schokoladenzyste)
- Dermoidzyste (Teratom)
- Borderlinetumor (Ovar)
- Ovarialkarzinom
Therapie
Die Therapie des Zystadenoms ist chirurgisch. Das operative Vorgehen richtet sich nach dem Alter der Patientin, dem Fertilitätswunsch, der Tumorgröße sowie dem intraoperativen Befund:[3]
- Bei jungen Patientinnen mit Fertilitätswunsch wird eine ovarerhaltende Zystektomie (Ausschälung der Zyste) bevorzugt.
- Bei postmenopausalen Patientinnen oder bei sehr großen bzw. rezidivierenden Befunden kann eine Adnexektomie (Entfernung von Ovar und Tube) indiziert sein.
- Intraoperative Schnellschnittdiagnostik wird bei unklaren histologischen Befunden eingesetzt, um die Dignität zu beurteilen. In Abhängigkeit davon kann das operative Ausmaß intraoperativ angepasst werden.
Das operative Vorgehen sollte bei benignem Erscheinungsbild und geeigneter Tumorgröße bevorzugt laparoskopisch erfolgen.
Prognose
Benigne Zystadenome haben nach vollständiger Resektion eine gute Prognose. In seltenen Fällen können Zystadenome eine maligne Transformation durchlaufen und sich zu Borderlinetumoren oder Ovarialkarzinomen weiterentwickeln. Regelmäßige sonographische Verlaufskontrollen sind daher empfehlenswert.
Quellen
- ↑ Köbel M et al. Ovarian carcinoma histotype determination is highly reproducible, and is improved through the use of immunohistochemistry. Histopathology. 2010;57(3):405-12.
- ↑ Thomassin-Naggara I et al. Adnexal Masses: Development and Preliminary Validation of an MR Imaging Scoring System. Radiology. 2013;267(2):432-43.
- ↑ Giampaolino P et al. Management of Benign Ovarian Cysts in Reproductive Age Women: A Narrative Review. Front Surg. 2022;9:973034.