Working Level Month
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenDefinition
Der Working Level Month, kurz WLM, ist eine historische Maßeinheit für die zeitlich aufsummierte Exposition gegenüber kurzlebigen Radonfolgeprodukten in der Atemluft. Sie wurde ursprünglich zur Erfassung der Strahlenexposition in Uranbergwerken entwickelt und ist bis heute zentrales Instrument der epidemiologischen Strahlenschutzforschung.
Hintergrund
Gesundheitlich entscheidend ist bei Radonexposition nicht nur das Edelgas Radon (Radon-222) selbst, sondern vor allem seine kurzlebigen Zerfallsprodukte. Diese können sich an Aerosole anlagern, eingeatmet werden und in den Atemwegen Alphastrahlung abgeben. Die Einheit geht auf Arbeiten des US-amerikanischen Public Health Service in den 1950er und 1960er Jahren zurück, als in Uranminen des amerikanischen Südwestens extrem hohe Radonkonzentrationen gemessen wurden und ein messbarer Zusammenhang mit erhöhter Lungenkrebssterblichkeit unter Bergleuten festgestellt wurde.
Das Working Level (WL) beschreibt eine definierte Konzentration kurzlebiger Radonfolgeprodukte in der Luft: 1 WL entspricht einer Konzentration, bei der insgesamt 1,3 × 105 MeV potenzielle Alphaenergie pro Liter Luft freigesetzt werden kann. Das WLM kombiniert diese Konzentration mit der Expositionsdauer.
Einheit
1 WLM entspricht der Exposition gegenüber 1 Working Level über 170 Arbeitsstunden, also etwa einem standardisierten Arbeitsmonat (170 h = 5 Tage/Woche × 8,5 h × 4 Wochen).
In moderner SI-Schreibweise gilt:
Die heute international gebräuchliche SI-kompatible Einheit für kumulative Radonfolgeprodukt-Exposition lautet J·h/m³ (Joule-Stunden pro Kubikmeter). Im wissenschaftlichen und regulatorischen Kontext werden beide Einheiten verwendet. Umrechnungen zwischen WLM und Effektivdosis in mSv sind näherungsweise möglich, hängen jedoch von Aerosol- und Atemparametern ab.
Klinische Bedeutung
Die kumulierte WLM-Exposition ist der etablierte dosimetrische Parameter zur Quantifizierung des berufsbedingten Lungenkrebsrisikos durch Radon. Gepoolte Analysen großer Bergarbeiterkohorten – darunter Studien aus Deutschland (Wismut), der Tschechischen Republik, Frankreich, Kanada und den USA – belegen einen linearen Zusammenhang zwischen kumulierter WLM-Exposition und Lungenkrebssterblichkeit.[1]
Für deutsche Wismut-Bergleute mit niedrigen Expositionsraten (Einstellung ab 1960) wurde ein zusätzliches relatives Risiko von 0,013 pro WLM (95%-KI: 0,007–0,021) ermittelt.[2]
Das Lungenkrebsrisiko wird durch gleichzeitigen Tabakkonsum deutlich verstärkt. Epidemiologische Studien zeigen einen multiplikativen bis supra-multiplikativen Interaktionseffekt.[3]
Grenzwerte und Regulierung
Im deutschen Strahlenschutzrecht (Strahlenschutzgesetz / Strahlenschutzverordnung) werden berufliche Radonexpositionen als Referenzwert in Bq·h/m³ oder als Effektivdosis in mSv ausgedrückt. Der gesetzliche Grenzwert für beruflich exponierte Personen beträgt 20 mSv effektive Dosis pro Jahr (gemittelt über 5 Jahre, max. 50 mSv/Jahr). Historisch wurden in den USA Grenzwerte von 4 WLM/Jahr für Bergarbeiter festgelegt; dieser Wert entspricht näherungsweise einer effektiven Dosis von etwa 10–20 mSv, je nach Umrechnungskonvention.
Quellen
- ↑ Richardson DB, Rage E, Demers PA et al. Lung Cancer and Radon: Pooled Analysis of Uranium Miners Hired in 1960 or Later. Environ Health Perspect. 2022;130(5):57010.
- ↑ Kreuzer M, Fenske N, Schnelzer M, Walsh L. Lung cancer risk at low radon exposure rates in German uranium miners. Br J Cancer. 113(9):1367-9. 2015
- ↑ Kelly-Reif K, Sandler DP, Shore D et al. Lung and extrathoracic cancer incidence among underground uranium miners exposed to radon progeny in the Příbram region of the Czech Republic: a case-cohort study. Occup Environ Med. 79(2):102-108. 2022