V-Potenzial
Definition
Das V-Potenzial bezeichnet das intrakardial abgeleitete elektrische Signal der ventrikulären Depolarisation im Rahmen einer elektrophysiologischen Untersuchung (EPU). Es repräsentiert die lokale Aktivierung des ventrikulären Arbeitsmyokards. Die zeitliche Einordnung erfolgt in Millisekunden in Relation zu atrialen (A) und His-Potenzialen (H).
Hintergrund
Die ventrikuläre Erregung entsteht nach Überleitung über AV-Knoten, His-Bündel und Tawara-Schenkel. Nach Aktivierung des His-Purkinje-Systems breitet sich die Depolarisation rasch und nahezu synchron im Ventrikelmyokard aus. Im intrakardialen Elektrogramm erscheint das V-Potenzial in der Regel als hochamplitudiger, steil ansteigender Ausschlag. Morphologie und Amplitude sind abhängig von Ableitungsort, Orientierung des bipolaren Elektrodenpaares zum Erregungsvektor sowie von den lokalen Myokardeigenschaften.
Ableitung
Die Registrierung erfolgt über diagnostische oder Ablationskatheter im rechten oder linken Ventrikel, im His-Kanal oder im septumnahen Koronarsinus. Die Katheterposition wird fluoroskopisch oder mittels elektroanatomischem Mapping kontrolliert. Das früheste V-Potenzial markiert den Beginn der lokalen ventrikulären Aktivierung. Signalform und Amplitude werden durch Elektrodenabstand, Filtereinstellungen und Kontaktqualität beeinflusst.
Klinische Bedeutung
Das V-Potenzial ist Bestandteil der Bestimmung des HV-Intervalls und dient der Beurteilung der infranodalen Erregungsleitung. Die Analyse der zeitlichen Beziehung zwischen A-, H- und V-Signalen ermöglicht die Differenzierung supranodaler, nodaler und infranodaler Leitungsstörungen.
Bei ventrikulären Tachykardien erlaubt die Sequenzanalyse der V-Potenziale die Identifikation des frühesten Aktivierungsortes und damit eine gezielte Ablationsstrategie. Späte, fragmentierte oder niederamplitudige ventrikuläre Potenziale können auf narbiges oder fibrotisches Myokard hinweisen und sind insbesondere bei struktureller Herzerkrankung von Bedeutung.
Abgrenzung
Das V-Potenzial ist vom atrialen A-Potenzial und vom H-Potenzial des His-Bündels abzugrenzen. Funktionell entspricht es im Oberflächen-EKG dem QRS-Komplex, stellt jedoch eine lokale intrakardiale Ableitung der ventrikulären Aktivierung dar.
Literatur
- M. Wieczorek, Kursbuch Kardiologische Elektrophysiologie, Thieme-Verlag
- L. Iden et. al., Invasive Elektrophysiologie für Einsteiger, Springer-Verlag
- E. Hoffmann et. al., Interventionelle kardiale Elektrophysiologie – Praxis-Lehrbuch, Springer-Verlag