Trypophobie
Definition
Trypophobie bezeichnet eine ausgeprägte Aversion oder Angstreaktion gegenüber Mustern aus dicht beieinanderliegenden Löchern, Vertiefungen oder Blasen. Besonders betroffen sind organisch wirkende Strukturen wie Samenkapseln, Schwämme oder Hautveränderungen.
Klassifikation
Trypophobie ist keine offiziell anerkannte Diagnose in den gängigen Klassifikationssystemen DSM-5 oder ICD-11. In der wissenschaftlichen Literatur wird sie phänomenologisch diskutiert und teilweise dem Spektrum spezifischer Phobien oder Ekelstörungen zugeordnet. Es besteht eine klinisch relevante Schnittmenge mit Angst- und Zwangsstörungen. Die diagnostische Einordnung hängt von der Intensität, der Dauer und dem Ausmaß der funktionellen Beeinträchtigung ab.
Epidemilogie
Verlässliche epidemiologische Daten fehlen. Bevölkerungsbefragungen und experimentelle Studien deuten darauf hin, dass leichte trypophobe Reaktionen relativ häufig sind, während klinisch relevante Angst mit Vermeidungsverhalten deutlich seltener vorkommt.
Auslösende Reize
Typische Auslöser sind repetitive, kontrastreiche Anordnungen kleiner Öffnungen oder Erhebungen. Die Reaktion kann sowohl bei natürlichen als auch bei künstlichen Objekten auftreten.
Typische Auslöser sind:
Symptome
Die Symptomatik variiert individuell und reicht von Unbehagen, Ekel und Gänsehaut bis zu starker Angst mit vegetativen Reaktionen wie Tachykardie, Schwitzen, Übelkeit oder Schwindel. Kognitiv dominieren Gedanken an Kontamination, Infektion oder körperliche Schädigung.
Diagnostik
Die klinische Abklärung erfolgt durch psychotherapeutische oder fachärztliche Evaluation. Relevante Aspekte sind:
- Subjektiver Leidensdruck
- Vermeidungsverhalten
- Reizreaktivität (z. B. Trypophobia Questionnaire)
Differenzialdiagnosen sind spezifische Phobien, Zwangsstörungen und körperdysmorphe Störungen.
Therapie
Für Betroffene mit ausgeprägtem Leidensdruck kommen evidenzbasierte Verfahren der Angstbehandlung in Betracht:
- Psychoedukative Maßnahmen
- Kognitive Verhaltenstherapie mit graduierter Exposition
- Techniken zur Emotions- und Stressregulation
Eine spezifische Pharmakotherapie existiert nicht, eine medikamentöse Behandlung kann jedoch bei komorbiden Störungen (z. B. Depression, Angststörung) erwogen werden.
Literatur
- Martínez-Aguayo et al., Trypophobia: What Do We Know So Far? A Case Report and Comprehensive Review of the Literature, Frontiers in psychiatry, 2018
- Thiebaut et al., Why are we Afraid of Holes? A Brief Review of Trypophobia Through an Adaptationist Lens, Evolutionary Psychological Science, 2024
- Cole, Is trypophobia real?, BJPsych, 2024