TriAGe+-Score
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LoslegenEnglisch: TriAGe+ score
Definition
Der TriAGe+-Score ist ein klinisches Bewertungssystem zur Einschätzung des Risikos für einen akuten ischämischen Schlaganfall bei Patienten, die sich mit Schwindel in der Notaufnahme vorstellen.
Hintergrund
Der Score wurde 2017 von Kuroda et al. in Japan anhand einer einzentrischen Studie mit 498 Patienten entwickelt, um die Schlaganfalldiagnostik bei Schwindelpatienten zu unterstützen.[1] Er kombiniert acht einfach zu erhebende klinische Merkmale und ermöglicht so eine schnelle Risikostratifizierung, auch ohne sofortige Bildgebung.
Parameter und Punktvergabe
| Initiale | Kriterium | Punkte |
|---|---|---|
| Tri | Keine Trigger, d.h. keine lage- oder bewegungsabhängigen Auslöser | 2 |
| A | Vorhofflimmern ("atrial fibrillation") | 2 |
| Ge | Geschlecht (= männlich) | 1 |
| B | Blutdruck ≥ 140/90 mmHg (entspricht "B" des ABCD2-Scores) | 2 |
| B | Hirnstamm- oder Kleinhirndysfunktion ("brainstem or cerebellar dysfunction")* | 1 |
| C | Klinische Symptome ("clinical features"), d.h. fokale Ausfälle oder Sprachstörung (entspricht "C" des ABCD2-Scores) | 4 |
| D | Benommenheit ("dizziness"), d.h. kein Schwindel | 3 |
| H | Anamnestisch kein Schwindel, keine Benommenheit, keine labyrinthäre oder vestibuläre Störung ("no history") | 2 |
*Skew-Deviation (vertikale Blickfehlstellung), Doppelbilder, Störungen der Augenbewegung, einseitige Störung der Gesichtssensibilität, Dysphagie, Schluckauf, Dysmetrie und Rumpfataxie.
Rechner
Interpretation
Der Punktwert reicht von 0 bis 17 und teilt die Patienten in vier Risikogruppen mit steigender Schlaganfallwahrscheinlichkeit ein:[1]
- Niedriges Risiko: 0–4 Punkte (Schlaganfallprävalenz ca. 5,9 %)
- Mittleres Risiko: 5–7 Punkte (ca. 9,1 %)
- Hohes Risiko: 8–9 Punkte (ca. 24,7 %)
- Sehr hohes Risiko: 10–17 Punkte (ca. 57,3 %)
Klinische Bedeutung
Der TriAGe+-Score identifiziert bei unspezifischen Schwindelsymptomen Patienten mit erhöhtem Schlaganfallrisiko und erleichtert die Indikationstellung für weiterführende Diagnostik, wie z.B. MRT. In der Originalarbeit war er dem ABCD2-Score überlegen (C-Statistik 0,818 vs. 0,726).[1] Eine externe Validierung bestätigte eine gute Diskriminationsfähigkeit (AUC 0,9).[2]
Risikofaktorbasierte Scores wie der TriAGe+-Score gelten als leichter anwendbar, aber weniger treffsicher als bedside-orientierte Verfahren wie HINTS+ oder das STANDING-Protokoll.[3]
siehe auch: HINTS-Test (Head-Impulse, Nystagmus, Test of Skew), ABCD2-Score (Risikoeinschätzung nach TIA), NIHSS
Limitationen
Der TriAGe+-Score basiert nur auf den Daten eines Zentrums. Seine Aussagekraft kann daher je nach Patientenpopulation und Versorgungssetting variieren. Er sollte daher nur als Instrument zur Risikostratifizierung und nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage für das weitere diagnostische Vorgehen verwendet werden.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Kuroda R, Nakada T, Ojima T, et al. The TriAGe+ Score for Vertigo or Dizziness: A Diagnostic Model for Stroke in the Emergency Department. J Stroke Cerebrovasc Dis. 2017;26(5):1144-1153.
- ↑ Yu AH, Leung LY, Leung TWH, et al. The TriAGe+ score for vertigo or dizziness: A validation study in a university hospital emergency department in Hong Kong. Am J Emerg Med. 2023;77:39-45.
- ↑ Tarnutzer AA, Edlow JA. Bedside Testing in Acute Vestibular Syndrome – Evaluating HINTS Plus and Beyond – A Critical Review. Audiol Res. 2023;13(5):670-685.