SCID-5-AMPD
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LoslegenEnglisch: Structured Clinical Interview for the DSM-5 Alternative Model for Personality Disorders
Definition
Das SCID-5-AMPD ist ein strukturiertes klinisches Interview zur Erfassung von Persönlichkeitsfunktionen und pathologischen Persönlichkeitsmerkmalen auf der Basis des alternativen Modells für Persönlichkeitsstörungen (AMPD) des DSM-5. Es dient der dimensionalen Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen und ergänzt das kategoriale Modell aus DSM-5-Sektion II.
Hintergrund
Das AMPD wurde in Sektion III des DSM-5 als Forschungsmodell für Persönlichkeitsstörungen eingeführt. Es kombiniert zwei Kriterien:
- Kriterium A – Beeinträchtigung des Selbst- und Beziehungserlebens (Persönlichkeitsfunktion)
- Kriterium B – Ausprägung pathologischer Persönlichkeitsmerkmale ("traits")
Für die klinisch-interviewbasierte Erfassung dieser beiden Kriterien wurde das SCID-5-AMPD entwickelt, das sich in drei Module gliedert.
Aufbau
Modul I – Level of Personality Functioning Scale
Modul I (SCID-5-AMPD-I) erfasst Kriterium A anhand der Level of Personality Functioning Scale (LPFS). Diese gliedert sich in zwei übergeordnete Dimensionen mit je zwei Subdomänen:
| Dimension | Subdomäne | Inhalt |
|---|---|---|
| Selbst-Funktion | Identität | Erleben der eigenen Person als abgegrenzt, Selbstwertregulation |
| Selbststeuerung | Verfolgung kohärenter, sinnhafter Ziele und Werte | |
| Interpersonelle Funktion | Empathie | Verständnis für die Perspektive anderer |
| Intimität | Fähigkeit zu tiefen, dauerhaften Beziehungen |
Jede Subdomäne wird auf einer fünfstufigen Schweregradskala (0 = keine Beeinträchtigung bis 4 = extreme Beeinträchtigung) beurteilt.[1]
Modul II – Pathologische Persönlichkeitsmerkmale
Modul II erfasst Kriterium B, die pathologischen Persönlichkeitsmerkmale (Traits) in den fünf übergeordneten Domänen negative Affektivität, Verschlossenheit (Detachment), Antagonismus, Enthemmtheit und Psychotizismus, die inhaltlich dem Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit gegenüberstehen.
Modul III – Spezifische Persönlichkeitsstörungen
Modul III dient der Diagnostik der sechs Persönlichkeitsstörungen des Alternativen DSM-5-Modells (AMPD). Hierzu zählen die Borderline-, antisoziale, vermeidende, narzisstische, zwanghafte und schizotype Persönlichkeitsstörung. Das Modul integriert die Beurteilung der Persönlichkeitsfunktion (Kriterium A) und der pathologischen Persönlichkeitsmerkmale (Kriterium B) zu störungsspezifischen Diagnosen.
Durchführung
Das Interview wird halbstrukturiert von geschulten Untersuchern durchgeführt. Für Modul I werden anhand offener Leitfragen zu Selbstbild, Zielsetzung, Empathiefähigkeit und Beziehungsgestaltung klinische Ratings vergeben, die sich an konkreten Ankerbeispielen der LPFS orientieren. Ergänzend werden häufig Selbstberichtsverfahren wie das Personality Inventory for DSM-5 (PID-5) eingesetzt.
Eine moderate oder stärkere Beeinträchtigung (Stufe 2 oder höher) der Persönlichkeitsfunktion gilt im AMPD als diagnostischer Schwellenwert für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung.[2]
Gütekriterien
Für das SCID-5-AMPD-I liegen mehrere psychometrische Untersuchungen vor:
- Die Interrater-Reliabilität ist für die Gesamt-LPFS sowie für die beiden übergeordneten Dimensionen als gut bis exzellent einzustufen, während einzelne Subdomänen, insbesondere im Test-Retest-Design, geringere Werte zeigen.[3]
- Faktorenanalytische Untersuchungen sprechen für ein im Wesentlichen eindimensionales Konstrukt der Persönlichkeitsfunktion mit guter konvergenter und diskriminanter Validität gegenüber Depression, Angst und Somatisierung.[1]
- Item-Response-theoretische Analysen bestätigen die postulierte Ordnung der fünf Schweregrade der LPFS, wobei die Trennschärfe zwischen den Stufen 2 und 3 vergleichsweise gering ausfällt.[4]
Klinische Bedeutung
Kriterium A (erfasst über das SCID-5-AMPD-I) sagt das Vorliegen kategorialer DSM-5-Persönlichkeitsstörungen nach Sektion II eigenständig voraus. Die zusätzliche Erfassung der Trait-Domänen (Kriterium B) verbessert insbesondere die Vorhersage einzelner Störungsbilder wie der antisozialen, der Borderline- und der vermeidend-selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung, trägt jedoch kaum zur allgemeinen Vorhersage einer Persönlichkeitsstörung bei.[5]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Ohse L et al. Reliability, structure, and validity of module I (personality functioning) of the Structured Clinical Interview for the alternative DSM-5 model for personality disorders (SCID-5-AMPD-I). Personal Disord. 2022;14(3):287-299.
- ↑ Buer Christensen T et al. Evaluation of Diagnostic Thresholds for Criterion A in the Alternative Model for Personality Disorders. J Pers Disord. 2019;34(Supplement C):40-61.
- ↑ Buer Christensen T et al. Interrater Reliability of the Structured Clinical Interview for the DSM-5 Alternative Model of Personality Disorders Module I: Level of Personality Functioning Scale. J Pers Assess. 2018;100(6):630-641.
- ↑ Hummelen B et al. A Psychometric Analysis of the Structured Clinical Interview for the Alternative Model for Personality Disorders Module I (SCID-5-AMPD-I): Level of Personality Functioning Scale. Assessment. 2020;28(5):1320-1333.
- ↑ Nysaeter TE et al. The Incremental Utility of Criteria A and B of the DSM-5 Alternative Model for Personality Disorders for Predicting DSM-IV/DSM-5 Section II Personality Disorders. J Pers Assess. 2022;105(1):111-120.