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Ruhmeskrone

Synonym: Prachtlilie
Englisch: flame lily, climbing lily

1 Definition

Die Ruhmeskrone (botanisch Gloriosa superba; Syn. Gloriosa rothschildiana) ist eine Giftpflanze aus der Familie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae) und dient der industriellen Wirkstoffgewinnung von Colchicin.

2 Merkmale

Gloriosa superba ist eine rhizombildende Kletterpflanze. Die Laubblätter sind länglich-oval, gegenständig und stängelumfassend. Die Spitze der Blattspreite läuft in einer Ranke aus, mit der sich die Pflanze festhalten kann. Die langgestielten, zwittrigen Blüten besitzen sechs Blütenhüllblätter, die sich nach dem Öffnen der Blüte nach hinten biegen und ihre Farbe von grün über rot nach gelb ändern. Die sechs Staubblätter besitzen einen langen Staubfaden, der seitlich auch der Blüte herausragt. Der lange Griffel ist seitlich abgeknickt. Nach der Blüte reift eine eiförmige Kapselfrucht mit zahlreichen Samen heran.

3 Etymologie

Die Gattungsbezeichnung „Gloriosa“ stammt vom lateinischen „gloria“ für „Ruhm“ und bezieht sich auf die auffällige Blüte. Das lateinische Artepitheton „superba“ bedeutet „stolz“ oder „erhaben“ und bezieht sich ebenso auf die Blüte. Hieran sind die deutschen Trivialnamen „Ruhmeskrone“ und „Prachtlilie“ angelehnt. Die teilweise noch verwendete Bezeichnung „G. rothschildiana“ geht auf den Zoologen Lionel Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild, zurück.

4 Systematik

Die Gattungen der Zeitlosengewächse, einschließlich Gloriosa, wurden früher den Liliengewächsen (Liliaceae) zugeordnet. Inzwischen wurden sie in eine eigene Familie (Colchicaceae, Zeitlosengewächse) gestellt. Trotz der Ähnlichkeit zu Lilien (einschließlich einiger Benennungen als Lilien, z.B. „Prachtlilie“) sind die Pflanzen demnach von diesen zu unterscheiden.

5 Vorkommen

Die Ruhmeskrone ist in tropischen Klimazonen der alten Welt heimisch, wird vielerorts kultiviert und in Europa als Zierpflanze genutzt.

6 Pharmakologie

Gloriosa superba enthält in allen Pflanzenteilen Alkaloide, in erster Linie Colchicin (Hemmstoff der Mitose). Es werden folgende Colchicinkonzentrationen angegeben: getrocknete Rhizomknolle (pharmazeutische Droge: Tubera Gloriosae) 0,3%, Samen (Kulturpflanzen) 0,9%, junge Laubblätter 2,36% und Blüten 1,18%. Die Pflanze wirkt als Abortivum. Das Vergiftungsbild entspricht dem einer Colchicinvergiftung. Hauptsymptome sind Reizung der Schleimhaut von Mund und Rachen nach peroraler Aufnahme von Pflanzenmaterial, Koliken, teils massive, wässrige Diarrhoe, Zyanose und Schock. Der Tod kann durch Atemlähmung oder Kreislaufversagen eintreten.

6.1 Maßnahmen bei Vergiftung

Erbrechen herbeiführen (Emetika), resorptionsvermindernde Maßnahmen (Aktivkohle, Magenspülung) und intensivmedizinische Betreuung. Die Möglichkeit der künstlichen Beatmung ist sicherzustellen. Darüber hinaus erfolgt symptomatische Therapie.

7 Literatur

  • Roth, Daunderer & Kormann: Giftpflanzen - Pflanzengifte, 5. Aufl., Nikol Verlag.

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