Paraphile Störung
von altgriechisch: παρά ("pará") - abseits, neben; φιλία ("philía") - Freundschaft, Liebe
Synonym: Störung der Sexualpräferenz
Englisch: paraphilic disorder
Definition
Eine paraphile Störung ist eine Form sexueller Präferenz, bei der ein anhaltendes und intensives Erregungsmuster besteht, das sich auf ungewöhnliche Objekte, Situationen oder Zielpersonen bezieht (Paraphilie). Nach ICD-11 muss zur Diagnose zusätzlich mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:
- ausgeprägter Leidensdruck (nicht allein durch gesellschaftliche Ablehnung erklärbar),
- Einbeziehung nicht einwilligungsfähiger oder nicht einwilligender Personen, oder
- erhebliches Risiko für Verletzung oder Tod
ICD-Codes
- ICD-11: Paraphile Störung (6D30–6D3Z)
- ICD-10: Störungen der Sexualpräferenz (F65.-, veraltet)
Die ICD-11 beschränkt Diagnosen auf klinisch relevante und gesundheitsbezogene Fälle und grenzt diese klar von nicht-pathologischen Paraphilien ab.
Diagnose
Die Diagnose erfordert ein anhaltendes, intensives Erregungsmuster, ein einmaliges Verhalten ist nicht ausreichend. Zudem muss die klinische Relevanz (Leidensdruck und/oder Fremdgefährdung) sowie die Abgrenzung zu einvernehmlichen Normvarianten gegeben sein. Sexuelle Interessen und Verhaltensweisen werden soziokulturell unterschiedlich bewertet, weshalb die Abgrenzung zur Normvariante im Einzelfall sorgfältig erfolgen muss.
Therapie
Die Therapie ist individuell anzupassen und umfasst in der Regel:
- Psychotherapie (insbesondere kognitive Verhaltenstherapie)
- Impulskontrolle und Rückfallprävention
- ggf. medikamentöse Therapie
Beispiele
Beispiele für paraphile Störungen sind:
- Exhibitionistische Störung
- Voyeuristische Störung
- Pädophile Störung
- Frotteuristische Störung
- Sexueller Sadismus mit Zwang oder Gefährdung anderer
Quellen
- Krueger et al., Proposals for Paraphilic Disorders in the International Classification of Diseases and Related Health Problems, Eleventh Revision (ICD-11), Arch Sex Behav, 2017