Oakland Score
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LoslegenEnglisch: Oakland score
Definition
Der Oakland-Score ist ein klinischer Risiko-Score zur Einschätzung von Patienten mit einer akuten unteren gastrointestinalen Blutung. Er dient insbesondere der Identifikation von Patienten mit einem niedrigen Risiko für einen komplizierten Verlauf, bei denen eine ambulante Weiterbehandlung bzw. eine frühzeitige Entlassung aus dem Krankenhaus erwogen werden kann.[1]
Hintergrund
Patienten mit einer akuten unteren gastrointestinalen Blutung weisen ein unterschiedlich hohes Risiko für Komplikationen wie eine erneute Blutung, die Notwendigkeit einer Bluttransfusion oder einer hämostatischen Intervention auf. Der Oakland-Score wurde entwickelt, um bereits bei der initialen klinischen Beurteilung (vor allem in der Notaufnahme) Patienten mit einem niedrigen Komplikationsrisiko zu identifizieren und die Entscheidung über eine stationäre Aufnahme oder ambulante Weiterbehandlung zu unterstützen.[1]
Parameter
In die Berechnung des Oakland-Scores gehen Alter, Geschlecht, eine frühere stationäre Aufnahme aufgrund einer unteren gastrointestinalen Blutung, der Nachweis von Blut bei der digital-rektalen Untersuchung, Herzfrequenz, systolischer Blutdruck und Hämoglobinkonzentration ein.[1]
| Parameter | Ausprägung | Punkte |
|---|---|---|
| Alter | < 40 Jahre | 0 |
| 40–69 Jahre | 1 | |
| ≥ 70 Jahre | 2 | |
| Geschlecht | weiblich | 0 |
| männlich | 1 | |
| Frühere stationäre Aufnahme wegen einer unteren gastrointestinalen Blutung | nein | 0 |
| ja | 1 | |
| Digital-rektale Untersuchung | kein Blut | 0 |
| Blut nachweisbar | 1 | |
| Herzfrequenz | < 70/min | 0 |
| 70–89/min | 1 | |
| 90–109/min | 2 | |
| ≥ 110/min | 3 | |
| Systolischer Blutdruck | ≥ 160 mmHg | 0 |
| 130–159 mmHg | 2 | |
| 120–129 mmHg | 3 | |
| 90–119 mmHg | 4 | |
| 50–89 mmHg | 5 | |
| Hämoglobin | ≥ 16,0 g/dl | 0 |
| 13,0–15,9 g/dl | 4 | |
| 11,0–12,9 g/dl | 8 | |
| 9,0–10,9 g/dl | 13 | |
| 7,0–8,9 g/dl | 17 | |
| 3,6–6,9 g/dl | 22 |
Die einzelnen Punktwerte werden zu einem Gesamtscore addiert (zwischen 0 und 35 Punkten), wobei höhere Werte mit einem höheren Risiko für einen ungünstigen klinischen Verlauf assoziiert sind.[1]
Hinweis: Referenzwerte sind häufig vom Messverfahren abhängig und können von den o.a. Werten abweichen. Ausschlaggebend sind die Referenzwerte, die vom Labor angegeben werden, das die Untersuchung durchführt.
Interpretation
Der Oakland-Score dient vor allem zur Identifikation von Patienten mit einem niedrigen Risiko für unerwünschte klinische Ereignisse oder Komplikationen.[1]
Ein Oakland-Score ≤ 8 Punkte spricht bei klinisch stabilen Patienten für ein niedriges Risiko und kann als Entscheidungshilfe für eine ambulante Weiterbehandlung herangezogen werden. Voraussetzung sind eine selbstlimitierende Blutung und das Fehlen weiterer klinischer Risikomerkmale.[2] Auch die deutsche S2k-Leitlinie "Gastrointestinale Blutung“ von 2025 nennt den Oakland-Score ≤ 8 als Entscheidungshilfe zur präendoskopischen Identifikation von Patienten mit niedrigem Risiko bei einer unteren gastrointestinalen Blutung.[3]
Mit zunehmendem Oakland-Score steigt die Wahrscheinlichkeit für einen komplizierten Verlauf.[1] Die Entscheidung über eine stationäre Überwachung sowie weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen sollte jedoch nicht allein anhand des Scores getroffen werden.[2]
Klinische Bedeutung
Der Oakland-Score kann im Rahmen der Erstbeurteilung einer akuten unteren gastrointestinalen Blutung zur Risikostratifikation eingesetzt werden. Im Gegensatz zu verschiedenen anderen Scores liegt sein Schwerpunkt insbesondere auf der Identifikation von Patienten, bei denen eine sichere ambulante Behandlung möglich sein könnte.[1]
Als günstiger Verlauf bzw. "safe discharge“ gilt in den Validierungsstudien insbesondere das Ausbleiben von
- erneuter gastrointestinaler Blutung,
- Erythrozytentransfusion,
- hämostatischer Intervention,
- erneuter stationärer Aufnahme aufgrund einer unteren gastrointestinalen Blutung und
- Tod.[1][4]
Dadurch kann der Score die klinische Entscheidung darüber unterstützen, welche Patienten stationär aufgenommen werden sollten und bei welchen Patienten eine ambulante Abklärung vertretbar erscheint.
Die externe Validierung bestätigte die Eignung des Oakland-Scores zur Identifikation von Patienten mit niedrigem Risiko.[4]
Im Vergleich zu anderen Risikoscores für die untere gastrointestinale Blutung – etwa dem Strate-Score, NOBLADS und BLEED – zeigte der Oakland-Score in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse die beste Diskriminationsfähigkeit für "safe discharge“, schwere Blutung und Transfusionsbedarf; für die Vorhersage einer notwendigen hämostatischen Intervention war hingegen der Strate-Score überlegen.[5]
Limitationen
Der Oakland-Score stellt eine Entscheidungshilfe dar und ersetzt nicht die individuelle klinische Beurteilung des Patienten. Insbesondere hämodynamische Instabilität, eine anhaltende oder schwere Blutung sowie relevante Begleiterkrankungen müssen unabhängig vom errechneten Score berücksichtigt werden.[2][6]
Darüber hinaus dient der Oakland-Score primär der Identifikation von Patienten mit niedrigem Risiko. Ein Score oberhalb des etablierten Grenzwertes bedeutet daher nicht automatisch, dass eine stationäre Aufnahme oder eine Intervention erforderlich ist.[2]
In externen Validierungsstudien wurden auch höhere Grenzwerte, beispielsweise ≤ 10 Punkte, untersucht. Diese ermöglichen die Identifikation eines größeren Anteils potenziell ambulant behandelbarer Patienten, gehen jedoch mit einer geringeren Sensitivität bei der Erkennung von Patienten mit "safe discharge“ einher.[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Oakland et al., Derivation and validation of a novel risk score for safe discharge after acute lower gastrointestinal bleeding: a modelling study, Lancet Gastroenterol Hepatol, 2017
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Triantafyllou et al., Diagnosis and management of acute lower gastrointestinal bleeding: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Guideline, Endoscopy, 2021
- ↑ AWMF-Leitlinienregister, Leitlinie 021-028, abgerufen am 17.09.2026
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Oakland et al., External Validation of the Oakland Score to Assess Safe Hospital Discharge Among Adult Patients With Acute Lower Gastrointestinal Bleeding in the US, JAMA Netw Open, 2020
- ↑ Almaghrabi et al., Comparison of Risk Scores for Lower Gastrointestinal Bleeding: A Systematic Review and Meta-analysis, JAMA Netw Open, 2022
- ↑ Oakland et al., Diagnosis and management of acute lower gastrointestinal bleeding: guidelines from the British Society of Gastroenterology, Gut, 2019