Musculus palmaris profundus
von lateinisch: palma - Handfläche; profundus - tief
Synonyme: Musculus comitans nervi mediani, Musculus palmaris bitendinosus
Englisch: palmaris profundus muscle
Definition
Der Musculus palmaris profundus ist eine seltene Muskelvarietät der Flexorenloge des Unterarms. Klinische Bedeutung erlangt er insbesondere durch seine räumliche Beziehung zum Nervus medianus und zum Karpaltunnel.
Anatomie
Verlauf
Der Muskel entspringt unterhalb des Musculus pronator teres und lateral des Musculus flexor digitorum superficialis. Seine Sehne zieht unter dem Retinaculum flexorum durch den Karpaltunnel und fächert sich in der tiefen Palmaraponeurose auf.
In vielen Fällen verläuft der Muskel in derselben Faszienscheide wie der Nervus medianus, was die Bezeichnung "Musculus comitans nervi mediani" erklärt (comitans - begleitend).
Ursprung
Der Ursprung des Muskels variiert in der anatomischen Literatur. Infrage kommen:
- lateraler Rand des Radius oder der Ulna
- Faszie des Musculus flexor digitorum superficialis
- Epicondylus medialis humeri
Seltener dienen die Faszien des Musculus palmaris longus oder der Musculus flexor pollicis longus als Ursprung.
Ansatz
Der Muskel setzt am tiefen Anteil der Palmaraponeurose an.
Innervation
Die Innervation ist variabel:
- Nervus medianus
- Nervus interosseus anterior (motorischer Endast des Nervus medianus)
- Nervus ulnaris (selten)
Funktion
Der Muskel bewirkt wie der Musculus palmaris longus eine Flexion im Handgelenk und eine Spannung der Palmaraponeurose. Der Kraftbeitrag ist jedoch gering.
Klinik
Der Musculus palmaris profundus ist meist ein Zufallsbefund bei Operationen oder Präparationen. Klinisch relevant wird er durch seinen Verlauf im Karpaltunnel und die gemeinsame Faszienscheide mit dem Nervus medianus. Er kann zu einer Kompression des Nerven und dadurch zu einem Karpaltunnelsyndrom führen. Die operative Dekompression des Nerven ist in diesem Fall erschwert.
Weiterhin kann der Muskel eine Kompression des Nervus interosseus anterior verursachen und ein AIN-Syndrom auslösen.