Monte-Carlo-Simulation
Englisch: Monte Carlo methods, Monte Carlo experiments, Monte Carlo simulations
Definition
Die Monte-Carlo-Simulation ist ein stochastisches Simulationsverfahren, bei dem komplexe Fragestellungen mithilfe wiederholter Zufallsstichproben numerisch approximiert werden. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeitsverteilung möglicher Ergebnisse eines Modells unter Berücksichtigung unsicherer oder variabler Eingangsparameter abzuschätzen. Das Verfahren kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn analytische Lösungen nicht verfügbar oder praktisch nicht umsetzbar sind.
Hintergrund
Die methodischen Grundlagen der Monte-Carlo-Simulation wurden Mitte des 20. Jahrhunderts im Umfeld der statistischen Physik und der Kernforschung entwickelt. Der Name verweist auf das Glücksspiel und das Fürstentum Monaco als Sinnbild für Zufall und Wahrscheinlichkeit. In der Folge etablierte sich das Verfahren als universell einsetzbares Werkzeug in Wissenschaft, Technik und angewandter Statistik.
Abgrenzung
Im Unterschied zu deterministischen Simulationsverfahren berücksichtigt die Monte-Carlo-Simulation explizit zufällige Variabilität. Von analytischen Näherungsverfahren unterscheidet sie sich dadurch, dass keine geschlossenen Lösungsformeln erforderlich sind.
Markov-Chain-Monte-Carlo-Verfahren sind eine spezielle Unterklasse, bei der die Stichprobenziehung aus einer Zielverteilung mithilfe einer Markov-Kette erfolgt und primär der Schätzung komplexer Wahrscheinlichkeitsverteilungen dient. Vom Bootstrapping unterscheidet sich die Monte-Carlo-Simulation dadurch, dass nicht aus empirisch beobachteten Daten resampelt wird, sondern theoretisch definierte Wahrscheinlichkeitsverteilungen der Modellparameter zugrunde liegen.
Durchführung
Das Grundprinzip der Monte-Carlo-Simulation besteht darin, Zufallszahlen aus vorab definierten Wahrscheinlichkeitsverteilungen zu generieren und als Eingangsgrößen in ein mathematisches oder algorithmisches Modell einzuspeisen. Jeder Simulationsdurchlauf repräsentiert eine mögliche Realisierung des betrachteten Systems. Durch eine große Anzahl unabhängiger Wiederholungen lassen sich statistische Kenngrößen wie Erwartungswerte, Streuungsmaße, Konfidenzintervalle oder Eintrittswahrscheinlichkeiten abschätzen.
Zunächst werden die relevanten Modellparameter identifiziert und geeignete Wahrscheinlichkeitsverteilungen festgelegt. Anschließend erfolgt die wiederholte zufallsbasierte Stichprobenziehung und Modellberechnung. Die Genauigkeit der Ergebnisse nimmt mit der Anzahl der Simulationsdurchläufe gemäß dem Gesetz der großen Zahlen zu. Die Simulationsergebnisse werden abschließend statistisch ausgewertet und interpretiert.
Anwendungsgebiete
Die Monte-Carlo-Simulation findet Anwendung in zahlreichen Disziplinen. In der Medizin und den Lebenswissenschaften wird sie zur Modellierung biologischer Prozesse, zur Abschätzung diagnostischer und prognostischer Unsicherheiten sowie zur Bewertung therapeutischer Strategien eingesetzt. Ein zentrales Einsatzgebiet ist dabei die Fortpflanzung von Unsicherheiten, bei der Variabilität in den Eingangsparametern systematisch auf die Modellergebnisse übertragen wird.
In der medizinischen Statistik dient die Monte-Carlo-Simulation der Untersuchung statistischer Verfahren, etwa im Rahmen von Power-Analysen, Sensitivitätsanalysen oder der Simulation komplexer Studiendesigns. Sie wird genutzt, um Bias und Varianz von Schätzern zu quantifizieren, die Robustheit statistischer Modelle zu prüfen und diagnostische Tests, klinische Entscheidungsmodelle sowie prognostische Scores zu bewerten. Darüber hinaus trägt sie zur Qualitätssicherung klinischer Forschung bei.
Weitere Einsatzfelder umfassen die Physik, Ingenieurwissenschaften, Finanzmathematik, Informatik und die Gesundheitsökonomie. Besonders geeignet ist das Verfahren für hochdimensionale, nicht-lineare Modelle mit stochastischen Einflüssen.
Vorteile und Limitationen
Ein wesentlicher Vorteil der Monte-Carlo-Simulation liegt in ihrer Flexibilität. Sie erlaubt die Analyse komplexer Systeme mit beliebigen Wahrscheinlichkeitsverteilungen und Wechselwirkungen sowie eine explizite Quantifizierung von Unsicherheiten.
Demgegenüber steht ein teils erheblicher Rechenaufwand, insbesondere bei hochdimensionalen Modellen oder sehr großer Anzahl an Simulationen. Zudem hängen die Ergebnisse wesentlich von den getroffenen Modellannahmen ab. Eine häufige Fehlerquelle besteht in der unkritischen Übernahme von Verteilungsannahmen, die empirisch nicht ausreichend begründet sind und zu verzerrten oder instabilen Resultaten führen können.
Literatur
- Metropolis und Ulam, The Monte Carlo method, Journal of the American Statistical Association, 1949