Mini Dental Assessment
Definition
Das Mini Dental Assessment, kurz MDA, ist ein Screening-Verfahren zur Abschätzung des zahnärztlichen Behandlungsbedarfs bei geriatrischen Patienten. Es ist für die Anwendung durch Nicht-Zahnärzte (z.B. Pflegepersonal) konzipiert. Das MDA kombiniert kurze anamnestische Angaben mit einem Kaueffizienztest.
Hintergrund
Mit dem Alter steigt der Bedarf an Zahnerhaltungsmaßnahmen und komplexen Zahnersatzversorgungen. In der geriatrischen Routine ist die systematische Einschätzung der Mundgesundheit und des prothetischen Bedarfs durch Nicht-Zahnärzte aber oft nicht ausreichend verankert. Das MDA ermöglicht eine einfache, reproduzierbare Einschätzung, ob eine zahnärztliche Kontrolle oder Behandlung erforderlich ist. Es basiert auf Patientenangaben und einem standardisierten Kaueffizienztest.
Aufbau
Das MDA umfasst in der gebräuchlichen Form drei Bausteine, die bepunktet und summiert werden:
- einen Kaueffizienztest mit standardisiertem Testmaterial und visueller Graduierung des Zerkleinerungsgrades
- Angaben zum letzten Zahnarztbesuch
- Alter des neuesten Zahnersatzes des Patienten
Bei akuten Beschwerden oder Schmerzen wird der Patient unmittelbar an einen Zahnarzt überwiesen.
Durchführung
Für den Kaueffizienztest wird eine frische Karotte standardisiert zugeschnitten (Durchmesser etwa 20 mm, Höhe etwa 10 mm) und dem Patienten gegeben, mit der Anweisung, 45 Sekunden zu kauen, ohne zu schlucken. Anschließend spuckt der Patient den gesamten Bolus in ein Gefäß (z.B. Petrischale/Teller). Die Partikel werden zur Beurteilung flach verteilt und der Zerkleinerungsgrad anhand einer Vergleichsskala einem Score zugeordnet. Der Kaueffizienztest wird im MDA typischerweise in sechs Ausprägungen (von sehr gut bis unmöglich) eingeteilt und in ein Punkteraster überführt.
Der letzte Zahnarztbesuch wird in vollen Jahren gemessen. Bei < 1 Jahr wird die Frage mit 0 bepunktet. Der Wert wird anschließend mit drei multipliziert.
Das Alter des neuesten Zahnersatzes wird ebenfalls in Jahren gemessen. Bei ausschließlich natürlichen Zähnen bzw. keinem Zahnersatz wird die Frage mit 0 bewertet. Bei fehlenden Zähnen und keinem Zahnersatz wird die Frage automatisch mit 10 Punkten bewertet.
Rechner
Bewertung
Die Gesamtpunktzahl des MDA ist immer mindestens 10 Punkte.
Als Orientierung werden Bereiche angegeben, bei denen eher kein Behandlungsbedarf vermutet wird (10 bis 30 Punkte), eine Kontrolle empfohlen wird (31 bis 60 Punkte) oder ein Behandlungsbedarf sehr wahrscheinlich ist (> 60 Punkte).
Einsatzgebiet
Das MDA wird vor allem im geriatrischen Setting genutzt, um Patienten mit eingeschränkter Selbstversorgung oder begrenztem Zugang zu zahnärztlicher Diagnostik zu beurteilen. Das MDA kann als Verlaufsinstrument dienen, wenn sich Kaufunktion oder prothetische Situation im Rahmen von Rehabilitation oder Pflegeverlauf verändern.
Limitation
Das MDA ist ein Screening und ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung. Es liefert eine Verdachtsabschätzung, aber keine Diagnose. Ergebnisse können durch reduzierte Kooperation, ausgeprägte kognitive Einschränkungen, Schluckprobleme, akute orale Schmerzen, motorische Einschränkungen oder durch nicht dentale Faktoren der Kaufunktion beeinflusst sein. Zudem beruht die visuelle Beurteilung des Bolus auf standardisierten Vergleichsbildern und ist in der Praxis von Schulung und Anwendungskonstanz abhängig.
Quelle
- Universitätsklinikum Giessen und Marburg, Mini Dental Assessment, abgerufen am 19.1.2026