MELD-Na-Score
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Synonyme: MELD-Na, MELD-Sodium-Score
Definition
Der MELD-Na-Score ist eine Erweiterung des MELD-Scores zur Abschätzung der kurzfristigen Mortalität bei Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung. Zusätzlich zu Bilirubin, Kreatinin und INR berücksichtigt er die Serum-Natriumkonzentration.
Der Score wurde zur Verbesserung der Risikostratifizierung von Patienten auf der Lebertransplantationswarteliste entwickelt. Insbesondere soll das erhöhte Mortalitätsrisiko bei Hyponatriämie erfasst werden, das durch den klassischen MELD-Score nur unzureichend abgebildet wird.
Berechnung
Die in der US-amerikanischen Organallokation ab 2016 verwendete Formel lautet:
Dabei gelten folgende Vorgaben:
- MELD: klassischer MELD-Score auf Grundlage von Bilirubin, Kreatinin und INR
- Na: Serum-Natriumkonzentration in mmol/l
- Natriumwerte unter 125 mmol/l werden auf 125 mmol/l, Werte über 137 mmol/l auf 137 mmol/l begrenzt.
- Die Natriumkorrektur wird bei einem MELD-Score über 11 angewendet.[1]
- Der resultierende Score wird auf ganze Zahlen gerundet und im Allokationsmodell auf maximal 40 Punkte begrenzt.
Die ursprünglich 2008 von Kim et al. publizierte Formel verwendet abweichende Koeffizienten und eine Natriumbegrenzung zwischen 125 und 140 mmol/l.
Klinische Bedeutung
Eine Hyponatriämie ist bei fortgeschrittener Leberzirrhose häufig Ausdruck einer ausgeprägten portalen Hypertension und einer gestörten renalen Wasserexkretion. Sie ist unabhängig vom klassischen MELD-Score mit einer erhöhten Wartelistenmortalität assoziiert.
Durch die zusätzliche Berücksichtigung des Serum-Natriums verbessert der MELD-Na-Score die Vorhersage der 90-Tage-Mortalität. Der Einfluss der Natriumkonzentration ist dabei bei niedrigeren MELD-Werten besonders ausgeprägt.
Der MELD-Na-Score wurde 2016 in den USA zur Priorisierung erwachsener Patienten bei der Lebertransplantation eingeführt. Seit 2023 wird dort stattdessen MELD 3.0 verwendet, der zusätzlich unter anderem Serumalbumin und das Geschlecht berücksichtigt.
Für die Leberallokation in Deutschland wird der für die Eurotransplant-Population angepasste ReMELD-Na-Score verwendet, der nicht mit der hier dargestellten US-amerikanischen MELD-Na-Formel gleichzusetzen ist.[2]
Limitationen
Wie der klassische MELD-Score berücksichtigt der MELD-Na-Score verschiedene prognostisch relevante Faktoren nicht unmittelbar. Hierzu zählen beispielsweise Aszites, hepatische Enzephalopathie und Sarkopenie.
Zudem kann die Serum-Natriumkonzentration durch Diuretikatherapie, Flüssigkeitszufuhr oder andere Begleiterkrankungen beeinflusst werden. Der Score ersetzt daher keine umfassende klinische Beurteilung. Die S2k-Leitlinie Lebertransplantation weist darauf hin, dass auch der MELD-Na-Score die Letalität bei einzelnen Patienten unterschätzen kann.[3]
Literatur
- Kim et al., Hyponatremia and Mortality among Patients on the Liver-Transplant Waiting List, New England Journal of Medicine, 2008
- Biggins et al., Evidence-Based Incorporation of Serum Sodium Concentration Into MELD, Gastroenterology, 2006
- Kim et al., MELD 3.0: The Model for End-Stage Liver Disease Updated for the Modern Era, Gastroenterology, 2021
Quellen
- ↑ OPTN: Changes to OPTN Bylaws and Policies from June 2014 Board of Directors Meeting, 24.07.2014, abgerufen am 18.10.2026
- ↑ Bundesärztekammer: Richtlinie für die Wartelistenführung und Organvermittlung zur Lebertransplantation, Fassung vom 12.12.2025, in Kraft seit 13.07.2026, abgerufen am 18.10.2026
- ↑ S2k-Leitlinie Lebertransplantation, AWMF-Registernummer 021-029, Version 1.1, Stand 19.12.2023, abgerufen am 18.10.2026