Lost to follow-up
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
Der Begriff „Lost to follow-up“ (LTFU) bezeichnet im medizinischen Kontext Patient:innen, die während einer Studie oder im Rahmen der klinischen Versorgung nicht mehr erreichbar sind oder keine geplanten Nachsorgetermine mehr wahrnehmen. Dies führt dazu, dass keine weiteren Daten zu deren Gesundheitszustand oder Behandlungsergebnissen erhoben werden können.[1]
Typische Ursachen für LTFU sind vielfältig und umfassen sowohl patienten- als auch systembezogene Faktoren. Zu den häufigsten Gründen zählen Umzüge, Wechsel der Kontaktinformationen, mangelnde Motivation, Unzufriedenheit mit der Behandlung, soziale Vulnerabilität (z. B. niedriges Einkommen, geringe Bildung, Sprachbarrieren), psychische Erkrankungen, fehlende Versicherung oder erschwerter Zugang zur Versorgung (z. B. lange Anfahrtswege, organisatorische Hürden).[2][1] Auch auf Seiten der Versorgung können Faktoren wie häufige Wechsel des Behandlungsteams, unzureichende Kommunikation oder organisatorische Defizite eine Rolle spielen.[2]
Die Konsequenzen von LTFU sind gravierend: In klinischen Studien kann LTFU zu einem Verlust an statistischer Power und Präzision führen und insbesondere bei differenzierten Ausfallraten zwischen den Studienarmen erhebliche Verzerrungen (Attrition Bias, Selection Bias) verursachen.[3][4][5] Dies kann die interne Validität und die Generalisierbarkeit der Ergebnisse gefährden. In der Patientenversorgung führt LTFU zu Versorgungslücken, erhöhtem Risiko für Komplikationen und schlechteren Langzeitergebnissen, insbesondere bei chronischen Erkrankungen oder komplexen Therapien.[2][1]
Zur Vermeidung von LTFU werden verschiedene Strategien empfohlen. Dazu gehören die sorgfältige Auswahl von Studienteilnehmer:innen mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine vollständige Nachbeobachtung, das Einholen multipler Kontaktmöglichkeiten (z. B. Angehörige, Hausärzt:innen), der Einsatz von elektronischen Kommunikationsmitteln, die Bereitstellung von Anreizen (z. B. Fahrtkostenerstattung, flexible Terminvergabe), die Reduktion des Aufwands für die Nachsorge (z. B. kurze Fragebögen, wohnortnahe Nachsorgezentren) sowie der gezielte Einsatz von Personal für das Nachverfolgen von Patient:innen.[4][5] In der klinischen Versorgung sind eine gute Arzt-Patienten-Beziehung, niederschwellige Zugangswege, kultursensible Kommunikation und die Berücksichtigung sozialer Determinanten entscheidend.[2][1]
Eine konsequente Dokumentation und transparente Berichterstattung über LTFU ist essenziell, um die Auswirkungen auf Studienergebnisse und die Versorgung bewerten zu können. In der Literatur wird häufig die „5-20%-Regel“ als Orientierung genannt: Verlustraten unter 5 % gelten als wenig problematisch, über 20 % als kritisch für die Validität der Ergebnisse.[5] Entscheidend ist jedoch nicht nur die absolute Rate, sondern auch, ob die Verluste zwischen den Gruppen unterschiedlich verteilt sind.[5]
Zusammenfassend ist LTFU ein zentrales methodisches und versorgungsrelevantes Problem, das gezielte Maßnahmen zur Prävention und zum Umgang erfordert, um die Aussagekraft von Studien und die Qualität der Patientenversorgung zu sichern.[3][4][5][2][1]
References
- Discontinuation of Follow-Up Care for Young People With Complex Chronic Conditions: Conceptual Definitions and Operational Components. Skogby S, Bratt EL, Johansson B, Moons P, Goossens E. BMC Health Services Research. 2021;21(1):1343. doi:10.1186/s12913-021-07335-x.
- "Patient Lost to Follow-Up": Opportunities and Challenges in Delivering Primary Care in Academic Medical Centers. Amat M, Duralde E, Masutani R, et al. Journal of General Internal Medicine. 2022;37(11):2678-2683. doi:10.1007/s11606-021-07216-3.
- Lost but Not Forgotten: How to Manage Follow-Up Loss in Clinical Research. Salzler M, Saithna A, Cote MP, Matzkin E, Rossi MJ. Arthroscopy: The Journal of Arthroscopic & Related Surgery: Official Publication of the Arthroscopy Association of North America and the International Arthroscopy Association. 2025;:S0749-8063(25)00550-X. doi:10.1016/j.arthro.2025.07.038.
- Cohort Studies: Marching Towards Outcomes. Grimes DA, Schulz KF. Lancet (London, England). 2002;359(9303):341-5. doi:10.1016/S0140-6736(02)07500-1.
- Sample Size Slippages in Randomised Trials: Exclusions and the Lost and Wayward. Schulz KF, Grimes DA. Lancet (London, England). 2002;359(9308):781-5. doi:10.1016/S0140-6736(02)07882-0.