Kurzschaftprothese (Hüfte)
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenWir werden ihn in Kürze redaktionell checken.
Wir werden ihn in Kürze redaktionell checken.
Kurzschaftprothese (Hüfte)
Synonyme: Hüftkurzschaftprothese, Kurzschaft-Hüftendoprothese
Englisch: short femoral stem, short-stem hip arthroplasty
Definition
Eine Kurzschaftprothese der Hüfte ist eine femorale Endoprothesenkomponente, deren Schaft gegenüber konventionellen Hüftprothesenschäften verkürzt ist. Sie wird überwiegend zementfrei in der primären Hüfttotalendoprothetik eingesetzt. Je nach Bauform werden unterschiedliche Anteile des Schenkelhalses erhalten und unterschiedliche Verankerungszonen genutzt. Eine einheitliche, ausschließlich längenbezogene Definition besteht nicht.[1]
Hintergrund
Kurzschaftprothesen bilden eine heterogene Implantatgruppe. Für ihre Einordnung sind neben der Schaftlänge insbesondere die Höhe der Schenkelhalsosteotomie, die Implantatgeometrie und das Verankerungsprinzip relevant. Die Bezeichnung „Kurzschaft“ allein erlaubt deshalb keine verlässliche Aussage über die Knochenresektion oder die Art der Krafteinleitung.[1]
Der Einsatz eines Kurzschaftes ist von der Wahl des operativen Zugangs zu unterscheiden. Eine kurze Hautinzision definiert weder eine Kurzschaftversorgung noch die tatsächliche Schonung tiefer gelegener Weichteilstrukturen.[1]
Konstruktions- und Verankerungsprinzipien
Zur Orientierung lassen sich schenkelhalserhaltende beziehungsweise teilweise schenkelhalserhaltende Konzepte und verkürzte konventionelle Schaftkonzepte unterscheiden. Die Übergänge hängen vom verwendeten Klassifikationssystem ab.[1]
Kalkar-geführte Kurzschäfte folgen bei der Implantation der medialen Krümmung des proximalen Femurs. Durch Variation der Osteotomiehöhe und der Schaftausrichtung lassen sich unterschiedliche anatomische Situationen berücksichtigen. Je nach Positionierung kann eine überwiegend metaphysäre oder eine zusätzlich diaphysäre Abstützung entstehen.[1]
Für die Fixationsstrategien Kalkar-geführter Kurzschaftversorgungen wurde die Kutzner-Klassifikation beschrieben:[1]
| Typ | Bezeichnung | Verankerung |
|---|---|---|
| I | M | metaphysär |
| II | MD | meta-diaphysär |
| III | D | diaphysär |
| IV | C | zementiert |
Die Einteilung beschreibt die Verankerungsstrategie innerhalb dieses Versorgungskonzepts. Sie ist keine allgemeine Klassifikation sämtlicher Kurzschaftimplantate und kein Nachweis ihrer klinischen Gleichwertigkeit.[1]
Indikationen und Grenzen
Der hauptsächliche Einsatzbereich ist die primäre Hüfttotalendoprothetik, insbesondere bei Coxarthrose. Entscheidend sind eine zum jeweiligen Implantat passende proximale Femuranatomie und eine ausreichende Verankerungsmöglichkeit. Das Lebensalter allein ist kein hinreichendes Auswahlkriterium.[1]
Eine eingeschränkte Knochenqualität, ausgeprägte Deformitäten oder Defekte des proximalen Femurs können die Anwendung begrenzen. Auch bei Osteonekrosen und Schenkelhalsfrakturen ist eine differenzierte, implantatbezogene Indikationsstellung erforderlich. Ergebnisse einzelner Kurzschaftmodelle dürfen nicht auf alle Bauformen übertragen werden.[1]
Lässt sich keine ausreichende Primärstabilität erreichen, muss eine alternative Verankerungsstrategie gewählt werden.[1]
Planung und Implantation
Die präoperative Planung berücksichtigt insbesondere Schaftgröße, Resektionshöhe, Offset, Beinlänge und die vorgesehene Verankerung. Bei Kalkar-geführten Kurzschäften beeinflusst die Osteotomiehöhe die mögliche Varus- oder Valguspositionierung und damit die Rekonstruktion der Hüftgeometrie.[1]
Die Präparation erfolgt mit zum Implantat passenden Instrumenten. Bei Kalkar-geführten Systemen kann die Einführung entlang des Calcars in einer „Round-the-corner“-Technik erfolgen. Eine ausreichende Abstützung und korrekte Dimensionierung sind für die Primärstabilität entscheidend. Intraoperative Bildgebung kann helfen, Positionierungsfehler und eine Unterdimensionierung zu erkennen.[1]
Potenzielle Vorteile
Abhängig vom Implantatkonzept werden folgende Ziele verfolgt:
- Erhalt von Knochen am proximalen Femur
- Schonung trochanternaher Strukturen bei der Präparation
- Rekonstruktion der individuellen Hüftgeometrie
- möglichst proximale Krafteinleitung
- Erhalt von Versorgungsoptionen für spätere Revisionen
Diese konstruktiven Ziele sind von nachgewiesenen klinischen Vorteilen zu unterscheiden. Eine generelle Überlegenheit aller Kurzschäfte gegenüber konventionellen Schäften lässt sich daraus nicht ableiten.[1]
Risiken und Komplikationen
Zu den technisch relevanten Problemen gehören Fehlpositionierung, falsche Größenwahl und intraoperative Femurfrakturen. Unzureichende Primärstabilität kann zu Migration beziehungsweise Subsidenz führen. Eine frühe Migration muss im zeitlichen Verlauf beurteilt werden: Sie kann sich stabilisieren, während eine fortschreitende Migration auf eine gestörte Verankerung hinweisen kann.[1]
Die Implantation hat eine konzeptspezifische Lernkurve. Insbesondere bei Kalkar-geführten Schäften sind die Auswirkungen der Schaftausrichtung auf Abstützung und Knochenbelastung zu berücksichtigen.[1]
Klinische Ergebnisse und Evidenz
Eine multinationale Registerstudie verglich 15.771 Kurzschaftversorgungen mit 31.542 mittels Propensity-Score-Matching ausgewählten Standardschaftversorgungen. Die kumulative Revisionsrate nach zwölf Jahren betrug 4,7 % beziehungsweise 5,1 %; der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Bei einer ersten Schaftrevision konnte nach primärer Kurzschaftversorgung häufiger ein Standardschaft eingesetzt werden.[1]
Diese Beobachtungsdaten belegen keine generelle Überlegenheit. Unterschiede in Patientenauswahl, Implantatmodellen und Versorgungspraxis sowie verbleibende Störfaktoren sind zu berücksichtigen. Für die Bewertung eines konkreten Kurzschaftes sollten implantatspezifische Ergebnisse, Nachbeobachtungsdauer und Verankerungsprinzip herangezogen werden.[1]
Werkstoffe und Oberflächen
Kurzschaftprothesen für die Hüfte bestehen überwiegend aus Titanlegierungen; je nach Modell werden auch andere Metalllegierungen verwendet.[2] Die Oberfläche ist häufig rau oder porös strukturiert und nicht selten zusätzlich mit Hydroxylapatit oder calciumphosphathaltigen Schichten versehen, um die osteokonduktive Einheilung zu fördern.[3][4] Ziel dieser Beschichtungen ist eine frühe und stabile knöcherne Integration bei zementfreier Verankerung; die Ausprägung der Osseointegration hängt dabei von Material, Oberflächenrauigkeit und Beschichtungskonzept des jeweiligen Implantats ab.[4][3]
Rechtliche Rahmenbedingungen
Kurzschaftprothesen der Hüfte sind Implantate und damit Medizinprodukte im Sinne des europäischen Medizinprodukterechts; für das Inverkehrbringen gelten die Anforderungen der Verordnung (EU) 2017/745 (MDR).[5] Für die CE-Kennzeichnung sind unter anderem ein Konformitätsbewertungsverfahren, die technische Dokumentation sowie eine nachvollziehbare Produktidentifikation erforderlich.[5] Bei Implantaten sind außerdem patientenbezogene Implantatinformationen und eine Dokumentation der verwendeten Produktidentität vorgesehen, damit das implantierte System im Bedarfsfall eindeutig rückverfolgt werden kann.[5][6]
Quellen
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 Loppini und Grappiolo, Uncemented short stems in primary total hip arthroplasty: The state of the art, EFORT Open Rev, 2018
- ↑ Knahr, Kurzschaftprothesen in der Hüftendoprothetik, 1. Auflage, Springer, 2016
- ↑ 3,0 3,1 Apostu, Current methods of preventing aseptic loosening and improving osseointegration of titanium implants in cementless total hip arthroplasty: a review, Journal of Orthopaedic Surgery and Research, 2018
- ↑ 4,0 4,1 Loppini, Uncemented short stems in primary total hip arthroplasty: The state of the art, EFORT Open Reviews, 2018
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte, abgerufen am 31.10.2026
- ↑ Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Medizinprodukte, abgerufen am 31.10.2026