Krankenhausverweildauer
Synonym: Liegedauer
Englisch: length of stay, LOS
Definition
Die Krankenhausverweildauer beschreibt die Zeitspanne zwischen stationärer Aufnahme und Entlassung eines Patienten. Sie wird in Kalendertagen angegeben. Dabei handelt es sich in der Regel um administrativ gezählte Kalendertage. Der Aufnahmetag zählt, der Entlassungstag zählt je nach Definition.
Hintergrund
Die Krankenhausverweildauer dient als zentraler Indikator zur Beschreibung von Versorgungsintensität, Behandlungsabläufen und Ressourcennutzung im stationären Bereich. Abzugrenzen ist die individuelle Verweildauer vom statistischen Maß der mittleren Verweildauer auf Abteilungs-, Klinik- oder Systemebene.
Die Krankenhausverweildauer ist kein rein medizinischer Parameter, sondern Ausdruck eines komplexen Zusammenspiels aus Erkrankungsschwere, Behandlungsstrategie, Organisation und Versorgungsstruktur. In Deutschland ist sie eng an das DRG-System gekoppelt. Für jede Fallpauschale sind untere und obere Grenzverweildauern definiert, die sowohl medizinische als auch ökonomische Steuerungswirkungen entfalten sollen.
Historisch ist die mittlere Verweildauer in Deutschland kontinuierlich gesunken. Ursache sind medizinischer Fortschritt, vermehrt ambulante Leistungen, standardisierte Behandlungspfade sowie ökonomischer Druck. Gleichzeitig hat die Komplexität der verbleibenden stationären Fälle zugenommen.
Klinische Bedeutung
Eine angemessene Krankenhausverweildauer ist ein relevanter Qualitätsindikator. Verlängerte Aufenthalte sind mit erhöhtem Risiko für nosokomiale Infektionen, Delir, Immobilisation und funktionellen Abbau assoziiert. Zudem binden sie knappe personelle und strukturelle Ressourcen.
Eine zu kurze Verweildauer kann hingegen zu unvollständiger Diagnostik, instabiler Entlassungssituation und erhöhten Wiederaufnahmeraten führen. In der Versorgungsforschung wird die Verweildauer daher nicht isoliert bewertet, sondern stets im Zusammenhang mit Rehospitalisation, Mortalität und Patientensicherheit.
Einflussfaktoren
Die Dauer des stationären Aufenthalts wird maßgeblich durch die Geschwindigkeit der Diagnostik, die Leitlinientreue der Therapie und die Qualität der interprofessionellen Zusammenarbeit bestimmt. Verzögerungen entstehen häufig durch unklare Zuständigkeiten, ausstehende Befunde oder fehlende Entlassperspektiven.
Auch nichtmedizinische Faktoren spielen eine relevante Rolle. Pflegebedarf, soziale Situation, fehlende Anschlussversorgung oder Engpässe im ambulanten und rehabilitativen Bereich führen regelmäßig zu medizinisch nicht mehr indizierten Liegetagen. Umgekehrt verstärken ökonomische Anreiz- und Sanktionsstrukturen sowie Pauschalierungen die Tendenz zur Verkürzung des stationären Aufenthalts, auch wenn medizinische Gründe dagegen sprechen.
Strategien zur Optimierung
Eine effektive Steuerung der Krankenhausverweildauer erfordert ein frühzeitiges, strukturiertes Entlassmanagement ab dem Aufnahmetag. Klare Behandlungsziele, standardisierte klinische Pfade und die tägliche Reevaluation der stationären Indikation helfen, vermeidbare Liegetage zu reduzieren.
Maßgeblich ist, dass die Optimierung der Krankenhausverweildauer nicht als primär ökonomisches Steuerungsziel verstanden wird. Ziel bleibt im Idealfall eine medizinisch begründete Aufenthaltsdauer, die Patientensicherheit, Behandlungsqualität und Kontinuität der Versorgung gleichermaßen berücksichtigt.
Literatur
- KVB: Belegtage und Verweildauer, abgerufen am 14.01.2026
- DeStatis: Durchschnittliche Verweildauer, abgerufen am 14.01.2026
- Deutsches Ärzteblatt: Krankenhausstatistik: Weniger Betten, ältere Patienten, abgerufen am 14.01.2026