KI-assoziierte Psychose
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Synonyme: KI-assoziierte psychotische Symptomverstärkung; KI-assoziierte Wahnelaboration
Englisch: AI-associated psychosis
Definition
Die KI-assoziierte Psychose bezeichnet kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein klinisches Beschreibungsphänomen, bei dem Personen mit bestehender oder sich entwickelnder psychotischer Symptomatik dialogische KI-Systeme dazu nutzen, Wahnideen, überwertige Ideen oder psychotische Deutungsmuster zu elaborieren, zu stabilisieren oder subjektiv zu legitimieren. Die KI fungiert dabei als interaktives Verstärkungs- und Resonanzmedium, nicht als primäre Ursache der Psychose und nicht notwendigerweise als Wahnobjekt.
Hintergrund
Psychotische Inhalte spiegeln kulturelle und technologische Entwicklungen wider. Mit der breiten Verfügbarkeit dialogischer KI-Systeme (Chatbots) ist erstmals ein jederzeit erreichbarer, sprachlich kohärenter Interaktionspartner verfügbar, der keinen aktiven Realitätsabgleich vornimmt und bei vulnerablen Personen die sprachliche Ausarbeitung und Verfestigung dysfunktionaler Denkmodi fördern kann.[1] Erste Fallberichte zeigen, dass Betroffene KI-Antworten nutzen, um wahnnahe Annahmen zu überprüfen oder zu bestätigen, was zu bestätigenden Schleifen und stabileren Überzeugungen beitragen kann.[2]
KI-gesteuerte Chatbots tendieren grundsätzlich zur Validierung der durch den Nutzer zur Verfügung gestellten Inhalte.[2]
Aktueller Erkenntnisstand
Die Evidenz beruht überwiegend auf Einzelfallberichten, Fallserien und konzeptionellen Analysen. Beschrieben wurden unter anderem spirituelle oder metaphysische Deutungen, Vorstellungen besonderer Auserwähltheit sowie beziehungs- oder sinnstiftende Narrative im Kontext von KI-Interaktionen.[2] Eine direkte kausale Auslösung psychotischer Störungen durch KI-Systeme ist bislang nicht belegt; vielmehr wirken KI-Interaktionen als verstärkende und elaborierende Kontexte, die bestehende Vulnerabilitäten sowie dysfunktionale Denk- und Erlebensmuster beeinflussen können.[3]
In einzelnen Fällen konnte nach schweren Straftaten eine Validierung der Täter und damit verbundene Verstärkung wahnhafter Gedankeninhalte durch die Nutzung von KI-Chatbots nachgewiesen werden.[2]
Nosologische Einordnung
Die KI-assoziierte Psychose ist keine eigenständige Diagnose und weder im DSM-5-TR noch in der ICD-11 klassifiziert. Die klinische Einordnung erfolgt innerhalb bestehender psychotischer Störungsbilder. Der KI-Bezug beschreibt ausschließlich den inhaltlichen und funktionalen Kontext der Symptomatik und stellt einen zeit- und technikabhängigen Ausdruck psychotischer Inhalte dar.
Klinische Relevanz
Für die klinische Praxis ist es entscheidend, KI-Nutzung nicht als primäre Ursache, sondern als einen potenziellen Verstärker psychotischer Prozesse zu berücksichtigen. Maßgeblich für die diagnostische und therapeutische Bewertung bleiben das Vorliegen formaler Denkstörungen, die eingeschränkte Realitätsprüfung, der Leidensdruck sowie die psychosoziale Funktionsbeeinträchtigung. Therapeutisch kann es sinnvoll sein, die Nutzung von KI-Systemen zu strukturieren und gemeinsam kritisch zu reflektieren, ohne sie pauschal zu untersagen.
Quellen
- ↑ Pierre JM. Can AI chatbots validate delusional thinking?. BMJ. 2025;391:r2229. Published 2025 Oct 23. doi:10.1136/bmj.r2229
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Augustin M. AI-associated psychosis: evidence from first cases. Nervenarzt. 2025;96(7). doi:10.1007/s00115-025-01909-4.
- ↑ Hudon A, Stip E. Delusional Experiences Emerging From AI Chatbot Interactions or "AI Psychosis". JMIR Ment Health. 2025;12:e85799. Published 2025 Dec 3. doi:10.2196/85799