KI-assoziierte Psychose
Synonyme: KI-assoziierte psychotische Symptomverstärkung, KI-assoziierte Wahnelaboration
Englisch: AI-associated psychosis
Definition
Als KI-assoziierte Psychose bezeichnet man psychotische Inhalte, die durch dialogische KI-Systeme etabliert oder stabilisiert werden. Die KI fungiert dabei als interaktives Verstärkungs- und Resonanzmedium, nicht als primäre Ursache der Psychose und nicht notwendigerweise als Wahnobjekt. Es handelt sich nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild.
Hintergrund
Mit der breiten Verfügbarkeit von Chatbots ist ein jederzeit erreichbarer, sprachlich kohärenter Interaktionspartner verfügbar. Er nimmt jedoch keinen Realitätsabgleich vor und kann daher bei vulnerablen Personen die Verfestigung dysfunktionaler Denkmodi fördern.[1] Erste Fallberichte zeigen, dass Betroffene KI-Antworten nutzen, um wahnnahe Annahmen zu überprüfen oder zu bestätigen, was zu Bestätigungsschleifen und stabileren Überzeugungen beitragen kann.[2]
Aktueller Erkenntnisstand
Die Evidenz beruht derzeit (2026) überwiegend auf Einzelfallberichten, Fallserien und konzeptionellen Analysen. Beschrieben wurden unter anderem spirituelle oder metaphysische Deutungen, Vorstellungen besonderer Auserwähltheit sowie beziehungs- oder sinnstiftende Narrative im Kontext von KI-Interaktionen.[2] Eine direkte kausale Auslösung psychotischer Störungen durch KI-Systeme ist bislang (2026) nicht belegt. Vielmehr wirken KI-Interaktionen verstärkend. Sie können bestehende Vulnerabilitäten sowie dysfunktionale Denk- und Erlebensmuster beeinflussen.[3]
In einzelnen Fällen konnte nach schweren Straftaten eine Validierung der Täter und damit verbundene Verstärkung wahnhafter Gedankeninhalte durch die Nutzung von KI-Chatbots nachgewiesen werden.[2]
Nosologische Einordnung
Die KI-assoziierte Psychose ist weder im DSM-5-TR noch in der ICD-11 klassifiziert. Die klinische Einordnung erfolgt innerhalb bestehender psychotischer Störungsbilder. Der KI-Bezug beschreibt ausschließlich den inhaltlichen und funktionalen Kontext der Symptomatik und ist ein zeit- und technikabhängiger Ausdruck psychotischer Inhalte.
Klinische Relevanz
Für die klinische Praxis ist es entscheidend, KI-Nutzung nicht als primäre Ursache, sondern als einen potenziellen Verstärker psychotischer Prozesse zu berücksichtigen. Maßgeblich für die diagnostische und therapeutische Bewertung bleiben das Vorliegen formaler Denkstörungen, die eingeschränkte Realitätsprüfung, der Leidensdruck sowie die psychosoziale Funktionsbeeinträchtigung. Therapeutisch kann es sinnvoll sein, die Nutzung von KI-Systemen zu strukturieren und gemeinsam kritisch zu reflektieren, ohne sie pauschal zu untersagen.
Quellen
- ↑ Pierre JM. Can AI chatbots validate delusional thinking?. BMJ. 2025;391:r2229. Published 2025 Oct 23. doi:10.1136/bmj.r2229
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Augustin M. AI-associated psychosis: evidence from first cases. Nervenarzt. 2025;96(7). doi:10.1007/s00115-025-01909-4.
- ↑ Hudon A, Stip E. Delusional Experiences Emerging From AI Chatbot Interactions or "AI Psychosis". JMIR Ment Health. 2025;12:e85799. Published 2025 Dec 3. doi:10.2196/85799