High-Urgency-Status
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Synonyme: HU-Status, HU
Definition
Der High-Urgency-Status ist eine besondere Dringlichkeitsstufe bei der Organallokation, durch die Patienten mit einer akut lebensbedrohlichen Erkrankung bei der Zuteilung von Spenderorganen priorisiert werden.
Im Eurotransplant-Verbund wird der HU-Status insbesondere bei der Leber- und Herztransplantation verwendet.
Indikationen
Ein HU-Status kommt bei Patienten infrage, deren Überleben ohne kurzfristige Organtransplantation erheblich gefährdet ist.
Typische Indikationen sind:
- Lebertransplantation: akutes Leberversagen sowie bestimmte andere akut lebensbedrohliche Leberschädigungen, beispielsweise ein primäres Transplantatversagen.[1]
- Herztransplantation: schweres, akut dekompensiertes Herzversagen mit definierten hämodynamischen Kriterien, Inotropikaabhängigkeit oder schwerwiegenden Komplikationen der mechanischen Kreislaufunterstützung. Auch bei Rechtsherzversagen mit führender Stauung oder Abhängigkeit von temporärer mechanischer Kreislaufunterstützung kann unter den jeweils festgelegten Voraussetzungen ein HU-Status zuerkannt werden; Einzelheiten siehe Herztransplantation.[2]
Die jeweiligen Voraussetzungen sind in den organspezifischen Allokationsrichtlinien festgelegt.[3] Eine hohe Erkrankungsschwere allein begründet keinen Anspruch auf einen HU-Status.
Beantragung und Organallokation
Die Beantragung erfolgt durch das behandelnde Transplantationszentrum unter Vorlage der erforderlichen klinischen und diagnostischen Befunde. Die Erfüllung der HU-Kriterien wird im Rahmen eines festgelegten Prüfverfahrens beurteilt.
Bei Anerkennung erhält der Patient eine erhöhte Priorität bei der Organvermittlung. Im Eurotransplant-Verbund kann dies eine bevorzugte internationale Organallokation ermöglichen.
Die Zuerkennung des HU-Status setzt weiterhin eine grundsätzliche Transplantationseignung voraus. Bestehende Kontraindikationen werden durch die erhöhte Dringlichkeit nicht aufgehoben.
Gültigkeit und Reevaluation
Der HU-Status ist zeitlich befristet und muss in festen Abständen erneut begründet werden. Für die Lebertransplantation gilt die Dringlichkeitsstufe HU grundsätzlich für 14 Tage; eine Reevaluation erfolgt auf Veranlassung des anmeldenden Zentrums nach 14 Tagen. Wird innerhalb der vorgesehenen Frist keine erneute Bestätigung erreicht, endet der Status, und der Patient fällt auf die reguläre Wartelistenpriorität zurück.[4]
Für die Herztransplantation wird der HU-Status ebenfalls befristet vergeben und turnusmäßig überprüft; die Re-Evaluation erfolgt nach 28 Tagen durch Eurotransplant. Bei Wegfall der Voraussetzungen oder bei Änderung der medizinischen Situation kann der Status nicht verlängert werden und endet mit der Entscheidung im Reevaluationsverfahren.[5]
Literatur
- Eurotransplant Manual – Chapter 5: ET Liver Allocation System, abgerufen am 18.10.2026
- Eurotransplant Manual – Chapter 6: ET Thoracic Allocation System, abgerufen am 18.10.2026
Quellen
- ↑ Berg et al., S2k-Leitlinie Lebertransplantation der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV): Version 1.0 – Dezember 2023 – AWMF-Registernummer: 021–029, Z Gastroenterol, 2024
- ↑ Bundesärztekammer: Richtlinie für die Wartelistenführung und Organvermittlung zur Herz- und Herz-Lungentransplantation, Fassung vom 12.12.2025, in Kraft seit 13.07.2026, abgerufen am 18.10.2026
- ↑ Bundesärztekammer: Richtlinie für die Wartelistenführung und Organvermittlung zur Lebertransplantation, Fassung vom 12.12.2025, in Kraft seit 13.07.2026, abgerufen am 18.10.2026
- ↑ Richtlinie für die Wartelistenführung und Organvermittlung zur Lebertransplantation, abgerufen am 18.10.2026
- ↑ Richtlinien zur Organtransplantation gemäß § 16 TPG (2), abgerufen am 18.10.2026