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Graft-versus-Leukemia-Reaktion

Synonyme: Graft-versus-Tumor-Effekt, Graft-versus-Malignancy-Effekt
Englisch: graft-versus-tumor effect, GVT

1 Definition

Die Graft-versus-Leukemia-Reaktion, kurz GvL, ist die therapeutisch erwünschte Immunreaktion, die bei einer allogenen Stammzelltransplantation auftritt. Hier richtet sich die Reaktion der transfundierten Abwehrzellen des Spenders gezielt gegen die malignen Zellen des Empfängers, woraus ein kurativer Effekt resultiert.

2 Abgrenzung

Der GvL steht die Graft-versus-Host-Reaktion (GvH) gegenüber, bei der transfundierte zytotoxische Immunzellen verschiedene Gewebe des Wirtsorganismus angreifen.

3 Prinzip

Im Rahmen einer allogenen Stammzelltransplantation wird zunächst eine Chemotherapie als sogenannte Konditionierung verabreicht, bevor die hämatopoetischen Stammzellen eines Spenders transfundiert werden. Durch die Konditionierung wird ein Großteil der malignen Zellen der zugrundeliegenden Erkrankung (z.B. Leukämiezellen) bereits ausgelöscht. Verbleibende maligne Zellen werden durch den Graft-versus-Leukämie-Effekt in die Apoptose getrieben, wodurch das Risiko für ein Rezidiv der Grunderkrankung sinkt.

4 Pathophysiologie

Die Immunreaktion wird vorwiegend durch T-Lymphozyten des Spenders vermittelt. Die T-Zellen erkennen die entarteten Zellen über die Interaktion mit einem exprimierten Komplex aus MHC-Antigenen und Minor-Histokompatibilitätsantigenen als fremd an.

5 Klinik

5.1 Dosisreduzierte Konditionierung

Um die toxische Wirkung einer Konditionierungstherapie und damit auftretende Komplikationen zu verringern, werden seit einigen Jahren vermehrt dosisreduzierte Formen der Chemotherapie eingesetzt. Durch die geringere Aggressivität der Substanzen oder Bestrahlung werden jedoch weniger entartete Zellen ausgelöscht, als bei myeloablativen Formen. Hierbei macht man sich den GvL-Effekt zunutze, um trotzdem eine ausreichende antineoplastische Wirkung zu erzielen.

5.2 Spenderlymphozyten

Spenderlymphozyten (Donorlymphozyten-Infusionen) sind eine Therapieform von Rezidiven nach erfolgter allogener Stammzelltransplantation. Dabei werden Präparate mit Lymphozyten des Spenders intravenös verabreicht, was ein erneutes Aufflammen der gewünschten Immunreaktion induziert.

6 Literatur

  • Sweeney C, Vyas P. The Graft-Versus-Leukemia Effect in AML. Front Oncol. 2019 Nov 19;9:1217
  • Rezidiv: Prävention und Behandlung, Allogene Stammzelltransplantation, Onkopedia, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, Version Oktober 2020

Fachgebiete: Immunologie, Onkologie

Diese Seite wurde zuletzt am 11. Juni 2021 um 15:44 Uhr bearbeitet.

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