Glenzocimab
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LoslegenSynonym: ACT017
Englisch: glenzocimab
Definition
Glenzocimab ist ein humanisiertes monoklonales Antikörperfragment (Fab), das an den Thrombozytenrezeptor Glykoprotein VI (GPVI) bindet. Es wurde als GPVI-Antagonist zur Hemmung der Thrombusbildung bei akuten arteriellen Thrombosen entwickelt, vor allem beim ischämischen Schlaganfall. Die weitere Entwicklung wurde aufgrund enttäuschender Studienergebnisse eingestellt.
Hintergrund
GPVI vermittelt die Aktivierung von Thrombozyten durch Kollagen und fördert so die Bildung von Thromben nach einer Verletzung der Gefäßwand. Für die normale Blutstillung scheint GPVI dagegen weniger wichtig zu sein. Deshalb hoffte man, durch seine gezielte Blockade arterielle Thromben zu verhindern und das Blutungsrisiko weniger stark zu erhöhen als mit klassischen Thrombozytenaggregationshemmern. Diese Annahme stützte sich vor allem auf präklinische Untersuchungen und die Phase-1b/2a-Studie ACTIMIS.
Wirkmechanismus
Glenzocimab bindet mit hoher Affinität an die extrazelluläre D2-Domäne von GPVI. Dadurch verhindert es die Dimerisierung des Rezeptors und behindert die Bindung physiologischer Liganden wie Kollagen und Fibrin. Die Blockade unterdrückt die GPVI-abhängige Thrombozytenaktivierung und die Stabilisierung des Thrombus.
Pharmakokinetik
Glenzocimab wird intravenös verabreicht. In den klinischen Studien beim Schlaganfall erhielten die Patienten eine Einzeldosis von 1000 mg zusätzlich zur Standardtherapie. Glenzocimab hemmt die GPVI-vermittelte Thrombozytenfunktion rasch und dosisabhängig. Validierte Angaben zu Halbwertszeit und Eliminationsweg liegen nicht vor.
Klinische Studien
In der randomisierten, placebokontrollierten Phase-1b/2a-Studie ACTIMIS (166 Patienten) wurde Glenzocimab zusätzlich zur Thrombolyse mit Alteplase, mit oder ohne mechanische Thrombektomie, untersucht. Glenzocimab 1000 mg wurde gut vertragen. Gegenüber Placebo traten seltener symptomatische intrazerebrale Blutungen (0 vs. 10 %) und asymptomatische hämorrhagische Transformationen (31 vs. 50 %) auf. Die Gesamtmortalität war ebenfalls niedriger (7 vs. 21 %).[1]
Die konfirmatorische Phase-2/3-Studie ACTISAVE schloss 438 Patienten an 54 Zentren in 10 Ländern ein. Sie konnte diese Ergebnisse nicht bestätigen. Glenzocimab (1000 mg i.v.) zusätzlich zur Thrombolyse innerhalb von 4,5 Stunden zeigte weder beim primären Endpunkt (schwere Behinderung oder Tod, modifizierte Rankin-Skala 4–6 an Tag 90) noch beim sekundären Endpunkt (mRS 0–2) einen Vorteil gegenüber Placebo.[2]
Die Phase-2/3-Studie GREEN untersuchte Glenzocimab als Zusatz zur mechanischen Thrombektomie. Sie wurde im Juli 2024 nach einer Zwischenanalyse wegen Aussichtslosigkeit (Futility) abgebrochen. In der Phase-2-Studie LIBERATE wird Glenzocimab beim akuten ST-Hebungsinfarkt untersucht.
Zulassung
Die EMA hatte Glenzocimab 2022 den PRIME-Status für die Behandlung des Schlaganfalls verliehen. Nach den negativen Ergebnissen von ACTISAVE und GREEN geriet der Hersteller Acticor Biotech in ein Insolvenzverfahren. Am 2. Januar 2025 wurde die Liquidation des Unternehmens eröffnet. Eine Zulassung ist derzeit nicht absehbar.
Quellen
- ↑ Mazighi M et al. Safety and efficacy of platelet glycoprotein VI inhibition in acute ischaemic stroke (ACTIMIS): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 1b/2a trial. Lancet Neurol. 2024;23(2):157–167.
- ↑ Köhrmann M et al. Glenzocimab Efficacy and Safety Added to Intravenous Thrombolysis With or Without Mechanical Thrombectomy in Patients With Acute Ischemic Stroke – ACTISAVE: A Prospective, Randomized, Double-Blind Study. 2026.