Girentuximab
Synonym: Zircaix®
Englisch: girentuximab
Definition
Girentuximab ist ein chimärer monoklonaler Antikörper der IgG1-Klasse, der spezifisch gegen die Carbonanhydrase IX (CAIX) gerichtet ist. Dieses transmembranäre Enzym wird vor allem beim klarzelligen Nierenzellkarzinom stark überexprimiert und dient als tumorspezifisches Zielantigen. Girentuximab wird sowohl diagnostisch als auch therapeutisch untersucht und hat bislang (2026) keine regulatorische Zulassung.
Wirkprinzip
Girentuximab bindet selektiv an CAIX-exprimierende Tumorzellen. Die CAIX-Überexpression beim klarzelligen Nierenzellkarzinom ist auf die Aktivierung des Hypoxie-induzierbaren Faktors (HIF) infolge des Verlusts des VHL-Tumorsuppressorgens zurückzuführen.[1]
In der diagnostischen Anwendung wird der Antikörper mit Radionukliden markiert – in der klinisch am weitesten entwickelten Form mit dem Positronen-Emitter Zirkonium-89 (89Zr). Er ermöglicht eine Tumorbildgebung mittels PET/CT. Das erlaubt eine nicht-invasive Differenzierung von klarzelligen Nierenzellkarzinomen gegenüber anderen renalen Raumforderungen.
Therapeutisch wurde Girentuximab in Kombination mit radioaktiven Isotopen (Radioimmuntherapie) sowie als Antikörpertherapie untersucht.
Klinische Anwendung
Diagnostik
Die größte klinische Relevanz liegt in der Diagnostik unklarer Nierentumoren, insbesondere zur Vermeidung unnötiger Operationen bei benignen Läsionen. Die Phase-III-Studie ZIRCON untersuchte 89Zr-Girentuximab-PET/CT bei Patienten mit unklaren renalen Raumforderungen und zeigte eine Sensitivität von 85,5 % sowie eine Spezifität von 86,6 % für den Nachweis des klarzelligen Nierenzellkarzinoms.[2] Girentuximab erhielt von der FDA eine "Breakthrough-Device-Designation" für die 89Zr-markierte diagnostische Form (Sonderstatus für innovative Medizinprodukte).
Limitationen
Limitationen bestehen in der eingeschränkten Verfügbarkeit von 89Zr als kurzlebigem Radionuklid, den hohen Kosten sowie einer CAIX-negativen Tumorpopulation (~5–10 % der klarzelligen NZK und die Mehrheit nicht-klarzelliger Subtypen).
Therapeutische Anwendung
Die therapeutische Anwendung – als unmarkierter Antikörper sowie in Form der Radioimmuntherapie – ist bislang (2026) nicht etabliert und Gegenstand klinischer Studien.[3]
Sicherheitsprofil
Girentuximab wird im Allgemeinen gut vertragen. Als chimärer Antikörper besteht das Risiko einer Immunreaktion. Allergische Reaktionen und infusionsbedingte Nebenwirkungen wurden in klinischen Studien berichtet, traten jedoch selten auf.
Quellen
- ↑ Stillebroer AB, Mulders PF, Boerman OC, Oyen WJ, Oosterwijk E. Carbonic anhydrase IX in renal cell carcinoma: implications for prognosis, diagnosis, and therapy. Eur Urol. 2010;58(1):75-83. https://doi.org/10.1016/j.eururo.2010.03.015
- ↑ Rowe SP, Gorin MA, Gordetsky JB, et al. Zirconium-89-girentuximab PET/CT for noninvasive identification of clear cell renal cell carcinoma: the phase 3 ZIRCON trial. JAMA Oncol. 2024. https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2024.4248
- ↑ Steffens MG, Boerman OC, Oosterwijck JA, et al. Targeting of renal cell carcinoma with iodine-131-labeled chimeric monoclonal antibody G250. J Clin Oncol. 1997;15(4):1529-37. https://doi.org/10.1200/JCO.1997.15.4.1529