Fregoli-Syndrom
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Loslegennach dem italienischen Verwandlungskünstler Leopoldo Fregoli (1867–1936)
Synonym: Fregoli-Wahn
Englisch: Fregoli syndrome, Fregoli delusion
Definition
Das Fregoli-Syndrom ist eine seltene Form der wahnhaften Personenverkennung. Die Betroffenen sind überzeugt, dass verschiedene, ihnen eigentlich fremde Personen in Wirklichkeit ein und dieselbe vertraute Person sind, die lediglich ihr Aussehen verändert hat oder sich verkleidet.[1] Es zählt zu den wahnhaften Missidentifikationen.
Namensherkunft
Das Syndrom wurde 1927 von den französischen Psychiatern Paul Courbon und Gustave Fail beschrieben. Namensgeber ist der italienische Verwandlungskünstler Leopoldo Fregoli, der auf der Bühne durch extrem schnelle Kostüm- und Rollenwechsel zahlreiche unterschiedliche Personen verkörperte. Diese Fähigkeit zur raschen äußeren Verwandlung diente als Metapher für die wahnhafte Überzeugung der Betroffenen, ein und dieselbe Person trete in immer neuen Gestalten auf.[1]
Epidemiologie
Das Fregoli-Syndrom ist selten. Belastbare Prävalenzzahlen fehlen, die Kenntnisse beruhen überwiegend auf Fallberichten. Es tritt bei beiden Geschlechtern und in unterschiedlichen Altersgruppen auf, wobei sekundäre (organische) Formen tendenziell ältere Patienten betreffen.[2]
Ätiologie
Das Fregoli-Syndrom ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, das im Rahmen unterschiedlicher Grunderkrankungen auftritt. Man unterscheidet:
- Primär-psychiatrische Ursachen: Schizophrenie, schizoaffektive Störungen, wahnhafte Störungen und psychotische Depressionen
- Sekundäre (organische) Ursachen: Schlaganfall, neurodegenerative Erkrankungen (z.B. Demenz), Schädel-Hirn-Trauma und Epilepsie
In einer Metaanalyse aller publizierten Fälle wies etwa die Hälfte der Betroffenen eine sekundäre Ursache auf.[2]
Pathophysiologie
Als neurobiologisches Korrelat wird eine Störung der Personen- und Gesichtsidentifikation angenommen. Modelle gehen von einer Fehlfunktion im System der Gesichtserkennung und der Zuordnung von Vertrautheit aus: Dabei kann es zu einer pathologisch gesteigerten Vertrautheitsempfindung (Hyperfamiliarität) gegenüber unbekannten Gesichtern kommen. Diskutiert werden insbesondere Funktionsstörungen im Bereich des rechten Frontallappens sowie temporaler Areale, die an der Verarbeitung von Gesichts- und Personenidentität beteiligt sind.[3] Das Fregoli-Syndrom wird dabei als spiegelbildliches Pendant zum Capgras-Syndrom aufgefasst.
Symptome
Im Zentrum steht die wahnhafte Überzeugung, verfolgt oder beobachtet zu werden, wobei der vermeintliche Verfolger in wechselnden fremden Personen wiedererkannt wird. Charakteristisch sind:
- die Überzeugung, eine vertraute Person „stecke" hinter wechselnden Fremden
- häufig ein paranoider Bezug (Verfolgungserleben)
- mitunter Erklärungen der Betroffenen durch Verkleidung, Perücken oder plastische Operationen
Begleitend können weitere Verkennungssymptome sowie Defizite der visuellen Merkfähigkeit und exekutiver Funktionen bestehen.
Diagnostik
Die Diagnose wird klinisch anhand der psychopathologischen Exploration gestellt. Da eine organische Ursache häufig ist, gehören zur Abklärung:
- ausführliche Anamnese und neurologische Untersuchung
- zerebrale Bildgebung (bevorzugt MRT)
- Elektroenzephalografie (EEG) bei Verdacht auf epileptische Genese
- Labor- und ggf. Liquordiagnostik zum Ausschluss internistischer oder entzündlicher Ursachen
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Bei primär-psychiatrischer Genese stehen Antipsychotika im Vordergrund. Bei sekundären Formen ist die Therapie der zugrunde liegenden neurologischen Erkrankung entscheidend. Eine begleitende psychiatrische und psychosoziale Betreuung ist in der Regel erforderlich.
Prognose
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Santa Marinha L et al. Capgras and Fregoli syndromes revisited through six different psychiatric clinical cases. Eur Psychiatry. 2023;66(Suppl 1):S428.
- ↑ 2,0 2,1 Ashraf N et al. Neuropsychiatric features of Fregoli syndrome: an individual patient meta-analysis. J Neuropsychiatry Clin Neurosci. 2022;34(4):350-357.
- ↑ Langdon R, Connaughton E, Coltheart M. The Fregoli delusion: a disorder of person identification and tracking. Top Cogn Sci. 2014;6(4):615-631.