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Capgras-Syndrom

Englisch: Capgras delusion

1 Definition

Das Capgras-Syndrom stellt eine extrem seltene psychiatrische Störung dar, in deren Rahmen der Betroffene dem festen Glauben verfallen ist, seine nächsten Verwandten und Angehörigen seien durch völlig gleich aussehende Doppelgänger ausgetauscht worden.

2 Nosologie

Unter Psychiatern ist seit langer Zeit umstritten, ob diese Störung überhaupt als Syndrom anzusehen ist. Ein Syndrom besteht definitionsgemäß aus mehreren Krankheitszeichen. Das Capgras-Syndrom hingegen besitzt nur o. g. Symptomatik. Außerdem tritt das Phänomen auch als Begleiterscheinung anderer neurologisch-psychiatrischer Störungen (z.B. Demenz) auf. Daher setzten sich einige Mediziner dafür ein, das Capgras-Syndrom lediglich als Symptom anzusehen.

3 Geschichte

Die Erstbeschreibung erfolgte 1923 durch den namensgebenden französischen Psychiater Jean Marie Joseph Capgras.

4 Ursachen

Entgegen anfänglichen Theorien funktioniert die Gesichtserkennung der Patienten als solche fehlerlos. Die Verknüpfung zwischen der optischen Erkennung und der damit normalerweise verbundenen emotionalen Reaktion scheint hingegen gestört zu sein.

5 Symptome

Wie erwähnt besteht die Symptomatik in dem festen Glauben der Patienten, die nächsten Angehörigen seien durch vollkommen identische Individuen ausgetauscht worden. In einem konkreten Fall aus dem Jahr 1991 verweigerte eine Frau plötzlich den Geschlechtsverkehr mit ihrem Mann, da sie der festen Überzeugung war, es handele sich um eine andere, wenn auch gleich aussehende Person. Nur extrem selten tritt das Capgras-Syndrom isoliert auf. Häufiger kommt es bei bestimmten Grunderkrankungen wie einer Demenz, einer Schizophrenie oder einer Psychose vor.

6 Diagnose

Die Diagnose ergibt sich eindeutig aus der beschriebenen Symptomatik.

7 Therapie

Die Therapie besteht in den meisten Fällen in der Behandlung der Grunderkrankung. Ist diese unter Kontrolle, bessert sich auch die Symptomatik des Capgras-Syndroms. In einigen Fällen kann eine unterstützende Gesprächs- oder Verhaltenstherapie hilfreich sein.

Fachgebiete: Psychiatrie

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