Forensische Traumatologie
Definition
Die forensische Traumatologie ist ein Teilgebiet der Rechtsmedizin und beschäftigt sich mit der Analyse, Interpretation und Rekonstruktion von Verletzungen infolge äußerer Gewalteinwirkung. Sie umfasst die rechtsmedizinische Untersuchung von Verletzungen bei Lebenden und Toten, z.B. nach Gewaltverbrechen, Verkehrsunfällen, Arbeitsunfällen oder Sportunfällen.
Hintergrund
Die forensische traumatologische Begutachtung liefert wichtige medizinische Grundlagen für straf- und zivilrechtliche Verfahren. In der forensischen Traumatologie wird grundsätzlich zwischen stumpfer und scharfer Gewalt unterschieden, wobei je nach Fallkonstellation auch weitere Einwirkungsarten (z.B. ballstische, thermische oder elektrische Schäden) zu berücksichtigen sind. Diese Differenzierung ist nicht nur medizinisch, sondern auch juristisch von erheblicher Bedeutung, da die Art der Gewaltanwendung Auswirkungen auf das mögliche Strafmaß hat.
Aufgaben
Zentrale Aufgaben der forensischen Traumatologie sind:
- Erkennen der Art der Gewalteinwirkung anhand des Wundbefundes
- Einschätzung der Entstehungsart einer Verletzung (akzidentell, fremdbeigebracht, selbstbeigebracht)
- Beurteilung der Vitalität einer Verletzung (ante-, peri- oder postmortal)
- Abschätzung des Verletzungsalters
- Bewertung der Gefährlichkeit einer Verletzung
- Rekonstruktion des Tathergangs und Identifikation möglicher Tatwerkzeuge
Die Analyse erfolgt unter Berücksichtigung morphologischer Befunde, histologischer Untersuchungen sowie des kriminalistischen Kontextes.
Beurteilung des Verletzungsalters
Ein wesentlicher Aspekt ist die Frage, ob eine Verletzung zu Lebzeiten entstanden ist. Vitalreaktionen wie Blutungsreaktionen, entzündliche Veränderungen und Gewebereaktionen sprechen für eine ante- oder perimortale Entstehung. Postmortale Veränderungen zeigen hingegen keine Vitalreaktionen.
Die Altersbestimmung von Verletzungen erfolgt anhand makroskopischer (z.B. Farbveränderung eines Hämatoms) und mikroskopischer Kriterien.
Rekonstruktion der Verletzungsentstehung
Anhand charakteristischer Verletzungsmuster lassen sich:
- Bewegungsabläufe rekonstruieren
- Anzahl und Richtung von Gewalteinwirkungen bestimmen
- Rückschlüsse auf verwendete Tatwerkzeuge ziehen
- Aussagen zur Dynamik eines Unfalls oder einer Gewalttat treffen
Die forensische Traumatologie verbindet hierbei medizinisches Fachwissen mit kriminalistischer Methodik.
Literatur
- Ahne, S., Ahne, T., Bohnert, M. (2021). Forensische Traumatologie. In: Rechtsmedizinische Aspekte in der Notfallmedizin. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-62554-5_5.