Forensische Bildgebung
Definition
Die forensische Bildgebung ist ein Teilgebiet der Rechtsmedizin, das bildgebende Verfahren zur Diagnostik und Rekonstruktion von Verletzungen und Todesursachen einsetzt. Sie umfasst sowohl radiologische Verfahren (z. B. Röntgen, CT, MRT) als auch nicht-radiologische Bildgebungstechniken (z. B. 3D-Oberflächenscanning, Fotogrammetrie).
Hintergrund
Die rechtsmedizinische Untersuchung basiert primär auf der äußeren Inspektion und, im Todesfall, der Obduktion. Innere Verletzungen oder komplexe Verletzungsverläufe (z. B. Stich- und Schusskanäle) können nur eingeschränkt oder destruktiv erfasst werden. Die forensische Bildgebung ermöglicht eine:
- nicht-invasive oder minimalinvasive Untersuchung
- dreidimensionale Rekonstruktion von Verletzungen
- dauerhafte digitale Archivierung
- gerichtsverwertbare Befunddokumentation
Verfahren
Konventionelles Röntgen
Das konventionelle Röntgen spielt heute (2026) eine untergeordnete Rolle. Es eignet sich vor allem zum Nachweis von Fremdkörpern oder knöchernen Verletzungen, ist jedoch für die differenzierte Darstellung von Weichteilverletzungen ungeeignet.
Mehrschicht-CT
Die Mehrschicht-CT gilt als zentrale Methode der forensischen Bildgebung. Sie ermöglicht u.a.:
- Hochauflösende Darstellung von Knochen- und Weichteilstrukturen
- Dreidimensionale Rekonstruktion von Verletzungen
- Exakte Darstellung von Stichkanälen
- Lokalisierung von Fremdkörpern (z. B. Projektilen, Klingenfragmenten)
- Dokumentation ohne Veränderung oder Zerstörung des Befundes
MRT
Die MRT ermöglicht u.a.:
- Nachweis innerer Weichteil- und Organverletzungen
- Darstellung von Muskel-, Band- und Gefäßverletzungen
- Funktionelle und gewebespezifische Analysen durch moderne Sequenztechniken
Ein Vorteil der MRT ist die geringe Strahlenbelastung. Limitationen sind die höheren Kosten, der größere apparative Aufwand und die eingeschränkte Verfügbarkeit.
Virtuelle Autopsie
Die nicht-invasive Untersuchung Verstorbener mittels moderner radiologischer Verfahren dient heute (2026) als Ergänzung oder Alternative zur klassischen Obduktion. Daher haben sich in der modernen Rechtsmedizin die Begriffe "virtuelle Autopsie" und "Virtopsy" etabliert.
Literatur
- Hofer und Ferling, Forensische Bildgebung der scharfen Gewalt., Radiologie, 2024
- Glemser et al., Klinisch-forensische Bildgebung., Radiologe, 2015