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Energiemedizin

1 Definition

Als Energiemedizin werden verschiedene alternativmedizinische Behandlungskonzepte bezeichnet, deren gemeinsames Merkmal die Beeinflussung so genannter "Energiesysteme" des Körpers ist. Dabei handelt es sich mehrheitlich um glaubensbasierte Ansätze ohne naturwissenschaftliche Rationale, die im Widerspruch zur evidenzbasierten Medizin stehen.

2 Hintergrund

Die Energiesysteme werden meist nicht durch distinkte anatomische Strukturen (z.B. Nerven) repräsentiert, sondern durch mehr oder weniger präzise definierte Körperregionen, z.B. Dantians in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) oder Chakren im tantrischen Hinduismus und im Yoga. Darüber hinaus gibt es noch von der Anatomie abgekoppelte Bezeichnungen wie "Aura" oder "Energiematrix", die schon dem Bereich der Esoterik zuzuordnen sind.

3 Behandlungskonzepte

Auf den verschiedenen Theoriegebäuden der Energiemedizin basiert eine Vielzahl von Behandlungsverfahren, u.a.:

Das Ziel dieser Methoden ist es u.a., "Energieblockaden" oder "Ungleichgewichte" zu beseitigen bzw. "Energien zum Fließen zu bringen".

4 Kritik

Einer der Hauptkritikpunkte an der "Energiemedizin" ist die aus naturwissenschaftlicher Perspektive falsche Verwendung des Begriffs Energie. Wichtige Disziplinen, die sich mit dieser Größe befassen, sind die Physik, die Chemie, die Thermodynamik, aber auch die Biologie, die Biochemie und deren gemeinsames Teilgebiet der Bioenergetik. Die "Energiemedizin" verwendet Begriffe falsch oder ohne wissenschaftliche Grundlage.

4.1 "Energiefluss"

Ein Energiefluss ist wissenschaftlich betrachtet die Weitergabe physikalischer Energie zwischen verschiedenen Systemen. In der Ökologie etwa wird zunächst die eingestrahlte Sonnenenergie in der Biomasse der Pflanzen gespeichert (Produzenten), um dann an die anschließende Nahrungskette (Konsumenten) weitergegeben zu werden. Fluss ist hier also nicht im mechanischen Sinne des Flusses eines Fluids oder eines Stroms zu verstehen.

In der Elektrizitätslehre kann elektrische Ladung fließen. Dies wird als elektrischer Strom bezeichnet, sein Betrag als elektrische Stromstärke. Durch diesen Strom kann mit Hilfe einer Maschine mechanische Arbeit verrichtet werden, wodurch etwa ein physikalischer Körper Energie erhalten kann. Dabei wurde Energie umgewandelt, ist jedoch nicht geflossen.

In der Paramedizin wird hingegen fälschlicherweise das nicht-stoffliche Fließen der Energie als solcher propagiert.

4.2 "Energiefeld"

In einem Magnetfeld kommt es zum Phänomen des Magnetismus. Es handelt sich dabei um die Kraftwirkung auf magnetisierbare Materialien oder elektrische Ladungen, welche beispielsweise durch die Beschleunigung kinetische Energie erhalten. Die Energie liegt also im beschleunigten Gegenstand, nicht im Magnetfeld selbst vor.

Damit sind Begriffe wie "Energiefeld" oder "Aura", die implizieren, Energien wären an einer bestimmten Stelle lokalisiert, falsch.

4.3 "Energiezentrum"

In biologischen Organismen müssen die Prozesse insgesamt exergon ablaufen. Um die vitalen endergonischen Prozesse dennoch zu ermöglichen, muss die Zelle endergonische und exergonische Prozesse energetisch koppeln. Dazu kann Energie in energiereichen Bindungen (chemische Kopplung) oder über den Aufbau eines Membranpotentials gespeichert werden (chemiosmotische Kopplung). Energie ist im menschlichen Körper daher nur auf zellulärer Ebene vorhanden.

Konzepte, nach denen Energie in anatomisch lokalisierbaren, sogenannten "Energiezentren" konzentriert ist, sind deshalb irreführend.

5 Wirksamkeit

Die Wirksamkeit energiemedizinischer Behandlungsverfahren ist nicht durch kontrollierte klinischen Studien belegt. Von den Befürwortern werden stattdessen meist persönliche Erfahrungen und anekdotische Fallbeschreibungen angeführt, die nur eine geringe Evidenz haben.

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