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Dissoziative Identitätsstörung

Synonym: DIS
Englisch: Dissociative identity disorder

1 Definition

Eine dissoziative Identitätsstörung, kurz DIS, ist eine Form der Persönlichkeitsstörungen. Die frühere Bezeichnung multiple Persönlichkeit wird heutzutage nicht mehr verwandt.

Um eine dissoziative Identitässtörung handelt es sich, wenn innerhalb einer Person mindestens zwei verschiedene Persönlichkeiten oder Persönlichkeitszustände existieren. Man spricht von der sogenannten Abspaltung. Hiermit unterscheidet sie sich deutlich von der Theorie des Inneren Kindes. Dieses ist weder abgespalten noch eine autonome Persönlichkeit mit Kontrolle über das Verhalten des Individuums. Die Persönlichkeiten unterscheiden sich in ihrem Wesen, ihrer Sprache, der Wahrnehmung der Umwelt, den Vorlieben und / oder dem Verhalten. Zudem müssen mindestens zwei der Persönlichkeiten wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der Person übernehmen. Während eine der Persönlichkeiten die Kontrolle übernimmt, weiß die andere in der Regel nicht, was geschieht. Sie ist für diesen Zeitraum amnestisch. Die Persönlichkeitsanteile sind in der Regel autonom. Sie können unterschiedlichen Alters und Geschlechtes sein. Ebenso berichten Studien, dass verschiedene Anteile auch verschiedene Krankheiten zeigen können.

2 Ätiologie

Trotz womöglich hoher Dunkelziffern aufgrund fehlender oder falscher Diagnosen gehört die dissoziative Identitätsstörung mit einer Auftretenswahrscheinlichkeit von 0,5-1 % pro 100000 Personen zu den seltenen Erkrankungen. Das weibliche Geschlecht ist häufiger betroffen als das männliche. Eine dissoziative Störung entsteht nur in der frühen Kindheitsphase. Ab dem 5. Lebensjahr nimmt die Prävalenz deutlich ab, was auf die zunehmende Hirnreife und Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit bestimmten Situationen und der Fähigkeit zum Begreifen und Abstrahieren verbunden ist.

3 Pathogenese

Die dissoziative Persönlichkeitsstörung entwickelt sich auf dem Boden schwerer traumatischer Erlebnisse in der allerfrühesten Kindheit. Man sagt, zu einer Abspaltung von Persönlichkeitsanteilen kommt es bei Traumata vor dem 5. Lebensjahr. Die Prävalenz steigt je jünger das Kind zum Zeitpunkt des Traumas ist.

Die Grundlage der Abspaltung (Dissoziation) bildet das Auftreten einer Situation, die für das Kind ohne Anpassung den sicheren Tod bedeuten würde. Indem es in dieser Situation aufgrund seines Alters und seiner Schutz- und Pflegebedürftigkeit weder fliehen noch sich verteidigen kann, sucht es einen Ausweg aus der lebensbedrohlichen Situation und spaltet. Oft beginnt es mit Abspaltung von Körperempfindungen z.B. während sexuellen Missbrauchs. Der Genitalbereich und die Bauchregion werden z.B. unempfindlich für Schmerz und Berührung. Im Verlauf kommt es, nachdem das Kind das Positive am Spalten (Dissoziieren) erkannt hat, zur Abspaltung ganzer Persönlichkeitsanteile. Es wird beschrieben als Verlassen des Körpers. Die unemfpindliche Körperhülle wird zurückgelassen, während das Kind die Szene aus einer anderen Ecke des Raumes wahrnimmt. Es hat damit eine Persönlichkeit geschaffen, die unempfindlich für die Situation ist und diese aushält. Sei es in einer Missbrauchssituation jedweder Art oder in einer sehr beängstigenden Situation zum Beispiel bei sich selbst überlassenen Kindern. Ist der Mechanismus des Spaltens erst einmal in Gang gesetzt, wird er immer wieder verwandt und es entstehen eine Vielzahl von Persönlichkeitsanteilen oder Fragmenten. Was im Kindesalter dem Überleben diente, wird auch im Erwachsenenalter fortgesetzt. Und jede zur Anspannung und Angst und Ohnmacht führende Situation kann bei diesen Patienten zu erneuten Spaltungen führen.

4 Klinik

Klinisch zeigen die Patienten das Bild einer posttraumatischen Belastungsstörung mit all seinen Symptomen an Flashbacks, Albträumen, depressiven Phasen, suizidalen Komponenten, psychosomatischen Beschwerden, Schlafstörungen, Essstörungen und ähnlichem. Besonders auffallend sind die beschriebenen Amnesien und Zeitverluste, die von mehreren Minuten bis hin zu Monaten reichen können. Außerdem erscheinen die Patienten situativ geistig abwesend, was auf interne Persönlichkeitswechsel hinweisen kann.

In der Regel ist ein solches multiple System so organisiert, dass es einem unerfahrenen schwer ist, einzelne Persönlichkeitsanteile auszumachen. Etwa 1/3 der Patienten hat ausgeprägte und nach außen auffallende Persönlichkeitswechsel. Die übrigen 2/3 zeigen nach außen weniger stark differenzierte Persönlichkeiten, was als Eigenschutz des Gesamtsystems gewertet werden kann.

5 Therapie

Die Therapie sollte von erfahrenen Traumatherapeuten durchgeführt werden. Neben der Traumatherapie ist der Aufbau eines sozialen Netzwerkes unbedingt erforderlich. Ebenso sollten die Patienten lernen, für sich selbst zu sorgen. Die Organisierung des Systems ist dabei ein wichtiger Faktor. Denn erst wenn ein Hauptteil der Persönlichkeiten sich kennen und zusammen arbeiten können, kann ein halbwegs normaler Alltag gelebt und aufrecht erhalten werden. Eine medikamentöse Therapie gibt es nicht. Es besteht die Möglichkeit, depressiven Symptomen mit Antidepressiva entgegenzuwirken. Bewährt haben sich hier die SSRIs.

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