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Dissoziative Identitätsstörung

Synonym: multiple Persönlichkeitsstörung, multiple Persönlichkeit (obsolet)
Englisch: dissociative identity disorder, multiple personality disorder

1 Definition

Eine dissoziative Identitätsstörung, kurz DIS, ist eine Form der dissoziativen Konversionsstörungen. Der Patient weist mindestens zwei getrennte Persönlichkeiten auf, wobei zu einem bestimmten Zeitpunkt immer nur eine nachweisbar ist.

2 Nomenklatur

Die dissoziative Identitätsstörung wurde früher auch als multiple Persönlichkeit(sstörung) bezeichnet. Dieser Begriff findet noch Verwendung in der ICD-10-Klassifikation, sollte jedoch inzwischen nicht mehr verwendet werden.

3 Epidemiologie

Eine dissoziative Identitätsstörung wird in Europa deutlich seltener als in den USA diagnostiziert. In der angloamerikanischen Literatur wird die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung mit 1 - 1,5 % angegeben.

Das weibliche Geschlecht ist häufiger betroffen als das männliche. Eine DIS entsteht meist in der frühen Kindheitsphase. Ab dem 5. Lebensjahr nimmt die Prävalenz deutlich ab, was auf die zunehmende Hirnreife und Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit bestimmten Situationen und der Fähigkeit zum Begreifen und Abstrahieren verbunden ist.

4 Ätiopathogenese

Die genaue Ursache der dissoziativen Identitätsstörung ist derzeit (2020) unklar. Sie entwickelt sich meist auf dem Boden schwerer traumatischer Erlebnisse in der frühen Kindheit. Typische Auslöser sind Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch. Die schwer zu verarbeitenden psychischen Konflikte führen zu einer Dissoziation, die initial oft auf Körperempfindungen beschränkt ist. Beispielsweise werden Genitalbereich und die Bauchregion unempfindlich für Schmerz und Berührung. Im Verlauf kommt es, verstärkt durch den primären und sekundären Krankheitsgewinn, zur Abspaltung ganzer Persönlichkeitsanteile. Es wird beschrieben als Verlassen des Körpers. Die unempfindliche Körperhülle wird zurückgelassen, während das Kind die Szene aus einer anderen Ecke des Raumes wahrnimmt. Es hat damit eine Persönlichkeit geschaffen, die unempfindlich für die Situation ist und diese aushält.

Von einigen Autoren wird die Existenz dieser Störung angezweifelt, andere ordnen die Symptome im Bereich der Borderline-Persönlichkeitsstörungen ein. Volkstümlich wird die Störung oft mit der Schizophrenie verwechselt.

5 Klinik

Die Persönlichkeiten unterscheiden sich in ihrem Wesen, ihrer Sprache, der Wahrnehmung der Umwelt, den Vorlieben und/oder dem Verhalten. Zudem müssen mindestens zwei der Persönlichkeiten wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der Person übernehmen. In typischen Fällen hat keine Persönlichkeit Zugang zu den Erinnerungen der anderen und ist sich meist auch nicht der Existenz der anderen bewusst.

Besonders auffallend sind die beschriebenen Amnesien und Zeitverluste, die von mehreren Minuten bis hin zu Monaten reichen können. Außerdem erscheinen die Patienten situativ geistig abwesend, was auf interne Persönlichkeitswechsel hinweisen kann.

Etwa ein Drittel der Patienten hat ausgeprägte und nach außen auffallende Persönlichkeitswechsel. Die übrigen zwei Drittel zeigen nach außen weniger stark differenzierte Persönlichkeiten, was als Eigenschutz des Gesamtsystems gewertet werden kann.

6 Diagnose

Die Diagnose der DIS erfolgt durch Erhebung der Eigen- und Fremdanamnese.

7 Differenzialdiagnosen

8 Therapie

Die Therapie der dissoziativen Identitätsstörung basiert primär auf einen psychotherapeutischen Ansatz zur Traumaverarbeitung und ggf. zur Integration von Persönlichkeitszuständen.

Eine spezifische medikamentöse Therapie gibt es derzeit (2020) nicht. Depressive Symptome können begleitend mit Antidepressiva (z.B. SSRIs) behandelt werden.

Diese Seite wurde zuletzt am 16. Oktober 2020 um 13:55 Uhr bearbeitet.

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